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Alex Ruthner

Alex Ruthner Bildnern überschneidet sich Gegenständliches mit Abstraktem, der Künstler zeigt uns eine Auswahl an Arbeiten noch während des Entstehungsprozesses.

Alex, du hast bildende Kunst bei Peter Kogler, Albert Oehlen und Daniel Richter studiert. Erzähl uns bitte, was deine Kunst ausmacht.
Meine Kunst ist die Liebe zum Leben. Da diese Liebe nur sehr schwer zu finden ist, beschreibe ich die Suche danach und meine Vorstellung von dieser Liebe. Eigentlich beschreibt man Dinge oder etwas, das mit Worten schwer oder gar nicht zu beschreiben ist. Ich wähle daher – je nach Format oder Situation – die passenden Vokabeln aus den Werkgruppen, in die ich meine Malereien unterteile. Manchmal sind es Wiesen, die ich nutze um etwas jenseitiges darzustellen, oder es sind Abstraktionen von Natur oder Menschen in der Natur. Ich möchte nur durch Rhythmus, Form und Farbe zum Beispiel eine Haltung oder einen Gedanken ausdrücken. Auf der anderen Seite gibt es einen figurativen Teil meines Werks, der sich nicht auf ein Thema beschränkt, sondern sich in Serien weiter erklärt, weiterentwickelt.

Woran arbeitest du gerade?
Ich male gerade ein Buch, so wie ein Schriftsteller ein Buch schreibt. Eine Sammlung aus circa 100 Arbeiten wird ein Buch ergeben, das den Untertitel „Volume 1“ trägt. Alle Arbeiten werden im Format 30 cm x 40 cm bzw. 40 x 30 cm gemalt. Das wird auch das Format des Buchs sein.
Ich will es nicht Katalog nennen oder Künstlerbuch, weil sich mein Buch dazwischen bewegen wird. Die grafischen Arbeiten ergänze ich mit Texten, die ich schreibe, wie ein Maler ein Bild malt. Dieses Buch soll im Laufe des Jahres erscheinen.

Das klingt sehr spannend! Erzähl uns doch etwas über den Entstehungsprozesses des Buches.
Ich erstelle die kleinen Bilder, den Bildteil des Buches sozusagen, in Tranchen. Zuerst werden die Leinwände gefertigt, grundiert, geschliffen, um einen Malgrund herzustellen. Danach werden die Bilder gezeichnet, sehr schnell, grob, mit Öl-Bunstiften. Es entstehen Vorzeichnungen, die das Bildmotiv vorgeben. Das dauert meist nur wenige Minuten oder Sekunden. Dann werden nach und nach die Bilder in Ölfarben fertiggestellt, es sind kleine Ölbilder oder vielmehr Öl-kolorierte Zeichnungen. Viele werden überarbeitet. Dieser Prozess dauert mehrere Wochen. Neben der Malerei wird das Layout entworfen, die Texte werden im Kopf begonnen und entworfen.
Ich muss einen Verlag finden, mit der Druckerei kommunizieren, das endgültige Material und Format müssen immer wieder angepasst werden. So fließen die Arbeitsschritte ineinander.

Selfportrait, Soli Kiani, 2018 © Soli Kiani

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen, sagt Aristoteles. Ein anderes Sprichwort sagt, er ist schwer – wie zum Beispiel der erste Strich auf einer weißen Leinwand. Wie beginnst du ein neues Werk?
Der Anfang ist die erste Hälfte, die Fertigstellung ist die zweite Hälfte des Ganzen. Daher ist ein gewisses Organisationstalent von Vorteil. Wenn man Arbeitsschritte timen kann und die eigene Aktivität ausnützt, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, das gedruckte Buch bald in den Händen zu halten. Angeblich.

Wie oder wo findest du Inspiration?
Mein Buch „Volume 1“ ist von den „Aphorismen“ Franz Kafkas und Italo Calvinos „Die unsichtbaren Städte“ inspiriert. Es ist als Episoden-Sammlung zu verstehen, als Poesie. Vielleicht auch als filmisches Storyboard.
Zeichnerisch versuche ich eine sich durch das ganze Buch ziehende Laxheit walten zu lassen: Die Zeichnungen von John Romita jr., die meine Vorstellung von Bewegung anregt, oder die dystopische Energie Katsuhiro Otomos oder Masamune Shirows haben mich schon als Kind inspiriert.

Hast du ein persönliches Arbeitsritual, dem du gerne folgst?
Aufwachen, Kaffee trinken und konzentriert arbeiten. Mich nicht von mir selbst ablenken lassen.

Was ist dir an deinem Studio besonders wichtig?
Gutes Licht und gute Luft.

alexruthner.com

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