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KALENDER

WIEN

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    Ausstellung

    Siegfried Zaworka

    Funktionale

    27/09/201924/09/2022

    mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

    Museumsplatz 1,
    1070 Wien

    Mit Siegfried Zaworka lädt das mumok erstmals einen österreichischen Künstler ein, die Wand im Foyer des Museums mit einer eigens dafür konzipierten Arbeit zu bespielen. Nach den fotobasierten Installationen von Cindy Sherman, Louise Lawler und Jeff Wall sind es bei Zaworka die Mittel der Malerei, die einer künstlerischen Befragung unterzogen werden. Unter dem Titel Funktionale arrangiert er eine Gruppe von auf bloße Leinwand gemalten Bildelementen zu einem temporären Wandbild, das mit der Wahrnehmung der Betrachter*innen ein raffiniertes Spiel treibt. Was auf den ersten Blick wie eine surreale Landschaft mit Gebirgskette, Tannenbaum und vegetabilen Formen anmutet, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als systematische Auseinandersetzung mit dem illusionistischen Potenzial der Malerei.

    Ausstellung

    a_schau

    Dauerausstellung

    1/01/202031/12/2021

    Architekturzentrum Wien

    MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Die „a_schau“ ist die Dauerausstellung des Az W. Sie zeigt einen kompakten Überblick zur Entwicklung und Geschichte der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts und einen einzigartigen Blick auf 150 Jahre Architekturschaffen in Österreich.

    In zehn Episoden entfalten sich die relevantesten Phänomene und Strömungen und lassen dabei Platz für autonome Positionen. Ausgehend vom Aufstieg Wiens zur imperialen Großstadt führt die Ausstellung ins Spannungsfeld zwischen sozialpolitischem Experiment, der „Eroberung“ alpiner Landschaftsräume, den Machtverstrickungen in der NS-Zeit und dem Wiederaufbau nach 1945.

    Moderne, Experimente und Krisen
    Das Jahr 1958 ist für die Architekturentwicklung in Österreich signifikant. Es werden einige Schlüsselbauten fertiggestellt, die einen etwas späten Aufbruch in die internationale Moderne signalisieren. Danach machen sich Raumfahrt, der weltweite Siegeszug von Pop-Kultur und Massenmedien in der Architekturproduktion bemerkbar. Die Ölkrise von 1973 setzt den utopischen Konzepten ein abruptes Ende und markiert gleichzeitig den Beginn einer Vielzahl von konstruktiven und formalen Experimenten. Wichtiger Bestandteil der Ausstellung sind aktuelle Positionen quer durch Österreich, die in digitaler Form präsentiert werden.

    Kuratorinnen: Gabriele Kaiser, Monika Platzer, Az W

    Günther Domenig, Steinhaus, 1986–2008 © AzW Wien, Sammlung, Foto: Margherita Spiluttini

    Ausstellung

    HELMUT LANG ARCHIV

    EINE INTERVENTION VON HELMUT LANG

    16/06/20209/01/2022

    MAK – Museum für angewandte Kunst

    Stubenring 5,
    1010 Wien

    Bis 9. Jänner 2021 zeigt das MAK im HELMUT LANG ARCHIV eine temporäre Intervention von Helmut Lang, die sich mit dem Archiv als Sammlungs-, Aufbewahrungs- und Ausstellungsort und Speicher von Erinnerungen sowie dem Potenzial seiner Nutzung beschäftigt. Das MAK ist die einzige Institution weltweit, in der die Geschichte der Markenentwicklung und -identität Helmut Langs nachvollzogen werden kann. Seit Helmut Langs Rückzug aus der Modebranche im Jahr 2005 konzentriert sich der 1956 geborene Österreicher auf sein künstlerisches Schaffen – 20 internationale Museen erhielten Schenkungen von Helmut Lang.

    Ausstellung

    Dauerausstellung Schausammlung

    1/07/202031/12/2021

    Oberes Belvedere

    Prinz Eugen-Straße 27

    Mehrere tausend Werke aus neun Jahrhunderten umfasst die Sammlung des Belvedere. Das Museum wirft mit der Aufstellung der Sammlung einen spannenden Blick aus unerwarteter Perspektive auf die Werke von Künstler_innen wie Rueland Frueauf d. Ä., Franz Xaver Messerschmidt, Ferdinand Georg Waldmüller, Gustav Klimt, Erika Giovanna Klien, Egon Schiele, Helene Funke oder Oskar Kokoschka.

    Der umfangreiche Bestand des Belvedere umfasst Werke vom Mittelalter bis in die Gegenwart, darunter die weltweit größten Sammlungen von Ferdinand Georg Waldmüller und Gustav Klimt oder die Charakterköpfe von Franz Xaver Messerschmidt. Mit der Schausammlung schafft das Obere Belvedere neuartige Zugänge zu diesen Meisterwerken der Kunst.

    Themenräume unterbrechen die chronologisch den Kunstepochen folgende Hängung. Ein vielschichtiger Dialog entsteht so zwischen den Klassikern der Kunstgeschichte und zeitgenössischen Positionen. Die Räume kreisen um Fragestellungen zu Österreichs Geschichte, seiner Identität und seiner Kunst. So wird ein Spannungsfeld zwischen historischen Referenzen und aktuellen Bezugspunkten erzeugt – scheinbar Altbekanntes kann im neuen Kontext wiederentdeckt werden.

    Dem Bau des Schloss Belvedere unter Prinz Eugen von Savoyen, der Museumsgründung, der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages und der heutigen Rolle als modernes Museum ist ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet, der die bewegte Geschichte des Hauses reflektiert.

    Ausstellungsansicht "Schausammlung Neu" Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien

    Alle Programmformate

    Meisterwerke der Moderne

    Die Sammlung Batliner

    1/07/202031/12/2021

    Albertina

    Albertinaplatz 1, 1010 Wien

    Die Schausammlung der ALBERTINA wurde vollständig neu aufgestellt. Schwerpunkt der aktuellen Präsentation sind zahlreiche bisher selten gezeigte Arbeiten Pablo Picassos. Die ALBERTINA besitzt mit der Sammlung Batliner eine der bedeutendsten Kollektionen Europas zur Malerei der Klassischen Moderne.
    Den Ausgangspunkt der permanenten Ausstellung bilden die Künstler des Impressionismus und des Postimpressionismus wie Degas, Cézanne, Toulouse-Lautrec und Gauguin. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Deutschen Expressionismus mit den Künstlergruppen Die Brücke und Der Blaue Reiter sowie auf der Neuen Sachlichkeit mit Werken von Wacker, Sedlacek und Hofer. Den Fokus auf die Kunst Österreichs vertiefen Werke von Kokoschka sowie Gemälde von Egger-Lienz. Die Vielfalt der russischen Avantgarde illustrieren Gemälde von Gontscharowa, Malewitsch und Chagall.

    Die ALBERTINA begrüßt die Sammlung Othmar Huber zu einem Gastauftritt im Rahmen der Schausammlung. Aus der Kollektion des Schweizer Augenarztes Othmar Huber (1892–1979) wird eine Auswahl von 15 Werken präsentiert, die einen Dialog zwischen diesen beiden herausragenden Sammlungen der Klassischen Moderne entfacht. Der Fokus dieser Begegnung von Schlüsselwerken der Moderne liegt auf dem Blauen Reiter, darunter Marcs Hauptwerk Blaues Pferd II, Mackes Hafen von Duisburg sowie Werken von Kandinsky und Klee. Zwei bedeutende Gemälde von Picasso, Schlafende Trinkerin aus der frühen Phase seiner Blauen Periode sowie Frau im Profil, die zusammen mit dem reichen ALBERTINA-Bestand an Werken Picassos präsentiert werden, runden das besondere Gastspiel ab. Die ausgestellten Werke sind Leihgaben der Stiftung Othmar Huber, die im Kunstmuseum Bern beheimatet ist, und des Kunsthauses Glarus.

    Paul Signac | Venedig, die rosa Wolke, 1909 | © ALBERTINA, Wien – Sammlung Batliner

    Ausstellung

    MAK SCHAUSAMMLUNG WIEN 1900

    Design / Kunstgewerbe 1890-1938

    1/07/202031/07/2022

    MAK – Museum für angewandte Kunst

    Stubenring 5,
    1010 Wien

    Die Räume der Schausammlung sind von zeitgenössischen KünstlerInnen gestaltet und zeigen ausgewählte Highlights der MAK-Sammlung. In einem einzigartigen Zusammenspiel von künstlerischem Erbe und zeitgenössischen Interventionen werden die historischen Bestände in Szene gesetzt und laden in dieser speziellen Inszenierung zur eingehenden Betrachtung der Objekte ein.
    Thematisches Zentrum der Präsentation bildet das vielgestaltige Ringen um einen österreichischen modernen bürgerlich-demokratischen Stil. Als Secessionismus und Jugendstil bezeichnet, dient das Design und Kunstgewerbe dieser vibrierenden Zeit heute wie kein anderes der österreichischen Identitätsstiftung.

    ©MAK

    Ausstellung

    Adolf Loos – Nachleben

    3/09/202030/09/2021

    Architekturzentrum Wien

    MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Adolf Loos zählt zu den bekanntesten österreichischen Architekt*innen. Seine Schriften und Bauten haben sich in die globale Architekturgeschichte eingeschrieben. Von entscheidendem Einfluss war vor allem sein bahnbrechendes Konzept des „Raumplans“, welches er 1930 in einem Vortrag in Pilsen wie folgt beschrieb: „Meine Architektur ist überhaupt nicht in Plänen konzipiert, sondern inRäumen beziehungsweise Kuben. Ich plane keinerlei Grundrisse, Fassaden, Aufrisse. Sondern Räume. Bei mir gibt es kein Erdgeschoss, keinen ersten Stock und so weiter. Bei meinen Entwürfen geht es nur um zusammenhängende, kontinuierliche Räume, Zimmer, Vorräume, Terrassen et cetera. Die Geschosse verfließen ineinander und knüpfen aneinander an.“

    „Adolf Loos – Nachleben“ untersucht die Loos’sche Strahlkraft auf die nachfolgenden Generationen bis in die Gegenwart. Ausgehend von einem originalen Fundstück eröffnen wir mit einem Fenster zum Hof die Auseinandersetzung. In der vertiefenden Installation in der Dauerausstellung zeigen wir Projekte aus unserer Sammlung, die sich von Adolf Loos inspirieren ließen. Gleichzeitig stellen wir in der Podiumsdiskussion zur Eröffnung die Frage, inwieweit biografische Verfehlungen in der Auseinandersetzung mit Loos und anderen Heroen der Wiener Moderne zu thematisieren sind?

    Ausstellung

    Verborgene Gedanken visueller Natur

    23/09/202031/12/2021

    Sigmund Freud Museum

    Berggasse 19, 1090 Wien

    Die Dauerausstellung Verborgene Gedanken visueller Natur wurde in Sigmund Freuds „erster Ordination“ im Hochparterre eingerichtet: Eine Präsentation ausgewählter Werke der Konzeptkunstsammlung des Sigmund Freud Museums. 1989 mit einer Installation des amerikanischen Künstlers Joseph Kosuth ins Leben gerufen, unfasst die Sammlung Werke von KünstlerInnen wie Franz West, Heimo Zobernig, Susan Hiller, John Baldessari, Sherrie Levine, Haim Steinbach, Ilya Kabakov oder Pier Paolo Calzolari.

    Ausstellungsansicht: Verborgene Gedanken visueller Natur © Oliver-Ottenschlaeger, Sigmund Freud Privatstiftung

    Ausstellung

    Fragile Schöpfung

    1/10/20203/10/2021

    Dom Museum Wien

    Stephansplatz 6,
    1010 Wien

    Werke vom Mittelalter bis zur Gegenwart veranschaulichen die künstlerische Auseinandersetzung mit der komplexen Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Vom Blumenschmuck historischer Buchmalerei, über die romantische Lust an der Urgewalt der Natur, bis zu gesellschaftspolitischen und aktivistischen zeitgenössischen Positionen zeigt die Schau verschiedene Naturvorstellungen auf und fragt nach dem Platz, den der Mensch sich darin einräumt. Natur ist hier Rückzugsort, Inspirationsquelle, ein erhabener, Ehrfurcht gebietender Ort – und dabei oft nicht mehr als eine Ressource, deren Ausnutzung letztlich auch den Menschen selbst bedroht. Zwischen liebevoller Zuwendung und Ausbeutung, Bedrohung und Faszination erweist sich das Verhältnis Mensch-Umwelt als stets präsentes Thema, das bereits vor den lebensbedrohenden Folgen der Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung von existentieller Wichtigkeit war.

