Vernissage: 8. November 2022, 19 Uhr, Künstler anwesend, Kurator und Publizist Dr. Björn Vedder spricht zur Ausstellung

Ausstellung ab: 9. November 2022

Di – Fr 12 – 18 Uhr, Sa 11 – 14 Uhr

 

 

Krinzinger Schottenfeld freut sich, mit Re-Retreat die jüngste Einzelausstellung von Erik Schmidt zu präsentieren, die das schwer fassbare Paradies, das er mit seinem vorherigen Projekt Retreat geschaffen hat, um neue Elemente und Materialien zu erweitern. Die kreative Erkundung des 1968 geborenen polyedrischen, deutschen Malers ist oft von den Erzählungen seiner Reiseerfahrungen und seinem Wunsch geprägt, zu veranschaulichen, was er durch die Begegnung mit fremden Kulturen wahrnimmt.

 

 

Die Ausstellung nimmt uns mit auf eine sechswöchige Reise, die der Künstler im vergangenen Frühjahr nach Sri Lanka unternahm. Gemeinsam reisen wir in die Dörfer rund um die Hauptstadt Colombo, wo im März 2022 Massenproteste begannen und sich über das ganze Land ausbreiteten. Proteste von Menschen, die sich – dreizehn Jahre nach dem Ende eines langen Bürgerkriegs – noch immer von der Krise erholen und nun mit einer Wirtschaftskrise zu kämpfen haben, zu der Stromausfälle und Engpässe bei grundlegenden Gütern wie Treibstoff, Lebensmitteln und Medikamenten gehören.

 

 

In No Crisis, einer Zeichnungsserie, die auf Fotos basiert, die er auf seinen Streifzügen durch die Straßen aufgenommen hat, identifiziert Schmidt einzelne Personen aus dem Strom der Menschen, die in ihren Lebensrhythmus oder ihre Aktivitäten vertieft sind, und porträtiert sie auf den Seiten von Zeitungen, aus denen er täglich die nationalen Nachrichten erhält. Das Ergebnis ist eine äußerst ausdrucksstarke Gegenüberstellung von dicken Pinselstrichen, die einen echten Einblick in die örtliche Gemeinschaft gewähren und, trotz der begrenzten Farbskala und der hohen Luftfeuchtigkeit der Gegend, auch den „politischen Boden“ dieser Gemeinschaft zeigen. Einige Porträts hingegen werden später in seinem Atelier entwickelt, wobei er die besondere Technik des Übermalens bedruckter Leinwand anwendet, um seine dynamische, optische Filterung der Welt darzustellen.

 

 

Überwältigt von einer so politisch konnotierten Umgebung, wird selbst der faszinierte Blick des Malers beeinträchtigt. In Palm Bombs, kleinen Skizzen und großformatigen Gemälden, die auf Fotografien von Palmen basieren und während des Aufenthalts in der One World Foundation aufgenommen wurden, verwandelt sich die Natur selbst in ein Kriegsgebiet. Schmidts Perspektive ermöglicht dem Betrachter einen Blick von unten auf die Palmen, was normalerweise verboten ist, um Schäden durch herabfallende Kokosnüsse zu vermeiden. Die Impasto-Technik überschattet hier die Fotografie mit einer aggressiven Note, und die Farbe erreicht einen greifbaren skulpturalen Aspekt, indem sie innere Schwingungen in reine, verstörende Farbe umwandelt: Früchte werden so zu Bomben, Palmenblätter zu ihren Explosionsstrahlen.

 

 

Was von diesen Explosionen übrig geblieben ist, liegt auf dem Boden des Raumes, vielleicht von denselben Bäumen gefallen, wirken sie wie Waffen und Handgranaten. Weitere Zeitungsseiten liegen auf einem Kleiderbügel, überschrieben mit Schlagwörtern, als ob man verzweifelt versucht, die Nachrichten, die man zu lesen gezwungen ist, auszulöschen. Die Erwartung, dass es sich bei diesem Palmenhaus um ein Paradies handelt, verblasst und bringt uns zurück zum gewaltsamen Scheitern der Zivilisation.

 

 

Die vergebliche Suche nach einem Zufluchtsort findet sich auch in den beiden Videos Fine und Inizio wieder, die thematisch mit den Gemälden verwandt sind, aber in einem anderen geografischen und zeitlichen Kontext spielen. Das Szenario verlagert sich von der greifbaren Realität zu Schmidts eigener innerer Dimension, dem verlorenen Paradies, in dem die Illusion eines Zufluchtsortes erneut unerreichbar ist. Eine Art Selbsterforschung durch Schuldgefühle und Katharsis, welche zweifellos auf die Unruhe seiner Lebensreise zurückzuführen sind, resultieren schließlich in der bewussten Erkenntnis, dass es auf der Welt keinen Platz mehr für Rückzug gibt.

 

 

Text: Silvio Saraceno

ART SPACE

Schottenfeldgasse 45, 1070 Wien, Österreich

+43 1 5128142

schottenfeld@galerie-krinzinger.at

KRINZINGER SCHOTTENFELD

Krinzinger Schottenfeld wurde im Jahr 2002 als Krinzinger Projekte gegründet. In der Galerie Krinzinger Schottenfeld finden verschiedene Ausstellungen statt, in denen neben den Künstler:innen aus dem Galerieprogramm auch junge, aufstrebende Talente präsentiert werden. Gemeinsam mit der Galerie Krinzinger lädt Krinzinger Schottenfeld junge Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland zur Teilnahme am Artist-in-Residence-Programm der Galerie ein, das derzeit Destinationen in Österreich, Kroatien, Ungarn und Sri Lanka beinhaltet.

Erik Schmidt, Suham Turtle, 2022, Öl auf Fine Art Print, auf Leinwand, 150 x 70 cm, courtesy Galerie Krinzinger und Erik Schmidt

ERIK SCHMIDT: Re-Retreat

8 Nov 2022 - 14 Jan 2023

Schottenfeldgasse 45, 1070 Wien, Österreich

Erik Schmidt, Suham Turtle, 2022, Öl auf Fine Art Print, auf Leinwand, 150 x 70 cm, courtesy Galerie Krinzinger und Erik Schmidt

ERIK SCHMIDT: Re-Retreat

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