KRISTOF SANTY | Icon

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Kristof Santy_Boterham met choco 2021_Oil on canvas_180 x 200 cm

Date and time

14/01/20225/03/2022

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Beim Betreten von Kristof Santys geräumigem Atelier oder seines Wohnhauses im belgischen Roeselare verspürt man ein Gefühl von Eifer und Wissensdurst, das von den Objekten ausgeht, die über die Räume und Flure verstreut sind. Neben den erforderlichen Malmaterialien und -gerätschaften findet sich ein großes Regal, das bis an den Rand mit verschiedensten Büchern gefüllt ist, sowie eine umfangreiche Sammlung von beliebigen Gegenständen (Objets trouvés), altmodischen Werkzeugen, Figuren, Souvenirs und Nippes, die den neugierigen und immerzu wissbegierigen Geist des Künstlers erkennen lassen. Es war dieser Aspekt seines Charakters, der ihn bei seinem Wien-Besuch im Jahr 2021 sofort einen besonderen Zugang zur Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums finden ließ. Diese Präsentation einer kompakten, fokussierten Sammlung von Objekten, die entsprechend profunder Kriterien eine größere und tiefere, über ihren alltäglichen Verwendungszweck hinausgehende Bedeutung erhielten, stand im Einklang mit seiner eigenen Vorstellung, materielle Gegenstände nach Qualitäten jenseits ihrer vorgegebenen Zweckbestimmung zu beurteilen. Ungefähr zur gleichen Zeit besuchte der Künstler das Victoria & Albert Museum in London, wo er von dem Kabinett, in dem alte Schlüssel und Schlösser ausgestellt sind, besonders fasziniert war. Alltagswerkzeuge, die wir alle in unseren Taschen mit uns tragen, als kostbares Museumsobjekt präsentiert zu sehen, entsprach ebenfalls wieder Santys Interesse, die Formen eines Gebrauchsgegenstandes zu untersuchen und diesen dann in ein herausragendes formales Motiv auf einer Bildfläche zu verwandeln.
Diese Haltung gegenüber Materialität und Darstellung steht in gewissem Maße in direktem Gegensatz zu den grundlegenden Ideen von Kasimir Malewitschs Suprematismus, der das Fehlen einer realistischen Darstellung sowie von Kontur, Perspektive oder Dimension verteidigte. Dass Malewitsch 1915 sein ikonisches Schwarzes Quadrat bei der letzten futuristischen Ausstellung der Malerei 0,10 im russischen Petrograd in die Ecke eines Raums hängte, nahm einen entscheidenden Einfluss darauf, welche Richtung die moderne und zeitgenössische Kunst nahm, veranlasste Santy aber auch, den Begriff der Ikone, unser Verhältnis zu Ikonen und das, was sie darstellen, zu überdenken. Bei seiner ersten Einzelausstellung in Österreich spielt der belgische Künstler mit der traditionellen spirituellen Bedeutung des sakralen Kunstwerks, indem er banalste Alltagsgegenstände anstelle der traditionellen religiösen Bildwelt präsentiert. Während er die Beziehung zwischen menschlicher und transzendenter Sphäre untersucht und dem Vater der nicht gegenständlichen oder abstrakten Kunst auf subtile Weise Anerkennung zollt, verfolgt er jedoch stetig sein Hauptinteresse, nämlich die Beschäftigung mit Monumentalität und der direkten Darstellung erkennbarer Formen. Gleich ob er sich mit Alltagskost (Boterham met choco, Dubbele hamburger met vettige saus oder Braadworst, alle Arbeiten von 2021) oder dem breiten Spektrum gewöhnlicher Werkzeuge und Schlüssel auseinandersetzt, betrachtet er die Malerei weiterhin stringent als ein Medium, das stark von der Volkskunsttradition wie auch von Jean Brusselmans Werk beeinflusst ist.
In seinem künstlerischen Schaffen treibt Santy seine technische Wissbegierde weiter voran und probiert neue Methoden aus, bei denen er die Ölfarben schichtet und manipuliert. Durch die Wiedergabe der schlichten, jedoch formreichen Objekte als Schlüssel oder Bandrolle untersucht er Farbe, Textur und Oberfläche und lässt so eine höchststilisierte Darstellung des alltäglichen Gebrauchsgegenstandes entstehen. Diese Gemälde schildern das akribisch gefertigte Objekt scheinbar mit großer Genauigkeit, doch in Wirklichkeit vermitteln sie nur ihre Körperlichkeit und suggerieren ihren Charakter. Indem der Künstler die Farbe auf unterschiedliche Arten aufträgt und bearbeitet und so wesentliche Strukturelemente erfasst, entwickelt sich der schöpferische Prozess mitunter zur Improvisation mit unerwarteten Ergebnissen weiter. Durch die Platzierung des Motivs in der Mitte der Leinwand vor einem leeren Hintergrund und bis dicht an die Ränder legt der Künstler den Akzent auf die vielfältigen Formen und Oberflächen, während er grundsätzlich elementare Kompositionen in eine spannende monumentale Bildfläche verwandelt. Mit einem Interesse an der Subjektivität von Wahrnehmungen, wie sie in Stanislas Lems Roman Solaris propagiert wird, ist der Materialismus hier als ein formales Vokabular auf der Grundlage einer universal erkennbaren Sprache verwendet. In Kombination mit der konsistenten Farbwahl, die eine Atmosphäre vergangener Zeiten heraufbeschwört, ist jedes Werk von einer sensiblen Stimmung erfüllt, welche die leblosen Gegenstände ein Stück weit beseelt und ihnen eine Form von Persönlichkeit verleiht. Der wohlausgewogene Einsatz formaler Elemente vom Motiv selbst über seine stilisierte Darstellung bis hin zu den reichen Texturen und dem gesamten Erscheinungsbild der Werke unterzieht letztlich unsere Beziehung zu Gebrauchsgegenständen im Kontext der Alltagsdynamik einer erneuten Prüfung.
(Sasha Bogojev, 2021, übers. von Eva Dewes)
LOCATION

Margaretenstraße 5, 1040 Wien

http://koenig2.at/

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koenig2@christinekoeniggalerie.at

KOENIG2 by_robbygreif

Christine König Galerie wurde 1989 in Wien gegründet. Die Galerie repräsentiert eine Vielzahl internationaler, etablierter Künstler und arbeitet gleichzeitig mit einer dezidiert jüngeren, aufstrebenden Generation. Das Programm der Galerie und die Auswahl der Künstler orientiert sich stark an Themen, die für Christine König relevant sind: Politik und Aktivismus, Feminismus, Literatur, aber auch postkonzeptuelle Ansätze. Kunst ist in den letzten Jahrzehnten zum dominanten kulturellen Handlungs- und Diskursfeld geworden. Mehr als über Popmusik, Literatur oder Film kann über bildende Kunst Verständnis für und Einsicht in gesellschaftspolitische und kulturelle Veränderungsprozesse gewonnen werden.

KOENIG2 by_robbygreif ist seit 2017 der neue Projektraum – fokussiert auf junge und experimentelle Positionen, die das Programm der nahe gelegenen Galerie ergänzen. Die Ausstellungen in KOENIG2 sind nur nach Vereinbarung geöffnet, aber 24 Stunden beleuchtet und von außen einsehbar.

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