     

    Positionen von Karl Aigen, Alessandro Araldi, Betty Beier, Joseph Beuys und Nicolás García Uriburu, Joseph Beuys und Jonas Hafner, Albert Bierstadt, P. Dominik Bilimek OCist, Catrin Bolt, Günter Brus und Arnulf Rainer, Maria Bussmann, Carolina Caycedo und Jonathan Luna, Olivia Coeln, Regula Dettwiler, Mark Dion, Caspar David Friedrich, Nilbar Güres, Maria Hahnenkamp, Christine und Irene Hohenbüchler, John Hilliard, Jenny Kendler, Mathias Kessler, Estefanía Peñafiel Loaiza, Alessandro Magnasco, Julie Monaco, Muntean & Rosenblum, Michèle Pagel, Bonaventura Peeters, Oliver Ressler, Dieter Roth, Marzellin Stoppel, Antoni Tàpies, Shonah Trescott, Timm Ulrichs, Lois Weinberger, Sharon Ya’ari sowie historischen Künstlern, deren Namen nicht überliefert sind.

     

    Ausstellung

    Maja Vukoje

    Auf Kante

    8/12/202029/08/2021

    Belvedere 21 – Museum für zeitgenössische Kunst

    Arsenalstraße 1,
    1030 Wien

    Maja Vukoje beschäftigt sich in ihrer Malerei mit kultureller Hybridität und Transkulturalität als Grundbedingungen unserer globalisierten Lebenswelten. Über verschiedene Werkphasen hinweg hat Vukoje eine eigenständige künstlerische Sprache entwickelt. Dabei nimmt sie die Vermischung und Verschmelzung von Elementen verschiedener Kulturen nicht nur als Bildmotive in den Blick. Vukoje spiegelt diese Phänomene des Hybriden auch im Sinne einer medialen Entgrenzung der Malerei in den eingesetzten Materialien und den künstlerischen Verfahren.

    Das Belvedere 21 präsentiert ab 12. November 2020 die bislang umfassendste Personale der Künstlerin. Gezeigt werden rund hundert Arbeiten der letzten 15 Jahre mit einem Schwerpunkt auf der aktuellsten Produktion. In dieser treffen Südfrüchte und sogenannte Kolonialwaren wie Kaffee und Zucker auf Symbole unseres digitalisierten Alltags, Motive aus der Populärkultur und ikonische Werke der malerischen Abstraktion. In einer speziell für die Ausstellung konzipierten Raumintervention verschränkt Maja Vukoje zudem ihre Auseinandersetzung mit der Formensprache der Moderne mit Fragen des Displays.

    Kuratiert von Luisa Ziaja.

    #MajaVukoje

    Maja Vukoje, "Paravent", 2014, Foto: Michael Wörgötter, © Bildrecht Wien, 2019

    Ausstellung

    WIEN 1900

    Aufbruch in die Moderne

    1/01/20211/01/2022

    Leopold Museum

    Museumsplatz 1
    1070 Wien

    Das Leopold Museum entwirft mit seiner neu konzipierten Dauerpräsentation ein opulentes Tableau, das einen in Dichte und Komplexität einzigartigen Einblick in das Faszinosum Wien um 1900 und das Fluidum jener pulsierenden Zeit bietet.

    Die Donaumetropole war um die Jahrhundertwende gleichermaßen die Hauptstadt des Hochadels und der liberalen Intellektuellen, der prachtvollen Ringstraße und endloser Armenviertel, des Antisemitismus und des Zionismus, des starren Konservatismus und der einsetzenden Moderne. Glanz und Elend, Traum und Wirklichkeit, Selbstauflösung und Neuaufbruch bezeichnen den ästhetischen Pluralismus und markieren das Wien jener Zeit als Versuchsstation und Ideenlaboratorium – und damit als zentralen Motor einer turbulenten Erneuerungsbewegung. In diesem heterogenen Milieu – Arnold Schönberg sprach von der „Emanzipation der Dissonanz“ – fand jene einzigartige Verdichtung an Kulturleistungen statt, die uns heute von Wien um 1900 als einem Quellgrund der Moderne sprechen lässt. Der Aufbruch fand in den unterschiedlichsten Disziplinen statt, von der Malerei und den grafischen Künsten, über Literatur, Musik, Theater, Tanz und Architektur bis hin zu Medizin, Psychologie, Philosophie, Rechtslehre und Ökonomie. Die ca. 1300 Exponate umfassende, sich über drei Ebenen erstreckende Ausstellung präsentiert den Glanz und die Fülle künstlerischer und geistiger Errungenschaften jener Epoche anhand der Meisterwerke des Leopold Museum sowie großartiger Dauerleihgaben aus österreichischen und internationalen Sammlungen.

    Die Ausstellung entsteht unter der kuratorischen Ägide von Hans-Peter Wipplinger in begleitendem Dialog mit Expertinnen und Experten aus den verschiedenen Fachgebieten.

    Ausstellung

    (K)EIN MENSCH IST EINE INSEL

    1/05/202129/08/2021

    Künstlerhaus

    Karlsplatz 5, 1010 Wien

    Kuratiert von Günther Oberhollenzer mit Co-Kuratorin Larissa Agel.

    Wie kann sich eine Kunstausstellung einem so einschneidenden Ereignis wie der Corona-Pandemie annähern? Wie wird in der Kunst darüber reflektiert, darauf reagiert? Jenseits des tagespolitischen Geschehens versucht (K)EIN MENSCH IST EINE INSEL grundsätzliche Fragestellungen des menschlichen Zusammenlebens in den Mittelpunkt zu stellen, die durch Corona verstärkt in den Fokus rücken oder auch neu verhandelt werden: die Rolle der Gesellschaft und des einzelnen Individuums, der soziale Rückzug und die Selbstreflexion, die Einsamkeit und Vereinsamung, das sich Verhüllen und Maskieren… all das sind Themen, die Künstler*innen immer wieder reflektiert und in Werken behandelt haben. In Zeiten von „Social“ bzw. „Physical Distancing“ haben diese an Aktualität gewonnen.

    Die Ausstellung erzählt von Gemeinschaft und Isolation in der zeitgenössischen Kunst und zeigt Arbeiten von Künstler*innen, deren Entstehung bisweilen Jahre zurückliegt, deren Motive und Sujets aber gegenwärtiger denn je sind. Es überrascht, wie stark die Eindrücke und Erlebnisse des letzten Jahres unseren Blick konditionieren und die Kunstwerke eine neue Beachtung erlangen, eine neue Lesart erfahren. Dem gegenüber stehen aktuelle Arbeiten, die unter dem Eindruck der letzten Monate entstanden sind.

    (K)EIN MENSCH IST EINE INSEL ist die erste große Mitgliederausstellung seit den 1990er Jahren. Sie veranschaulicht das kreative Potenzial aber auch die Diversität und Pluralität der Künstler*innen des Künstlerhausvereins.
    Künstler*innen:
    Katharina Acht, Anke Armandi, Stella Bach, Nora Bachel, Christian Bazant-Hegemark, Isabel Belherdis, Fritz Bergler, Barbara Bernsteiner, Martin Bruch, Pablo Chiereghin, Linda Christanell, Alessio Coloni, Asta Cink, Rudi Cotroneo, Peter Dworak, Gernot Fischer-Kondratovitch, Alfred Graf, Robert Hammerstiel, Maria Hanl, Matthias Klos, Nikolaus Korab, Matthias Lautner, Barbara Luisi, Sissa Micheli, Margot Pilz, Michaela Putz, Reiner Riedler, Thomas Riess, Rosa Roedelius, Stylianos Schicho, Michaela Schwarz-Weismann, Marielis Seyler, Evelin Stermitz, Kurt Spitaler, Egon Straszer, Walter Strobl, Judith Wagner, Elisabeth Wedenig, Josef Weichenberger, Heliane Wiesauer-Reiterer, Laurent Ziegler, Greta Znojemsky

    Ausstellung

    DIE FRAUEN DER WIENER WERKSTÄTTE

    5/05/20213/10/2021

    10:00—18:00

    https://www.mak.at/frauenderww_slots

    MAK – Museum für angewandte Kunst

    Stubenring 5,
    1010 Wien

    Wer prägte den Stil der 1903 gegründeten Wiener Werkstätte (WW)? Sofort drängen sich die großen Künstlernamen auf: Josef Hoffmann, Koloman Moser und Dagobert Peche. Von Anfang an aber waren auch Künstlerinnen an den Produktionen der WW beteiligt. Bis zur Auflösung 1932 erhöhte sich ihre Zahl laufend, und besonders in der Zwischenkriegszeit bestimmten Mathilde Flögl, Maria Likarz, Felice Rix oder Vally Wieselthier mit fantastischen Stoffmustern und expressiver Keramik den Look der WW. Im Zuge der Recherchen konnten rund 180 Künstlerinnen namhaft gemacht werden, von denen etwa die Hälfte in dieser Ausstellung vertreten ist.

    Ausgebildet an der Wiener Kunstgewerbeschule und von Hoffmann in die WW geholt, entwarfen die Frauen Textildesign, Mode, Wohnaccessoires, Spielzeug und Gebrauchsgrafik und eroberten sich zudem mit der Keramik ein Feld, in dem sie auch rein künstlerisch tätig sein konnten. Für Interieurs – seien es Wohnungen, Lokale oder Ausstellungsräume – entwickelten sie außergewöhnliche Wandgestaltungen. Zu ihrer Zeit viel beachtet, gerieten die Künstlerinnen nach dem Ende der WW weitgehend in Vergessenheit. Katalog und Ausstellung wollen ihnen ein Gesicht geben und auf ein Werk hinweisen, das die einzigartige Stellung der Wiener Werkstätte zwischen Jugendstil und Bauhaus mitbegründet hat.

    Kuratorin: Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv
    Gastkuratorin: Elisabeth Schmuttermeier
    Ausstellungsgestaltung: Claudia Cavallar

    Audio-Tour
    gelesen von der Schauspielerin Dörte Lyssewski
    soundcloud.com/makwien

    © 3007 Wien/Eva Dranaz

    Ausstellung

    Elfie Semotan

    Haltung und Pose

    5/05/202129/08/2021

    KUNST HAUS WIEN. Museum Hundertwasser

    Untere Weißgerber Straße 13, 1030 Wien

    Das KUNST HAUS WIEN würdigt die große österreichische Fotografin Elfie Semotan mit einer umfassenden Retrospektive. Die Ausstellung Haltung und Pose umspannt sechs Jahrzehnte ihres vielfältigen künstlerischen Werks und macht den fotografischen Kosmos Semotans in vielschichtigen Herangehensweisen an das Medium Fotografie erfahrbar. Gezeigt werden rund 150 Arbeiten, von den bekannten Mode- und Werbefotografien über eindringliche Porträts bis hin zu poetischen Landschaftsaufnahmen und Stillleben.

    Elfie Semotan, o.T. (Hair Story), New York 1997/2021 © Elfie Semotan Courtesy Studio Semotan

    Ausstellung

    ERWIN WURM

    Dissolution

    8/05/20215/12/2021

    11:00—18:00

    https://www.mak.at/erwinwurm_slots

    Gestische Skulpturen aus Keramik stehen im Mittelpunkt der MAK-Ausstellung, die erstmals Erwin Wurms skulpturale Serie Dissolution (2018–2020) im musealen Kontext vorstellt. Die englische Bezeichnung „Dissolution“ bedeutet Auflösung, Verfall, Zersetzung oder Entgrenzung. Die Skulpturen, aus denen sich Finger, Hände, Lippen, Münder, Busen, Bäuche, Nabel, Nasen und Ohren schieben, schrauben sich aus einer Masse von Ton. In den skulpturalen Formen verbindet der Künstler Realismus und Abstraktion.
    Die skulpturalen Körpersegmente nehmen das Interieur des Geymüllerschlössel ein und schaffen Tableaux vivants – dramaturgische Anordnungen zwischen Bewegung und Stille, Geschichte und Gegenwart – in den einzelnen Räumen und Salons, wie der Eingangshalle, der Bibliothek, dem Musikzimmer, dem Kuppelsaal, dem Schlafzimmer, dem Orientzimmer oder vor dem Hintergrund einer Panoramatapete, die den kolonialen europäischen Blick illustriert.
    Im Garten des Schlössels spannen Wurms Skulpturen aus Carrara-Marmor einen Bogen zur Rolle des Künstlers, unsere Welt kritisch zu beleuchten und zu verzerren.
    Kurator*innen
    Bärbel Vischer, Kustodin MAK-Sammlung Gegenwartskunst
    Rainald Franz, Kustode MAK-Sammlung Glas und Keramik
    +++
    MAK-Expositur Geymüllerschlössel
    Pötzleinsdorferstraße 102, 1180 Wien
    Geöffnet jeweils Samstag und Sonntag von 11:00 bis 18:00 Uhr.
    Bitte vor eurem Besuch unbedingt einen Timeslot buchen!
    Timeslot-Buchung: www.MAK.at/erwinwurm_slots
    +++
    Mit freundlicher Unterstützung von Dorotheum
    Dank an Thaddaeus Ropac
    London Paris Salzburg

    © Aslan Kudrnofsky/MAK

    Ausstellung

    And if I devoted my life to one of its feathers?

    15/05/202126/09/2021

    Kunsthalle Wien Museumsquartier

    Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Künstler*innen: Babi Badalov • Denilson Baniwa • Patricia Belli • Amoako Boafo • Anna Boghiguian • Victoria Cabezas • Quishile Charan • Manuel Chavajay • Chto Delat • Rosa Elena Curruchich • Annalee Davis • Vlasta Delimar • Jim Denomie • María Galindo & Danitza Luna • Nilbar Güreş • Sheroanawe Hakihiiwe • Hiwa K • Karrabing Film Collective • Germain Machuca • Daniela Ortiz • Prabhakar Pachpute • Amanda Piña • Roldán Pinedo / Shöyan Sheca • Sandra Salazar • Olinda Silvano / Reeshinjabe • SPIT! (Sodomites, Perverts, Inverts Together! / Carlos Maria Romero, Carlos Motta & John Arthur Peetz) • Sophie Utikal • Cecilia Vicuña • Castiel Vitorino Brasileiro • Anna Witt • Bartolina Xixa • Santiago Yahuarcani • Zapantera Negra • …

    Kurator: Miguel A. López

    Eine gemeinsame Ausstellung der Kunsthalle Wien und der Wiener Festwochen

    „And if I devoted my life to one of its feathers?”, schreibt die chilenische Dichterin und Aktivistin Cecilia Vicuña 1971 in ihrem Gedicht Precarious. Mit dieser Frage, die das gemeinsame Projekt der Kunsthalle Wien und der Wiener Festwochen als Titel wählt, setzt Vicuña Heilung und Wertschätzung gegen anthropozentrisches und heteropatriarchales Begehren, lässt ästhetische und geistige Bande zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Wesen und Welten wiederaufleben. Diesen Forderungen nachkommend, reflektiert die von Miguel A. López kuratierte Ausstellung Logiken der Ausbeutung, den rasenden Rohstoffabbau und die Umweltzerstörung als koloniales Erbe. Sie erzählt von indigenen Kämpfen ums kollektive Überleben und feiert solidarische Begegnungen im Widerstand gegen Frauenfeindlichkeit, imperialistische Gewalt und staatliche Unterdrückung. Einige Beiträge reagieren ausdrücklich auf die COVID-19-Pandemie, nicht nur als Gesundheitskrise, sondern als eine der ökologischen und sozialen Gerechtigkeit. And if I devoted my life to one of its feathers? verbindet Werke von über 35 Künstler*innen aus aller Welt, um in Wien ein einzigartiges Gespräch über Macht, Selbstbestimmung, das Selbstbild und die Rückeroberung vielfältiger Lebensentwürfe zu initiieren.

    Bartolina Xixa, Ramita Seca, La Colonialidad Permanente (Dry Twig, The Permanent Coloniality), 2019, film still, courtesy Maximilano Mamani/Bartolina

    Ausstellung

    Höhere Mächte

    Von Menschen, Göttern und Naturgewalten

    18/05/202115/08/2021

    KUNSTHISTORISCHES MUSEUM WIEN

    Maria-Theresien-Platz,
    1010 Wien

    Die Ausstellung präsentiert Zeugnisse aus den Beständen der vielfältigen Sammlungen des Kunsthistorischen Museums, des Weltmuseums Wien und des Theatermuseums, die vom Glauben an die Existenz höherer Mächte erzählen. Die ausgewählten Objekte machen deutlich, in wie vielen unterschiedlichen Formen und Facetten sich dieses Thema in Kult und Kunst niedergeschlagen hat. Bei der Auswahl wurde bewusst ein Fokus auf die enge Verschränkung und direkte Gegenüberstellung von Objekten unterschiedlichster Herkunft gesetzt.

    ARAKI

    26/05/202129/08/2021

    Albertina Modern

    Karlsplatz 5, 1010 Wien

    Nobuyoshi Araki (*1940) zählt zu den wichtigsten und produktivsten zeitgenössischen Fotografen Japans. Vorwiegend für seine ebenso provokanten wie mittlerweile umstrittenen Aktfotos bekannt, umfasst sein Werk vielfältige Themen, darunter Stadtaufnahmen, Stillleben und Alltagsdarstellungen.

    Die Ausstellung der ALBERTINA MODERN konzentriert sich auf die Entwicklung der einflussreichen Ich-Fotografie des Künstlers, durch die er – von den Avantgardebewegungen Tokios geprägt – die klassische Dokumentarfotografie ab den 1960er-Jahren radikal erneuerte. Sein fotografisches Debüt über den Arbeiterklassen-Jungen Satchin und dessen Bruder Mabo (1963) ist ebenso vertreten wie Serien über das urbane Leben in Tokio.

    Im Zentrum der Ausstellung steht Arakis grandiose und einflussreiche Serie Sentimental Journey (1971–2017): In dem langjährigen Projekt erhebt er mittels schnappschussartiger und unverblümter Fotos seiner Frau Yoko das eigene Leben zum Thema. Vergleichbar mit einem Tagebuch zeigen die intimen Bilder die Flitterwochen, das Zusammenleben des Paares und den frühen Tod Yokos. Dieses Lebensthema fand erst vor wenigen Jahren durch eine Fortsetzung der Arbeit seinen Abschluss.

    Ausstellung

    VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2021

    PLANET LOVE. Klimafürsorge im Digitalen Zeitalter

    28/05/20213/10/2021

    10:00—18:00

    MAK – Museum für angewandte Kunst

    Stubenring 5,
    1010 Wien

    Universität für angewandte Kunst Wien

    Oskar-Kokoschka-Platz 2, 1010 Wien

    Kunsthalle Wien Karlsplatz

    Treitlstraße 2, 1040 Wien

    KUNST HAUS WIEN. Museum Hundertwasser

    Untere Weißgerber Straße 13, 1030 Wien

    Architekturzentrum Wien

    MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Unter dem Motto PLANET LOVE widmet sich die VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2021 der Mega-Herausforderung des Digitalen Zeitalters: Klimafürsorge (Climate Care). PLANET LOVE meint eine grundlegend neue Beziehung der Menschen zur Erde, die statt maximaler Ressourcenausbeutung auf schonende Nutzung der Erde zielt und von Demut, Respekt und Wertschätzung ihrer biologischen Vielfalt und Schönheit getragen ist. Klimafürsorge wird als zentraler Aspekt von PLANET LOVE reflektiert und geht weit über die Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hinaus; sie umfasst die Frage, wie wir unsere Beziehung zur Erde auf ein nachhaltiges Fundament stellen können, und hat stets auch soziale Dimensionen.
    Die VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2021 mit dem Titel PLANET LOVE. Klimafürsorge im Digitalen Zeitalter eröffnet am 27. Mai 2021. Ihre Veranstalter – MAK, Universität für angewandte Kunst Wien, Kunsthalle Wien, Architekturzentrum Wien und Wirtschaftsagentur Wien sowie das KUNST HAUS WIEN als neuer Partner und das AIT Austrian Institute of Technology als außeruniversitärer Forschungspartner – versammeln in Ausstellungen und Diskurs-Projekten visionäre Entwürfe und herausragende Ideen von KünstlerInnen, DesignerInnen und ArchitektInnen, die einen radikalen Wandel unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften im Sinne von PLANET LOVE und nachhaltiger Klimafürsorge unwiderstehlich machen.
    Die VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2021 will unsere Vorstellungskraft beflügeln, die Vision von ökologisch-sozial nachhaltigen Gesellschaften und Ökonomien vorantreiben und innovative Ideen und Lösungsansätze anbieten: zur Milderung der Klimakrise, zur Sanierung und Bewahrung von Ökosystemen, zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Einsatz digitaler Technologien zugunsten von Klima und Umwelt. Sie regt nicht nur zum Innehalten und Umdenken an, sondern fordert von allen gesellschaftspolitischen Kräften und jedem Einzelnen entschlossenes Handeln zur Bewältigung der Klima- und ökologischen Gesamtkrise.

    © buero bauer

    Ausstellung

    Averklub Collective. Manuš heißt Mensch

    2/06/20215/09/2021

    Kunsthalle Wien Museumsquartier

    Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Das Averklub Collective ist eine lose organisierte Gruppe ohne feste Struktur. Seinen Kern bilden mehrere Bewohner*innen von Chanov, das als die größte Rom*nja-Siedlung in der Tschechischen Republik gilt. Das Kollektiv wächst und schrumpft nach eigenem Ermessen und passt sich durch verschiedene Konstellationen von Künstler*innen, Theoretiker*innen und Aktivist*innen den Besonderheiten und Erfordernissen aktueller Projekte an.

    Mit der Ausstellung Manuš heißt Mensch präsentiert die Kunsthalle Wien die jüngsten Recherchen und künstlerischen Arbeiten der Gruppe, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Generationen von Bewohner*innen der Chanov-Siedlung entstanden sind.

    Der Titel verweist auf das gleichnamige, 1986 erschienene Buch des kommunistischen Politikers und tschechoslowakischen Rom Vincent Danihel, das sich mit der Politik der Integration der Rom*nja in der sozialistischen Tschechoslowakei befasst.

    Durch die Verwendung desselben Titels für die Ausstellung möchte das Averklub Collective die Aufmerksamkeit auf das lenken, was Menschen vereint, statt auf das, was sie trennt: „Wir möchten zeigen, dass es über die Vielfalt der Kulturen, Gender, Nationen usw. hinaus und jenseits davon noch eine andere Ebene der Zugehörigkeit gibt, die ausnahmslos allen zugänglich ist.“

    Die Chanov-Siedlung, 1980er, aus dem Archiv von Helena Nistorová

    Ausstellung

    ALFREDO JAAR

    Das Rote Wien

    9/06/20215/09/2021

    10:00—18:00

    MAK – Museum für angewandte Kunst

    Stubenring 5,
    1010 Wien

    In seiner Fotoarbeit über das Rote Wien spiegelt der Künstler Alfredo Jaar (* 1956) die bis heute prägenden gesellschaftspolitischen und städtebaulichen Entwicklungen der Stadt Wien der Zwischenkriegszeit bis zum Putsch der Austrofaschisten 1934 wider. Mit intensiven Farben erinnert Jaar dabei an eine von der sozialdemokratischen Stadtregierung initiierte Kommunalpolitik, die sich gegen das politisch-konservative Klima der Zeit behaupten konnte und Menschenwürde und kollektive Verantwortung auf ihre Fahnen geschrieben hatte.

    © Alfredo Jaar

    Corita Kent (Sister Corita) the sea queen, 1973
    Ausstellung

    Enjoy – die mumok Sammlung im Wandel

    19/06/202118/04/2022

    mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

    Museumsplatz 1,
    1070 Wien

    Zehn Jahre nach ihrer Antrittsausstellung Museum der Wünsche präsentiert Karola Kraus zusammen mit ihrem Team eine Sammlungsausstellung, die zentrale Schen- kungen und Ankäufe des letzten Jahrzehnts integriert, um die Sammlung in ihrer Entwicklung neu zu beleuchten. 20 Jahre nach der Eröffnung des mumok im Museums- Quartier und 40 Jahre nach Gründung der Österreichischen Ludwig-Stiftung ist diese Ausstellung Resümee und Ausblick zugleich. Sie ermöglicht die Rückschau auf die vergangenen Jahre und stellt neue Perspektiven zur Diskussion, auf deren Grundlage die zukünftige museale Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit gestaltet werden kann. Die Präsentation zielt darauf ab, die Kunstgeschichte seit der Moderne als einen lebendigen Prozess zu vermitteln, in dem sich gesellschaftspolitische, soziokulturelle und philosophische Entwicklungen und Diskurse – sowie deren Wandelbarkeit – widerspiegeln.

    Ausstellung

    Heimo Zobernig

    19/06/202117/10/2021

    mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

    Museumsplatz 1,
    1070 Wien

    Malerei ist neben Skulptur, Film, Performance und Gestaltung ein zentraler Bestandteil der medienübergreifenden Kunst von Heimo Zobernig. Seit dem Beginn seiner künstlerischen Praxis in den frühen 1980er-Jahren hat er ein umfangreiches malerisches Werk erarbeitet, immer auf der Grundlage des Versuchs, die Farbe wie ein „Wissenschaftler“ zu erforschen. So wird die Malerei bei Zobernig zu einer Maschine für die Produktion von Erkenntnissen. Charakteristisch für dessen Vorgehen in diesem Zusammenhang sind Strategien der Vereinfachung, Normierung und Systematisierung durch Anwendung von festgelegten Regeln sowie die künstlerische Aneignung von industriellen Normen und weit verbreiteten Mustern (wie etwa TV-Testbildern).

    Heimo Zobernig Ohne Titel, 2019 Courtesy Galerie Meyer Kainer, Wien Photo: Archiv Heimo Zobernig © Heimo Zobernig / Bildrecht, Wien 2021

    Ausstellung

    Caitlin Lonegan: 4 pm, Fire Light

    26/06/202121/08/2021

    Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder

    Grünangergasse 1, 1010 Wien

    Im LOGIN: CAITLIN LONEGAN 4 pm, Fire Light

    26 JUN – 21 AUG 2021

    Eröffnung: Samstag, 26. Juni 2021

    Soft Opening: 11 – 17 Uhr

    Caitlin Lonegans abstrakt gestische Arbeiten verknüpfen auf spannungsreiche Weise Beobachtungen zu Licht, Bewegung, Raum und Zeit. Auf dem eindrücklichen Zusammenspiel dieser spezifischen Momente sind auch die Arbeiten ihrer neuen, erstmalig gezeigten Werkgruppe Rainbow Paintings aufgebaut, die in einer Auswahl im LOGIN der Galerie präsentiert werden. Die zweite Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin unter dem Titel 4 pm, Fire Light präsentiert kraftvolle Gemälde und Zeichnungen, die die Illusion eines beständigen, atmosphärischen Raums erzeugen, in dem sich die Wahrnehmung von Licht und seinen Reflexionen verschiebt.

    Die Stärke von Lonegans Bildern liegt in der scheinbar zufälligen, expressiven Anordnung von nebeneinandergereihten Farbflächen und Formen, mit der sie malerische Gesten zur Aufführung bringt. Jede Position ist allerdings sorgfältig geplant und gesetzt, erprobt in Zeichnungen, die über Skizzen hinausgehend eigenständige Arbeiten bilden. Die Papierarbeiten entstehen parallel zum Arbeitsprozess an einem Gemälde und halten häufig einzelne Momente fest – reale oder imaginierte. Sie tragen dazu bei, räumliche Illusionen zu artikulieren und können auf mehrere Gemälde gleichzeitig reflektieren – der Einfluss von Malerei und Zeichnung ist ein dynamisch wechselseitiger. Die Künstlerin bedient sich der ganzen Vielfalt von Farben: warme, erdige Töne bis hin zu zarten Blau- und Rosatönen und nur wenige, sehr kräftige Farben strukturieren den Bildraum. Überraschend ist die Verwendung von metallischen Pigmenten, die gemeinsam mit unbehandelten Bereichen der Oberfläche des Bildträgers in die Komposition einbezogen werden.

    Die Werke der Rainbow Paintings zeigen, wie Caitlin Lonegan gekonnt die einzelnen Farbflächen in einen lebhaften Austausch mit den gegebenen Lichtverhältnissen bringt. Die immer wieder auftretenden Formen wie Halbkreise, Halbmonde oder Kugeln reflektieren, brechen oder absorbieren das Licht, je nachdem, in welchem Winkel man den Gemälden begegnet oder welche Besonderheiten die Beleuchtung mitbringt. Mal erscheinen sie als einzelne Elemente, mal hat man den Eindruck, sie würden im Lichteinfall auseinanderfallen – je nach Blickwinkel der Betrachter*innen, deren Bewegungen und Positionen im Raum zu einem intensiven Erfahren von Lonegans Bildern führen.

    Der Raum, auf den sich Lonegan in den Gemälden und Zeichnungen bezieht, ist ein spezifischer. Er ist schummrig und hell zugleich, mit atmosphärischem, aber diffusem Licht, das von den Seiten hereinströmt und das von der Lichtsituation in ihrem Atelier inspiriert ist. Das Licht war auch entscheidend für die Wahl des Ausstellungstitels. Das im LOGIN gezeigte Gemälde wurde in einer kühlen Jahreszeit begonnen und im Hochsommer in der Hitze beendet, während der herrschende „Feuersaison“ in Kalifornien, als der erschütternd rote Himmel einige Tage lang anhielt.  4 pm, Fire Light ergab sich aus Lonegans Gefühl, dass sich die Tageszeit, die Bandbreite der Saisonalität und die spezifische Erfahrung des Spätsommers und Frühherbstes 2020 in dem Gemälde widerspiegeln.

    CAITLIN LONEGAN, geboren 1982 in Long Island, New York, lebt und arbeitet in Los Angeles. Ihre Werke waren bislang in diversen Gruppenausstellungen zu sehen wie zum Beispiel in der großen Überblicksausstellung „Made in L.A. 2014“ im UCLA Hammer Museum, Los Angeles. 2017 nahm sie an der Ausstellung „Abstract Painting Now! Gerhard Richter, Katharina Grosse, Sean Scully“ in der Kunsthalle Krems teil. Lonegans Arbeiten befinden sich unter anderem im UCLA Hammer Museum, Los Angeles, im LACMA Los Angeles County Museum of Art, in der Berezdivin Collection, Puerto Rico, der Sammlung Goetz, München, der Strauss Collection, Rancho Santa Fee, Kalifornien und der SoArt Sammlung, Wien.

    Courtesy Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder. Photo: Markus Wörgötter

    Ausstellung

    SONIA LEIMER

    Owning Awning

    26/06/202121/08/2021

    Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder

    Grünangergasse 1, 1010 Wien

    Pressetext_Leimer_2021_dt

    Courtesy Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder. Foto: Markus Wörgötter

    Dominique Gonzalez-Foerster
    Ausstellung

    Dominique Gonzalez-Foerster

    VOLCANIC EXCURSION (A VISION)

    2/07/20215/09/2021

    Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

    Friedrichstraße 12, 1010 Wien

    So fing alles an: … wachte mitten in der nacht auf und hatte eine vision. wir waren in der nähe eines kleinen vulkans, aus dem gemächlich lava strömte, die vegetation war tropisch, es gab kolibris und lamas … mein körper war in mehreren erscheinungen zugleich … umgeben von inspirierenden menschlichen und nicht-menschlichen freunden aus gegenwart und vergangenheit. es war eine wunderschöne, freudige, fast opernhafte menge, wie ein zug, ein protestmarsch, ein ausflug … typhoeus vom beethovenfries war auch da und die drei gorgonen …*

    Dominique Gonzalez-Foerster sucht in ihrer künstlerischen Arbeit den experimentellen Prozess, der zu einer Art Lernerfahrung für sie wird. Sie begann in den 1990er-Jahren mit Kurzfilmen, doch bald erweiterte sie ihr mediales Spektrum und ihr Wirkungsfeld erstreckt sich auch in der bildenden Kunst benachbarte Felder wie Architektur, Design und Musik.

    Für ihre formal reduzierten Environments verbindet sie häufig literarische Referenzen, filmische Einflüsse und künstlerische Zitate zu Räumen, die von einer besonderen Stimmung getragen sind. Die Qualitäten eines Ortes, seien sie architektonischer, historischer, emotionaler Art, fließen immer in die Komposition mit ein. So entstehen wie selbstverständlich inhaltliche und formale Verschränkungen zwischen der Arbeit der Künstlerin und dem Ausstellungsort. Objekte dienen ihr dabei als Hilfsmittel und Requisiten, um eine bestimmte Atmosphäre herzustellen, und sind weniger Selbstzweck und künstlerisches Produkt. Es sind sich entwickelnde Erzählungen, die sich langsam aus unvollständigen Versatzstücken, aus Fotografien, besonders arrangierten Interieurs und persönlichen Details erschließen lassen. Auf diese Weise versetzt sie BetrachterInnen in fiktive Szenarien aus Vergangenheit und Zukunft. Ihre Environments werden zu Erlebnisräumen, die mit Sehnsüchten, Utopien, Ängsten und Träumen spielen.

    In ihren sogenannten „Apparitions“ (Erscheinungen) schlüpft die Künstlerin in verschiedene Rollen, zum einen von Ikonen der Hoch- und Populärkultur wie Marilyn Monroe, Maria Callas, Bob Dylan und Franz Kafka, zum anderen von enigmatischen oder exaltierten Charakteren aus Film und Literatur. Die jüngste Fortsetzung erfährt diese Serie in der Secession mit Gonzalez-Foerster in der Rolle der drei Gorgonen aus dem Beethovenfries.

    Für ihre Ausstellung VOLCANIC EXCURSION (A VISION) schuf die Künstlerin ein extrem verdichtetes Environment: Auf einer Bildcollage von 24 Metern Länge und 5 Metern Höhe versammelt sie Vorbilder aus Vergangenheit und Gegenwart, FreundInnen und WeggefährtInnen, in einem fiktiven transfeministischen und antirassistischen Gruppentreffen und stellt so dem allseits brüchig gewordenen sozialen Gefüge ein Bild der Stärke und Zuversicht, des Optimismus und Mutes entgegen. Erfahrungen aus der Pandemie aber vor allem die Momente des Ausbruchs daraus – Demonstrationen und Protestkundgebungen auf den Straßen von Paris, stehen am Anfang dieses Bildes.

    „und zwischen all diesen tagen im lockdown gab es einige tage im freien! protestmärsche, demonstrationen, der kontrast zwischen der einsamkeit der zimmer und bildschirme und der fruchtbaren schönheit und erregung der endlosen gruppe war beglückend und heilsam.“*

    Das Wandbild Sueño de una tarde dominical en la Alameda Central (Traum an einem Sonntagnachmittag in der Alameda Central) des mexikanischen Malers Diego Rivera aus den Jahren 1946–47 wurde zur Vorlage:

    „es fühlte sich an wie diego riveras traum an einem sonntagnachmittag in der alameda central, aber im jahr 2020! eine riesige transfeministische und antirassistische expedition, die durch vielfältige emotionale, politische, künstlerische, ökologische und subjektive erfahrungen und erschütterungen ausgelöst wurde, die sich im lauf der jahre 2020 und 2021 angesammelt hatten.“*

    Riveras Komposition zeigt ein Zusammentreffen wichtiger Ereignisse und Persönlichkeiten in der Geschichte Mexikos und spannt einen großen historischen Bogen, wenngleich der Fokus auf der Darstellung – und Kritik – der bürgerlichen Dekadenz unmittelbar vor der Mexikanischen Revolution von 1910 liegt. Die Szene, ein Spaziergang im Park Alameda Central in Mexiko-Stadt, ist bevölkert von realen und fiktiven Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Jahrhunderten und kann so nie stattgefunden haben. „Inspirierende freund*innen, nichtbinäre, trans, queer, fluide, hybride, lesbische, schwule, pan, menschliche und nichtmenschliche, aus gegenwart und vergangenheit“* bilden die bunte Menge, mit der Gonzalez-Foerster diese Szene besetzt.

    Der Schritt von Riveras Wandbild zu Gustav Klimts Beethovenfries (1902) war für die Künstlerin ein kurzer und so begegnen uns in der Collage auch der Gigant Typhoeus, den Klimt als Affen-Schlangen-Ungetüm in der Szene „Die Schrecklichen Gewalten“ dargestellt hat, und seine Töchter, die drei Gorgonen (als „Apparitions“).

    Aus Gonzalez-Foersters erster Visualisierung der Ausstellung als verlassene Landschaft, die als Bühne für die Aktionen der BesucherInnen dienen sollte, wurde schließlich ein Panoramabild mit 235 lebensgroßen Darstellungen von Menschen, Tieren und Fantasiewesen – auch einige Aliens finden sich im Bild! Die Liste der Dargestellten ist lang, heterogen, subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit (ein Faltblatt hilft bei der Identifizierung). Letztendlich blieben nur drei Figuren aus Riveras Original: Frida Kahlo, Diego Rivera selbst als Knabe und die literarische Figur La Revoltosa (die Querulantin). Den Charakter des Bildes als überbordende Massenszene hat es nicht eingebüßt, es sind nur andere Personen, die es beleben. In der Fülle des Bildes klingt auch die Begeisterung der Künstlerin für maximalistische Romane wieder, deren Handlungen an vielen Orten, mit vielen Charakteren oder über lange Zeiträume eine Ästhetik des Überflusses zelebrieren.

    Mit der halbkreisförmigen Wand skizziert Gonzalez-Foerster ein Diorama – nur dass dieser „Schaukasten“ keine Lebewesen in ihrer „natürlichen“ Umgebung zeigt, sondern ein futuristisch-utopisches Protest-Dschungel-Fest entwirft. Alle sind eingeladen, dieses Bild – diese Vision – zu gestalten, zu ergänzen, zu erweitern.

    * Alle Zitate von der Künstlerin aus dem Buch zur Ausstellung

    Dominique Gonzalez-Foerster, VOLCANIC EXCURSION (A VISION), 2021, Detail, digitale Fotocollage, 24 x 5 m, Courtesy of the artist

    František Lesák
    Ausstellung

    František Lesák

    Vermutung und Wirklichkeit

    2/07/20215/09/2021

    Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

    Friedrichstraße 12, 1010 Wien

    Der konzeptuelle Zeichner und Bildhauer František Lesák widmet sich in seinem Werk dem Beschreiben und Begreifen der Gegenständlichkeit und den damit zusammenhängenden Fragen der Wahrnehmung. Das Schaffen räumlicher Bezugssysteme, das Ausloten wechselnder Perspektiven, das Vermessen und Kartographieren ausgewählter Szenerien und das Spiel mit sich verändernden Maßstäben bilden das Kerninstrumentarium seiner künstlerischen Tätigkeit. In einer Art Grundlagenforschung untersucht er in systematisch angelegten Werkzyklen die Dinge und ihr Verhältnis zum realen und medialen Raum.

    Lesáks Ausstellung in der Secession umfasst verschiedene Werkgruppen, die vorwiegend in den letzten Jahren entstanden sind, bislang nicht oder kaum gezeigt wurden und Einblicke in die Gegenwärtigkeit und Kontinuitäten seines Oeuvres geben.

    In seinem neuen, titelgebenden Zyklus Vermutung und Wirklichkeit (2020) erforscht Lesák das komplexe Zusammenspiel zwischen taktiler und visueller Wahrnehmung ebenso wie das Zeichnen als eine körperliche und geistige Praxis der Notation von Wirklichkeit. In 18 Bildpaaren bringt er verschiedene Haltungen seiner linken Hand auf jeweils zwei Weisen zu Papier, indem er einer strengen Versuchsanordnung folgt. Die Blätter auf der linken Seite wirken offener und ungelenker. Sie sind das Ergebnis eines Experiments, für das der Künstler die zu zeichnende Hand jedes Mal mit anders verschränkten Fingern verdeckt unter dem Tisch hält, so dass sie der kontrollierenden Instanz seines Sehsinns entzogen ist. Die Vorstellung der Fingeranordnungen, die er ausschließlich anhand seiner taktilen Empfindungen aufzuzeichnen versucht, ist – so stellt es sich für den Künstler heraus – eine nur unzuverlässige Vermutung, die sich in der Mehrzahl der Fälle nicht mit dem wahren Sachverhalt deckt. Obwohl es die eigene Hand ist, die durch Selbstbetastung erkundet wird, erschwert das Zurückgeworfensein allein auf den Tastsinn die Aufzeichnung der Hand in ihrer kohärenten Form. Der tastende Strich und das Fragmentarische der Form dokumentieren diese grundlegende Schwierigkeit. Für die zugeordneten Zeichnungen auf der rechten Seite hingegen hat der Künstler die Hand in denselben Stellungen sichtbar vor sich gehalten. Die hier zu beobachtende Leichtigkeit im Erfassen der Form und die zielsichere Abstraktion der Volumina als geometrische Körper verraten den geübten Zeichner. Im Vergleich beider Darstellungen wird deutlich, wie stark der unterschiedliche Zugang jeweils ein anderes Erleben und Wissen aktiviert.

    Das Motiv der Hände als Werkzeug und Mittel gestischen Ausdrucks findet sich auch in der Fotoserie Begründung eines Meters (1972) und Studien zu Bonjour Monsieur Courbet (1986–2020), die im selben Raum präsentiert werden. Das umfangreiche Projekt Bonjour Monsieur Courbet ist eine Aneignung des Gemäldes La Rencontre von Gustave Courbet, das die Begegnung zwischen dem Maler Courbet, seinem Mäzen Alfred Bruyas, dessen Diener Calas und dem Hund Breton wiedergibt. Lesák hat die Figurengruppe szenisch rekonstruiert und sich mitunter selbst als zusätzliche Person integriert. In der Secession zeigt er nun erstmals jene Fotografien und Zeichnungen, die während seiner Arbeit daran entstanden sind. Der eigene Körper diente ihm als Modell, um verschiedene Bewegungschoreografien, mit denen er sich in das Bezugssystem der Begrüßungsszene einschreibt, durchzuspielen und die Haltungen bis ins Detail zu erfassen.

    Die Vielansichtigkeit ist eines der zentralen Themen Lesáks. Es bestimmt den zweiten Teil der Ausstellung. Im Bestreben, alle Dimensionen eines Gegenstandes sowie das Zusammenspiel von Oberfläche, Form und Volumen zu erfassen, widmet er sich Vorbildern aus der Kunstgeschichte ebenso wie der Darstellung von Naturmotiven. In den Serien Äquivalente (2020) und Waldlandschaften (2014) werden Findlinge aus Granit beschrieben. Die Steinformationen sind typisch für das nördliche Waldviertel, in dem Lesák seit einigen Jahren lebt. Ihre verschiedenen, sich ergänzenden Teilansichten umfassen stets die Rekonstruktion der abgekehrten, dem Auge verborgenen Partien. Die erhabenen Ziffern verweisen einerseits auf das Bezugssystem, dass der Künstler zur Vermessung der Objekte und ihrer räumlichen Lage etabliert hat, andererseits stehen sie für die Nummerierung der Objekte innerhalb eines größeren Modellbaukastens, mit dem sich unterschiedliche Formationen herstellen lassen. Die Serien Hermes (2012) und Hermes mit Licht punktiert (2003) wiederum stellen die 1877 im Heratempel in Olympia gefundene Skulptur des antiken Bildhauers Praxiteles, die als Gipsabguss in zahlreichen Sammlungen von Kunsthochschulen zu finden ist, ins Zentrum.

    Charakteristisch für Lesáks Werke ist, dass sie mit großer wissenschaftlicher Präzision durchgeführt werden, aber gleichzeitig immer auch die Beschränkung der eigenen Wahrnehmung und somit die Ambivalenz der Genauigkeit veranschaulichen. Indem der Künstler das Zusammenspiel zwischen dem Erfassen der Welt und ihrer Beschreibung derart konsequent auslotet, verweist er letztlich auf die dahinterstehende Frage nach dem Wesen der Wirklichkeit.

    František Lesák, Hermes, 2012 (1 aus 8-teiliger Serie), Bleistift, Papier, Aquarell, 140 × 100 cm

    Karimah Ashadu
    Ausstellung

    Karimah Ashadu

    Plateau

    2/07/20215/09/2021

    Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

    Friedrichstraße 12, 1010 Wien

    Karimah Ashadu verhandelt in ihren Werken die Lebens- und Arbeitsbedingungen im sozioökonomischen Kontext Westafrikas. In ihrer neuen, in der Secession erstmals gezeigten Filminstallation Plateau erzählt die Filmemacherin und Künstlerin von nicht registrierten Arbeitern, die auf dem Jos-Plateau in Zentralnigeria nach Zinn und Kolumbit schürfen.

    In der zerfurchten, mit künstlichen Kratern und Teichen übersäten Landschaft wird seit fast 3000 Jahren Bergbau betrieben. Der Zinnabbau wurde in der Kolonialzeit zur Industrie ausgebaut und erreichte in den 1940ern seinen Höhepunkt, bevor der Markt 1985 mit dem Ende des Internationalen Handelsabkommens für Zinn (ITA) drastisch einbrach und in der Folge die Minen geschlossen und die  Arbeiter entlassen wurden. War die Elterngeneration gezwungen, sich zu verdingen und den Kolonialherren allen Reichtum zu überlassen, so sind die Arbeiter heute selbstständig. Getragen vom Glücksversprechen und Gewinnaussichten setzen sie sich den gefährlichen Arbeitsbedingungen und der schweren körperlichen Arbeit aus und graben ihr Land auf der Suche nach den Mineralien ein zweites Mal um.

    Ohne zu moralisieren, fokussiert Ashadu die Schönheit im Alltäglichen sowie die Selbstständigkeit der Menschen und ihren Emanzipationsversuch. Die Künstlerin über ihre Intention:

    „Was Plateau mich gelehrt hat, ist, dass ich bei all meinen Filmen immer nach Wegen suche, Arbeit als eine Art auf Unabhängigkeit gerichtete Praxis zu betrachten. Ich interessiere mich sehr für Industrie und Wirtschaft, weil sie ein Land zu dem machen, was es ist, und dafür, wie die Menschen durch ihre Arbeit das Land, seine Werte und seine Ideen zum Leben erwecken. Und das knüpft wieder an den Begriff der Unabhängigkeit an und daran, wie sich dieser heute auswirkt. Also die Unabhängigkeit nicht nur eines Landes, sondern im Hinblick auf die individuellen Umstände.“

    Im Film legen Arbeiter, Dorfbewohner und Landbesitzer Zeugnis ab von ihrem Selbstverständnis, berichten von ihrer Tradition und reflektieren die Zerstörung der Landschaft, Ungerechtigkeiten und Besitz ebenso wie ihre Risiken und Gewinne. Ihre Aussagen eröffnen verschiedene Blickwinkel auf die komplexe Geschichte des Zinnabbaus und die Ausbeutung des Landes. Während die Stimmen der Protagonisten die Geschichten erzählen, lotet die Künstlerin durch ihre ungewöhnliche Art der Kameraführung den Raum zwischen sich, der Kamera und den gefilmten Körpern aus. Ashadus filmischer Ansatz ist ein beobachtender, der sich der Anatomie der Bewegung unterwirft und dadurch neue Perspektiven gewinnt. Mit mäanderndem Blick wendet sie sich den Körpern der MinenarbeiterInnen mit ihren schürfenden Händen und Füßen im Schlamm ebenso unmittelbar zu, wie sie den farblichen Reichtum der Landschaft mit ihren leuchtenden rostroten und ockergelben Tönen einfängt. Gleich zu Beginn des Filmes wird dabei der Kaktus als das Motiv eingeführt, das den gesamten Film wie eine Art Metapher durchzieht. Im Volk der Berom wird dem Kaktus nicht nur für die Kultivierung und den Schutz des Landes große Bedeutung beigemessen, es identifiziert sich auch selbst mit seiner Unverwüstlichkeit und Widerstandskraft.

    Für die Secession hat Ashadu eine Installation entwickelt, die unterschiedliche Aspekte des Films aufgreift und verdichtet. So erfährt ihre poetische Montagetechnik, mit der sie eine Vielfalt an Stimmen zusammenführt, durch die Konzeption als Zwei-Kanal-Arbeit eine zusätzliche Erweiterung. Auf dem kleinen Bildschirm lässt sie immer wieder plötzlich kurze Sequenzen aufblitzen, die den Erzählfluss durch Nahaufnahmen von ihm Lehm vergrabenen Händen oder Füßen durchbrechen und die Betrachter*innen mit alternativen Perspektiven konfrontieren.

    Die den Film charakterisierenden, erdigen Farben kehren in der Gestaltung des Ausstellungsraums und des Stiegenhaus wieder. Außerdem umfasst Ashadus Installation zwei mit Lehm bearbeitete Fotografien und eine Reihe von Skulpturen aus Lehm, den die Künstlerin in Jos beschafft hat, gefundenen Stofflappen, gefärbtem Glas und unverarbeitetem Zinn. Die eingravierten Begriffe spiegeln die Ambivalenz wieder, der die Arbeiter zwischen hohem Einsatz, Gewinn und Verlust ausgesetzt sind. Zugleich steht die Materialität des Glases in unmittelbaren Bezug zu kolonialen Machtstrukturen und Mechanismen der Sichtbarkeit; dazu die Künstlerin:

    „Dieses Nebeneinander von Materialien erzeugt eine sehr interessante Balance zwischen einer Art von Schwerelosigkeit und einer Erdung. Die Idee für das Glas entstand durch Geschichten, die mir bei Recherchen in Jos erzählt wurden. Zur Zeit des kolonialen Bergbaus waren die Ureinwohner des Landes anscheinend nicht mit Glas oder Spiegeln vertraut und die Kolonisatoren brachten Spiegel und Gläser mit und stellten sie in den Boden, so dass die Arbeiter sich beobachtet fühlten. Glas wurde also im Grunde als Kontrollmechanismus verwendet. (…) Das ließ mich an die Verletzbarkeit denken, die darin besteht, beobachtet zu werden.“

    Karimah Ashadu, Plateau, 2021, Filmstill, Courtesy of the artist und Fondazione In Between Art Film

    Ausstellung

    Ode an die Langsamkeit

    8/07/202128/08/2021

    Künstlerhaus

    Karlsplatz 5, 1010 Wien

    Kuratiert von Hermann Härtel.

    Durch Zufall erhält der Maler, Grafiker und Objektkünstler Hermann Härtel zwei Koffer voll mit Zeitungsausschnitten der Weltpresse, Bestätigungen von Konsulaten, herrlichen Lichtbildern, Pokale u.v.a. von Edd Sztavjanik, dem Neffen von Gustav Sztavjanik, „zur Durchsicht“. Härtel hat sich seit vielen Jahrzehnten als Trittrollerfahrer, Radfahrer und als Objektbauer von Sparkrafträdern mit dem Zweirad auseinandergesetzt. Fasziniert von dieser Radreise beschließt Hermann Härtel, ermutigt durch eine Juryentscheidung, eine imaginäre Zweiradreise ins Künstlerhaus zu gestalten. Fast 100 Jahre später unternimmt er eine imaginäre Fahrt und zeigt bei dieser Reise intuitive Zeichnungen und Zweiradobjekte.

    Das Fahrrad, eine Ode an die Langsamkeit, ist ein Apparat gegen die Zeit, gegen Opazität und für eine heile Umwelt. Das Weiterführen dieser Zweiradgeschichte, die dem vorgegebenen Drall analog scheint, ist ein sublimes Gleiten in die Jetztzeit in ein weites Feld.
    Alles, was Flügel hat, fliegt. Und was nicht Flügel hat? Erst recht!

    Ausstellung

    Ho Rui An. The Ends of a Long Boom

    17/07/202110/10/2021

    Kunsthalle Wien Karlsplatz

    Treitlstraße 2, 1040 Wien

    The Ends of a Long Boom ist die erste Einzelausstellung des in Singapur lebenden Künstlers Ho Rui An in Europa. Sie umfasst sowohl Videoinstallationen aus jüngeren Werkgruppen des Künstlers als auch neue Arbeiten, die für diese Ausstellung entstanden sind.

    Ein zentrales Anliegen von Hos essayistischer Praxis ist die Analyse, wie der Neoliberalismus auf heimtückische Weise alle Regionen der Erde und alle Lebensbereiche – von der politischen Ökonomie bis zum gesellschaftlichen Imaginären und unserem Zeitgefühl – durchdrungen hat. In The Ends of a Long Boom untersucht Ho vor allem die komplexen Verzweigungen der spätkapitalistischen Ideologie in den Medien und der kulturellen Produktion. Er geht insbesondere den rassifizierten, komplexen Beziehungen zwischen dem „Osten“ und dem „Westen“ sowie zwischen ostasiatischen Nationalstaaten nach und verdeutlicht so die anhaltenden Nachwirkungen des imperialistischen Erbes.

    Ho Rui An, Asia the Unmiraculous, 2018–2020, Foto: Yasuhiro Tani, courtesy Yamaguchi Center for Arts and Media

    4/08/20214/08/2021

    20:30—22:10

    MuseumsQuartier Wien

    MuseumsQuartier Wien, MQ Libelle, Museumsplatz 1,
    1070 Wien

    Die neunte Ausgabe des internationalen Open Air Architekturfilmfestivals präsentiert preisgekrönte Filme und Neuentdeckungen zum Thema Bodenverbrauch in ländlichen und urbanen Räumen.

    Artensterben. Überschwemmungen. Erosion. Der Boden wird knapp und der Ruf nach einer zukunftsweisenden Bodenpolitik lauter. Wie kann ein sorgsamer Umgang mit Grund und Boden für Mensch, Tier und Natur aussehen? Wie steht es um den Verbrauch von Wasser, Land und Wäldern? Wer trägt heute die unmittelbaren Folgen dieser Verknappung und wie können wir längerfristigen Folgen entgegenwirken? Aus zahlreichen internationalen Einreichungen wurden Dokumentationen und Kurzfilme ausgewählt, die zukunftsweisende Projekte und kritische Perspektiven präsentieren. Das Festival unter freiem Himmel lädt Film- und Architekturbegeisterte zum Verweilen und gegenseitigen Austausch ein.

    PROGRAMM

    Mi 04.08., 20:30 „Habitat: Wald“

    HOPE, AT 2020
    00:38 min, ohne Dialog
    R: Franziska Ducklauß

    The Church Forests of Ethiopia, US/ET 2019
    09:22 min, OmeU
    R: Jeremy Seifert

    Die Rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst, D 2020
    90:00 min, OV
    R: Karin de Miguel Wessendorf

    © Foto: Pablo Leiva

    11/08/202111/08/2021

    20:30—21:15

    MuseumsQuartier Wien

    MuseumsQuartier Wien, MQ Libelle, Museumsplatz 1,
    1070 Wien

    Die neunte Ausgabe des internationalen Open Air Architekturfilmfestivals präsentiert preisgekrönte Filme und Neuentdeckungen zum Thema Bodenverbrauch in ländlichen und urbanen Räumen.

    Artensterben. Überschwemmungen. Erosion. Der Boden wird knapp und der Ruf nach einer zukunftsweisenden Bodenpolitik lauter. Wie kann ein sorgsamer Umgang mit Grund und Boden für Mensch, Tier und Natur aussehen? Wie steht es um den Verbrauch von Wasser, Land und Wäldern? Wer trägt heute die unmittelbaren Folgen dieser Verknappung und wie können wir längerfristigen Folgen entgegenwirken? Aus zahlreichen internationalen Einreichungen wurden Dokumentationen und Kurzfilme ausgewählt, die zukunftsweisende Projekte und kritische Perspektiven präsentieren. Das Festival unter freiem Himmel lädt Film- und Architekturbegeisterte zum Verweilen und gegenseitigen Austausch ein.

    PROGRAMM

    Mi 11.08., 20:30 „Rurale Urbanitäten“

    Sta(d/t)natur, AT 2020
    03:07 min, OV
    R: Franziska Ducklauß, Nikola Jelaciv, Eva Kretzschmar, Erza Rexhepi, Peter Daniel Szvath, Sara Treccarichi Scavuzzo

    Sneak Preview!
    Ein erster Blick auf einen Film in Produktion.

    Everything’s coming together while everything’s falling apart: The ZAD, AT/DE 2017
    36:00 min, ​OmeU
    R: Oliver Ressler

    Circum Stance, BESETZEN, AT 2020
    04:46 min, ohne Dialog
    R: Mira Klug

    Rettet das Dorf, AT 2020
    76:00 min, OV
    R: Teresa Distelberger

    © Foto: Pablo Leiva

    17/08/202117/08/2021

    20:30—22:30

    MuseumsQuartier Wien

    MuseumsQuartier Wien, MQ Libelle, Museumsplatz 1,
    1070 Wien

    Die neunte Ausgabe des internationalen Open Air Architekturfilmfestivals präsentiert preisgekrönte Filme und Neuentdeckungen zum Thema Bodenverbrauch in ländlichen und urbanen Räumen.

    Artensterben. Überschwemmungen. Erosion. Der Boden wird knapp und der Ruf nach einer zukunftsweisenden Bodenpolitik lauter. Wie kann ein sorgsamer Umgang mit Grund und Boden für Mensch, Tier und Natur aussehen? Wie steht es um den Verbrauch von Wasser, Land und Wäldern? Wer trägt heute die unmittelbaren Folgen dieser Verknappung und wie können wir längerfristigen Folgen entgegenwirken? Aus zahlreichen internationalen Einreichungen wurden Dokumentationen und Kurzfilme ausgewählt, die zukunftsweisende Projekte und kritische Perspektiven präsentieren. Das Festival unter freiem Himmel lädt Film- und Architekturbegeisterte zum Verweilen und gegenseitigen Austausch ein.

    PROGRAMM

    Di 17.08., 20:30 „Artifizielle Geologien“

    Wichtiger als Du denkst, AT 2020
    02:03 min, OV
    R: Anastasiia Prokhodtseva

    The Stream, AT 2021
    09:09 min, OV
    R: Diana Terenteva

    A 23, AT 2020
    06:05 min, ohne Dialog
    R: Markus Rupprecht, Laurenz Steixner

    Il Capo, IT 2010
    15:00 min, ohne Dialog
    R: Yuri Ancarani

    Kiruna – A Brand New World, CZE 2019
    87:00 min, OmeU
    R: Greta Stocklassa

    © Foto: Pablo Leiva

    25/08/202125/08/2021

    20:30—22:30

    MuseumsQuartier Wien

    MuseumsQuartier Wien, MQ Libelle, Museumsplatz 1,
    1070 Wien

    Die neunte Ausgabe des internationalen Open Air Architekturfilmfestivals präsentiert preisgekrönte Filme und Neuentdeckungen zum Thema Bodenverbrauch in ländlichen und urbanen Räumen.

    Artensterben. Überschwemmungen. Erosion. Der Boden wird knapp und der Ruf nach einer zukunftsweisenden Bodenpolitik lauter. Wie kann ein sorgsamer Umgang mit Grund und Boden für Mensch, Tier und Natur aussehen? Wie steht es um den Verbrauch von Wasser, Land und Wäldern? Wer trägt heute die unmittelbaren Folgen dieser Verknappung und wie können wir längerfristigen Folgen entgegenwirken? Aus zahlreichen internationalen Einreichungen wurden Dokumentationen und Kurzfilme ausgewählt, die zukunftsweisende Projekte und kritische Perspektiven präsentieren. Das Festival unter freiem Himmel lädt Film- und Architekturbegeisterte zum Verweilen und gegenseitigen Austausch ein.

    PROGRAMM

    Mi 25.08., 20:30 „Wasser ist Leben“

    Freundschaft, AT 2020
    04:00 min, OV
    R: Natalia Polstovalova

    Flint is Family, USA 2016
    11:49 min, OV
    R: LaToya Ruby Frazier

    Scenes from a Dry City, USA/RSA 2018
    12:44 min, OmeU
    R: Simon Wood, François Verster

    When A Town Runs Dry, USA 2016
    08:00 min, OV
    R: Joris Debeij

    The Seeds of Vandana Shiva, USA/AUS 2021
    82:00 min, OmeU
    R: Camilla Denton Becket, James Becket

    © Foto: Pablo Leiva

    Danh Vo
    Ausstellung

    Danh Vo

    17/09/20217/11/2021

    Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

    Friedrichstraße 12, 1010 Wien

    „Um die Gegenwart untersuchen zu können, muss man die Vergangenheit verstehen: jene Vergangenheit, die die eigene Gegenwart bestimmt. Ich glaube auch, dass man in die Zukunft schauen muss. Das ist zweifellos eine Lebensphilosophie, mit der ich lebe und die, wie ich hoffe, in meiner Arbeit zum Ausdruck kommt.“
    (Danh Vo, Begleitheft zur Ausstellung untitled in der South London Gallery, 2019)

    In seinen konzeptuellen Arbeiten und Installationen greift Danh Vo häufig auf persönliche Lebenserfahrungen zurück, um umfassendere historische, soziale und politische Themen zu untersuchen. Insbesondere Ereignisse, Entwicklungen und Personen, die einen Bezug zur Geschichte Vietnams im späten 20. Jahrhundert aufweisen, interessieren den Künstler, der in Vietnam geboren wurde und in Dänemark aufgewachsen ist. Der Stellenwert, der dem Zufall in Vos künstlerischer Praxis zukommt, spiegelt gewissermaßen die Umstände jener einschneidenden Wendung im Leben seiner Familie – die Flucht und die Beliebigkeit des neuen Lebensraums – wider.

    Den in Vietnam geborenen und in Dänemark aufgewachsenen Künstler fasziniert, wie Objekte und Geschichten miteinander verflochten sind und als Projektionsflächen nationaler Ängste und persönlicher Identitäten dienen. Nicht nur die erotischen und gewalttätigen Machtspiele des Kolonialismus sind ein wiederkehrendes Thema sondern auch die sakralen und profanen Tänze der Religion und die Art und Weise, wie Verwaltungssysteme versuchen, persönliche Intimität und Ausdruck zu formen (sogar einzuschränken).

    Vos Installationen bergen eine Fülle künstlerischer Strategien, darunter Dokumente, Fotografien, gefundene Gegenstände (mit historischer oder emotionaler Bedeutung), Textfragmente wie die kunstvollen Kalligrafien seines Vaters und manchmal auch Werke anderer Künstler*innen. Vos künstlerisches Wirken in verschiedenen Rollen – als Kurator, Sammler, Historiker und Auktionsscout – ermöglicht ihm das geschickte Spiel mit Objekten und Kontexten. In der Auseinandersetzung mit symbolisch oder emotional aufgeladenen Artefakten aktiviert der Künstler deren Bedeutung von Projekt zu Projekt immer wieder neu.

    Häufig präsentiert Vo Objekte aus dem Nachlass bedeutender Persönlichkeiten (oder anderen Quellen) unverändert in seinem Werk, dann wieder zerlegt er sie, um sie mit unpassenden Ergänzungen zu verblüffenden Hybriden neu zusammenzubauen. Seit 2015 kombiniert er in seinen Werken auch Fragmente antiker Skulpturen mit zeitgenössischen Objekten oder mittelalterlichen Madonnen. Dabei werden die ursprünglichen Arbeiten oft verunstaltet oder unwiederbringlich verändert – ein Akt des Kulturvandalismus, der einerseits die Kolonialisierung widerspiegelt, andererseits Imperien und Kolonien über Zeit und Raum provokant miteinander verknüpft.

    Fragmentierung und Neugestaltung spielt auch in Vos wohl bekanntestem Werk, We the People (2011–2016), eine wichtige Rolle. Die Replik der Freiheitsstatue von Frédéric-Auguste Bartholdi, die in China hergestellt wurde, besteht aus etwa 300 einzelnen Kupferstücken im Maßstab 1:1. Ordnungsgemäß zusammengestellt würden sie eine Kopie der New Yorker Landmarke in voller Größe bilden; stattdessen sollen die Einzelteile jedoch auf der ganzen Welt verteilt werden.

    Ohne jemals belehren zu wollen, vermittelt Vos rätselhaftes und poetisches Werk eine starke politisch-ethische Haltung. Der Künstler untersucht Fragen der Identität und Zugehörigkeit, des rechtlichen Status, des Eigentums und der Rolle persönlicher Beziehungen und beleuchtet die Machtstrukturen hinter den Fassaden liberaler Gesellschaften sowie die Fragilität unserer Vorstellungen vom Leben im Nationalstaat.

    Studio Danh Vo Güldenhof, Foto: Nick Ash

    Carlos Bunga
    Ausstellung

    Carlos Bunga

    17/09/20217/11/2021

    Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

    Friedrichstraße 12, 1010 Wien

    Carlos Bunga verwendet einfachste Materialien wie Karton, Klebeband und Wandfarbe und schafft damit Skulpturen, Objekte und monumentale Installationen, die mit der Architektur des jeweiligen Ortes verbunden sind. Die flexible Handhabung dieser leicht zu verarbeitenden Materialien ermöglicht ihm, seine Ideen auch selbst umzusetzen. Karton ist zudem für Bunga ein Material, das gewisse Qualitäten wie Zeitlichkeit, Erinnerung und Fragilität suggeriert.

    Der Dialog mit der Architektur, die Beziehung zum Körper und zum menschlichen Maßstab sowie die Funktion des Ortes – sei das eine Kapelle oder ein Museum – sind Faktoren, die in die Konzeption der Werke miteinfließen. Der Körper des Künstlers ist integraler Bestandteil der Arbeit: Bunga geht es um den Prozess und um Veränderung – Stillstand gibt es für ihn nicht.

    Bungas Formenvokabular ist modular und repetitiv und er reagiert damit auf vorhandene Elemente: Häufig spiegelt und wiederholt er charakteristische Bauteile wie Säulen, Bodenraster oder andere formale Besonderheiten und erzeugt so eine Art Echo, das sich mit der gegebenen Architektur überlagert. Durch diese Interventionen erzeugt er Interferenzen und „Störungen“, er durchbricht die Funktionalität und lenkt so unseren Fokus auf die Dinge an sich. Sein Eingreifen verändert die Objekte im gleichen Maß wie er sich mit ihnen verändert. Sein Ziel ist es, eine Bewusstseinsebene zu schaffen, durch die wir das Wesen der Dinge erkennen können.

    Bungas Ursprünge liegen in der Malerei, aus der er wortwörtlich in den Raum hinausgetreten ist: Die als zu eng empfundene Begrenzung der Leinwand hat er für sich aufgebrochen, indem er Bildobjekte baute, aus denen er sich in Aktionen befreite. Inspiriert waren diese frühen Arbeiten unter anderem von der japanischen Gutai-Gruppe, die nach der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen suchte, und von Gordon Matta-Clark, dessen Schnitte in Abbruchgebäuden eine neue skulpturale Radikalität zum Ausdruck brachten.

    Die Dekonstruktion spielt in Bungas Werke eine fast ebenso große Rolle wie die Konstruktion: In Performances zerstört er seine aufwändig gebauten Installationen mitunter gleich wieder. Seine Methode von Erschaffen und Zerstören veranschaulicht den kontinuierlichen Prozess von Werden und Vergehen. In seinen Performances verschmelzen Künstler und Werk in fast mystischer Verbundenheit.

    Zeichnungen begleiten die großen Installationen, aber sie dienen ihm nicht als Mittel der Konstruktion, sondern er fertigt sie nach dem eigentlichen Werk an; sie sind Reflexionsmedium, in dem Gedankenprozesse sichtbar werden.

    Carlos Bunga, Kursaal Project, 2004, Performance, Manifesta 5, Sala Kubo Kutxa, San Sebastián, Foto: Alberto Martinena

    Rana Hamadeh
    Ausstellung

    Rana Hamadeh

    17/09/20217/11/2021

    Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

    Friedrichstraße 12, 1010 Wien

    Rana Hamadeh entwickelt im Zuge ihrer künstlerischen Forschung langjährige diskursive Projekte, die sie in Form von Theaterperformances, Sound-Kompositionen, interaktiven audiovisuellen Installationen, Systementwürfen und pädagogischen Anordnungen umsetzt. Thematisch ist ihr Werk einer eingehenden Untersuchung erkenntnistheoretischer und technologischer Aspekte der Rechtspraxis sowie der Bildsprachen von Gewalt gewidmet, die ihren Ursprung in spektakulären wie auch alltäglichen Phänomenen der historischen und zeitgenössischen Kultur haben.Seit 2016 entwickelt Hamadeh eine „Opernpraxis“, die mit verschiedenen Formen des Schreibens und Komponierens experimentiert und Modelle für kollektives Denken und Lernen erprobt. Ihre Werke gründen auf interdisziplinären Recherchen und agieren an den Schnittstellen verschiedener Felder wie Theater, Theosophie, Epidemiologie, Rechtstheorie, Übersetzungspraktiken und Technologie. Die theoretischen und ästhetischen Kategorien, mit denen sie sich beschäftigt, werden von ihr unentwegt verschoben und neu formuliert; bewusst durchbricht Hamadeh die Logik klassifizierender Systeme, indem sie verschiedenen, auch widersprüchlichen Argumentationen folgt und weitverzweigten Assoziationen und Konstrukten Raum gibt.

    Häufig realisiert Hamadeh unter dem gleichen Titel an verschiedenen Stationen unterschiedliche mediale Formate. Ihr Opernprojekt The Ten Murders of Josephine (2017–18) umfasste zuletzt einen Lesezirkel, eine Theateraufführung und eine Serie von Ausstellungen mit Soundarbeiten. Die Werkreihe entfaltete ein Netz von Erzählungen, die die Bedingungen der „Gültigkeit“ innerhalb des Rechtsdiskurses und das Konzept der Zeugenschaft und der Subjektivität des Zeugnisses in Bezug auf die Geschichten von Eigentum, Arbeit und des Begriffs der Urkunde untersuchten. Für die räumliche Inszenierung des 50-minütigen Werks konzipierte sie ein mehrere Ausstellungssäle ausfüllendes Ensemble kakofoner interaktiver akustischer Zonen. Die Partitur verband Texte, Interviews, Gesänge, Telefonaufnahmen mit maschinell generierten Simultanübersetzungen und Interventionen, wobei das Opernhafte die erschütternde Gewalt unter der Oberfläche der Sprache von Recht und Verwaltung besonders hervortreten ließ.

    In ihrem jüngsten Projekt The Destiny Project / Soft-Measure Fables widmet sich Hamadeh Sophokles’ berühmter Tragödie Oedipus Tyrannos. Statt das grauenvolle Schicksal des Königs von Theben, dessen schwere Reise der Selbstfindung sich auf dem Höhepunkt der Pest in Theben abspielt, nachzuerzählen, widmet sie sich dem Stück selbst und unternimmt eine Lektüre von Sophokles’ „Figuration der Tragödie“ als solcher. In Nachdenken über das Wesen der Tragödie folgt ihre Arbeit der dramatischen Konstruktion des Stücks und untersucht sein Innenleben als eine erweiterte „Technologie der Ausdauer“. Hamadehs besonderes Interesse gilt dabei dem Begriff der Bestimmung ebenso wie dem Weg der Privatisierung der Trauer. In einer ersten Stufe entstanden drei computergenerierte, an ein Videospiel erinnernde Filmsequenzen. Sie visualisieren ebenso traumhafte wie unheimliche Szenarien, in denen das Geschehen von Zahnrädern und Prothesen angetrieben wird.

    Rana Hamadeh, 1983 in Beirut geboren, lebt und arbeitet in Rotterdam.

    Rana Hamadeh, The Destiny Project/The Soft Measure Fables, 2020-202X, Videostill

    Ausstellung

    DISPOSSESSION

    23/09/202116/01/2022

    Künstlerhaus

    Karlsplatz 5, 1010 Wien

    Kuratiert von Ariane Müller.
    Die Ausstellung DISPOSSESSION stellt eine Frage, die auch unmittelbar die Künstlervereinigung und ihr historisches Ausstellungshaus, das Künstlerhaus betrifft. Diese Frage kreist um das Selbstverständnis einer Kunstinstitution, die seit ihrer Gründung Kriterien entwickelte, die die Zugehörigkeit zur Standesvertretung regelte. Eingesetzt von staatlicher Stelle um die Frage, wer, warum, Kunst machte, handhabbar zu regeln, konnte sie Privilegien, Vorschläge für Professuren, Stipendien, Preise und große staatliche Aufträge vergeben. Es oblag der Institution und ihren jeweiligen Persönlichkeiten, die Zugehörigkeit selbst immer wieder zu definieren und zu exekutieren. So waren Frauen in den Statuten nicht ausgeschlossen, ihnen ihre Eignung als Künstlerin abzusprechen wurde 100 Jahre lang dennoch intern argumentiert, wie man in den Sitzungsprotokollen anhand jedes Aufnahmegesuchs von Frauen nachlesen kann.
    In der Geschichte des Hauses mit seinen Ehrengerichtsverfahren und Gremien stellt der Ausschluss aller jüdischer Mitglieder 1938 keinen institutionellen, jedoch einen großen inhaltlichen Bruch mit den immer wieder betonten Paradigmen der Kameradschaftlichkeit und Solidarität dar. Ohne dokumentiertes Bedauern wurde ein Drittel aller Mitglieder ihren, teilweise direkt in die Vernichtungslager führenden, Schicksalen überlassen. Der Eindruck drängt sich auf, dass sich die Mehrzahl der Künstler ob der neuen Möglichkeiten freuten, auch zeigt die fast voreilige Durchsetzung des Ausschlusses, dass diesem Geist bereits über lange Jahre zugearbeitet worden war. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich gibt es jedenfalls keine nachlesbaren Bemühungen sich nach dem Verbleib und dem Befinden der Ausgeschlossenen auch nur zu erkundigen, geschweige diesen Ausschluss aufzuarbeiten. Die beschworene Solidarität richtet sich stattdessen auf Hilfestellungen für die bekannten und nun nicht mehr so offen agierenden Profiteure einer nationalsozialistischen Kunstpraxis.
    Dieses trübe Bild erscheint nur solange generisch, solange man in ihm nicht auch die Behauptung eines Künstlerbilds sieht, das die gesamte Nachkriegsgeschichte bis heute durchzieht. Der konsequenten Diffamierung von „amateurhaften“ „dilettantischen“ „Kritzelvereinen“ zugunsten eines männlich heroischen Einzelkünstlers vor dessen Augen Landschaft, nackte Frauen und heroische Männer zum gestaltbaren Material wird, durchzieht nicht nur die Dokumente der Künstlerhaus Vereinigung, sondern auch unsere von ihm ausgestaltete Umwelt in den Sammlungen der Stadt, wie auf ihren öffentlichen Plätzen und den Fassaden ihrer Häuser. Dies umfasst auch alles, was wir nicht zu sehen bekommen, weil die potentiellen Schöpfer*innen konsequent nicht zu unserer Repräsentation herangezogen wurden, sie pauperisiert, enteignet, vertrieben oder getötet wurden, die bestehenden Sammlungen geplündert wurden und die existierenden Zeichen zerstört wurden.
    Die Aufteilung des heute bestehenden Raums, entlang der Definition einiger weniger, die darüber jurierten, wer wie darin als weiterhin Lehrender, als Gestalter der neuen Repräsentationsräume und des öffentlichen Raums wirken durfte, ist eine zentrale Frage der Ausstellung DISPOSSESSION.

    Künstlerhaus Archiv - Jahresausstellung 1910: Saal V.

    Ausstellung

    VERMISCHUNG

    30/09/20213/11/2021

    Künstlerhaus

    Karlsplatz 5, 1010 Wien

    Kuratiert von Christiane Spatt und Johanna Tatzgern.
    Basierend auf der Idee einer inklusiven Gesellschaft zeigen wir in dem Projekt VERMISCHUNG die Vielfalt und Bandbreite von Kunstschaffenden.
    Wie können Kooperationen zukünftig aussehen? Was ermöglicht konstruktive Zusammenarbeit im Rahmen von temporären oder langfristigen Kunstkollektiven? Wie können theoretische Ansätze in die Praxis umgesetzt werden? Welche Positionen gibt es innerhalb der vielfältigen Alltags- und Kunstwelten?
    Wir laden Künstler*innen aus verschiedenen Sparten, Arbeitsansätzen, Methoden und Herkünften ein, ihre Arbeiten aus den Bereichen der bildenden Kunst, Performance, Lecture und Workshops zu zeigen. Die Wertung von inklusiver und exklusiver Kunst soll in vielfältiger Weise aufgehoben werden. Die künstlerischen Positionen beschäftigen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema der Ausgrenzung in der Kunst.

    Künstler*innen:
    Christine Baumann, bildBalance (Darko Beric, Rudolf Egger, Johannes Gruber, Lisi Hinterlechner, Iris Kopera, Shpresa, Andrea Mejia Rocha, Bettina Onderka, Roitner Werner, Franz Wedl, Steffi Wimmer, Felicitas Wölger), Martina Gasser, Die 4 Grazien (Mela Diamant, Susanna Schwarz, G. Maria Wetter), Ewa Kaja, Sebastian Klingovsky, DREAM ESTATE (Reinhold Zisser, Johannes Baudrexel, Ronja Fábián, Lena Heinschink, Anna Katharina Draxl, Karin Maria Pfeifer), Czeslavia Pruscha, Vera Rosner, Christiane Spatt, Ernst Spiessberger, Johanna Tatzgern/Goldfuß unlimited, Gerald Zahn, Sula Zimmerberge

    Christiane Spatt/Johanna Tatzgern

    Ausstellung

    Ines Doujak

    1/10/202116/01/2022

    Kunsthalle Wien Museumsquartier

    Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Die in Wien lebende Künstlerin Ines Doujak hat eine multidisziplinäre Praxis entwickelt, die Fotografie, Performance, Film und Installation umfasst. Sie arbeitet einerseits mit Elementen der politischen Theorie und Ideengeschichte, andererseits mit natürlichen und von Menschen geschaffenen Objekten, um die politischen Implikationen von sexistischen und rassistischen Stereotypen zu dekonstruieren. Ihr Schaffen zeichnet sich durch akribische Recherche aus und greift auf Traditionen von Karneval und Maskerade sowie andere Motive aus der Kulturgeschichte zurück, um ausbeuterische Strukturen und Ungleichheiten in der Gesellschaft aufzudecken, die oftmals im Zusammenhang mit der Kolonialgeschichte stehen.

    Die Ausstellung widmet sich Doujaks gesamtem, mehr als drei Jahrzehnte umspannendem künstlerischen Schaffen – mittels mehrerer Betrachtungsansätze, welche die Kontinuitäten, Konstanten und die Integrität ihrer feministischen Kunstpraxis aufzeigen. In ihrer Arbeit begegnet man vielfach einem Rand und einem Zentrum: Ihre Untersuchungen sind im Wortsinn „exzentrisch“, in ihrer räumlichen wie zeitlichen Bewegung weg von der Mitte.

    Ines Doujak, Ghostpopulation (under construction), 2021, Courtesy die Künstlerin

    Ausstellung

    Bright

    Curated by Felicitas Thun-Hohenstein

    15/10/202119/11/2021

    In my latest works I explore with self-sustainability and alternative sources of materials for producing and performing artworks. I looked in the intersection between nature and technology, folklore and feminism, to start a series of works that focus on transformation.

    With Bright (2021) I continue to investigate the potential of art in challenging and redefining structures by looking further into the dualistic role of technology in our lives. The corona crisis has caused many shifts and we have become more dependent on scientific knowledge than ever before. As humanity moves towards less restricted times, it is crucial to ask:

     How can we make use of technological advances to discover new forms of artistic production?

    Post-pandemic times have historically been followed by an urge for sociability, associated with brightness, celebration, and creativity. The contrast between dark and bright, destruction and transformation, will be visually created through multi-media installation spread along the space of Charim Factory. Showing images inspired by Nordic folklore and landscapes, such as midsummer, midnight sun, and bonfires, the works in the exhibition revolve around the element of fire.

    Roberta Lima

    Ausstellung

    Ana Hoffner ex-Prvulovic* & Belinda Kazeem-Kamiński

    22/10/20216/03/2022

    Kunsthalle Wien Museumsquartier

    Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Die Kunsthalle Wien widmet den in Wien lebenden Künstlerinnen Ana Hoffner ex-Prvulovic* und Belinda Kazeem-Kamiński zwei Einzelausstellungen, die gleichzeitig in der oberen Halle der Kunsthalle Wien Museumsquartier zu sehen sind. Die Ausstellungen umfassen sowohl bestehende, für den Raum neu interpretierte Arbeiten als auch eigens für den Anlass geschaffene Werke.

    Ana Hoffner ex-Prvulovic* nimmt die Fabrikation von Geschichte, Erinnerung und Subjektivität unter die Lupe, wobei sie* darauf besteht, dass bei diesen Prozessen das Unbewusste am Werk ist. Entlang welcher Linien von Herrschaft und Ausschluss finden diese Prozesse statt? Welche Geschichten und Praktiken werden weggefegt und ausgelöscht? Wie könnten wir die frauenfeindlichen und rassistischen Vorurteile entschärfen, die in (westliche) offizielle Geschichten und Darstellungen eingebettet sind?

    Belinda Kazeem-Kamiński hinterfragt die Art und Weise, wie die Geschichte Schwarzer Menschen dargestellt und musealisiert wird, und setzt dabei vor allem bei der immer noch bestehenden Blindheit gegenüber den anhaltenden Folgen von Sklaverei und Kolonialisierung an. Kritische Theorie und künstlerische Praxis miteinander verschränkend, entwickelt sie Methoden und Rituale für die Auseinandersetzung und den Umgang mit den Spuren der repressiven kolonialen Vergangenheit, die dem Archivmaterial eingeschrieben sind – so versucht sie, dem Übersehenen und Unterdrückten eine Stimme zu geben.

    Ana Hoffner ex-Prvulovic*, Videostill aus Freud Film, Video Installation, 2019, Courtesy die Künstlerin

    Ausstellung

    Ornament ist kein Verbrechen

    Nora Bachel

    3/11/202119/11/2021

    19:00—22:00

    sehsaal

    Zentagasse 38, 1050 Wien

    Nora Bachels Installationen erscheinen wie Suchbewegungen in Raum und Zeit, wie künstlerische Erkundungen eines allgemeingültigen, also vom aktuellen Hier und Jetzt nicht unmittelbar abhängigen Phänomens, die nicht nur inhaltlich sondern auch formal, nämlich wiederkehrenden geometrischen Figuren Bezugspunkte aufweisen.

     „die Zeit, als Entstehungszeit ein wesentlicher Faktor künstlerischer Arbeit. Bei der Entstehung von Konzepten wird sie abstrakt, in ihrer Flüchtigkeit erlebt – es ist gar nicht messbar, wie viel Lebenszeit und Erfahrung die Voraussetzung für diesen Prozess sind. Das Ausführen der Arbeiten ermöglicht, Zeit zu begreifen, Strukturen und Rhythmen zu erkennen oder zu gestalten“ (Nora Bachel)

    Nora Bachel

    Talk

    Out of Control – Auto-Control?

    Ein Generationengespräch mit den Künstlerinnen Margot Pilz (*1936) und Violetta Ehnsperg.

    12/11/202112/11/2021

    19:00—21:00

    Flux23 x ohne butter

    Wildpretmarkt 3, 1010 Wien

    Guided Tour

    MAYFLY. Functional Collages

    Dialogführung: Designer Anton Defant und Benjamin Nagy mit Marlies Wirth (MAK)

    16/11/202116/11/2021

    18:00—19:00

    MAK – Museum für angewandte Kunst

    Stubenring 5,
    1010 Wien

    MAYFLY
    Functional Collages

    Bis 21. November 2021

    Ein Müllcontainer ist quasi ein Niemandsland zwischen funktionalen Objekten und ausrangiertem Material. Der Lebenszyklus einer Mayfly-Skulptur (mayfly = Eintagsfliege, also vergänglich) beginnt in diesem Vakuum.

    Es gibt keinerlei Vorausplanung, das Objekt wird ausschließlich durch die verfügbaren Elemente definiert. Es wird aus geborgenen Bestandteilen unter möglichst sparsamem Einsatz von Werkzeugen hergestellt, ohne dass radikale Veränderungen vorgenommen werden. Da nur mit den vor Ort verfügbaren Mitteln gearbeitet wird, sind die Designer*innen abhängig von den Materialien, die sie zu verwenden haben, womit die traditionelle Rollenverteilung auf den Kopf gestellt ist und die Künstler*innen die Kontrolle abgeben.

    In diesem Sinne sind die Designer*innen im Rahmen des Schaffensprozesses keinerlei industriellen Praktiken unterworfen – so entstehen die Mayfly-Skulpturen. Die improvisierten Collagen erfüllen die ihnen zugedachten neuen Funktionen in einem zusätzlichen Lebenszyklus perfekt, bevor sie wieder in dem Müllcontainer landen, aus dem sie gekommen sind.

    © Anton Defant

    Guided Tour

    TOKENS FOR CLIMATE CARE. Eine Installation von Process – Studio for Art and Design

    Special-Demo-Tour mit Martin Grödl und Moritz Resl von Process – Studio for Art and Design

    16/11/202116/11/2021

    19:00—20:00

    MAK – Museum für angewandte Kunst

    Stubenring 5,
    1010 Wien

    TOKENS FOR CLIMATE CARE. Eine Installation von Process – Studio for Art and Design

    Bis 21. November 2021

    Der offizielle Österreich-Beitrag zur London Design Biennale 2021 wurde vom MAK beauftragt und von Process – Studio for Art and Design gestaltet. Nun ist die Installation erstmals in Wien zu sehen: Mit dem Titel Tokens for Climate Care konzentriert sich der Beitrag auf eine der aktuell wichtigsten Aufgaben des Menschen, Klimafürsorge (climate care), die durch das transformative Wirkungsvermögen von Design angestoßen werden kann.Für das Projekt wird KI-basierte Technologie eingesetzt, um neue und originelle grafische Symbole auf der Grundlage einer umfassenden Datenbank aus Logos, Symbolen und Glyphen zu erzeugen.

    Die neuen „Tokens for Climate Care“ werden in einer raumgreifenden Laserinstallation präsentiert, die die generierten Daten in Echtzeit sichtbar macht. Besucher*innen können über ihr Smartphone die Bedeutung der kreierten Symbole mitbestimmen, indem sie drei Begriffe aus einer Liste endlos kombinierbarer Labels auswählen. Dabei wechseln sich die Farben der Laserinstallation ab.

    Die generierten Symbole sind auf tokensforclimate.care weltweit zugänglich und können von und für Initiativen und Aktivismus zur Klimapflege frei verwendet werden.

    © Process – Studio for Art and Design

    Guided Tour

    Club Architektur: Zeitalter der Krise: Notfall oder Dauerzustand?

    Talkshow

    17/11/202117/11/2021

    19:00—20:00

    Reservierung erforderlich: anmeldung@azw.at

    Architekturzentrum Wien

    MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Covid-Pandemie, Wohnungskrise, Klimakatastrophe. Sie alle bringen unsere vermeintliche Normalität aus dem Gleichgewicht. Trotzdem hoffen wir stets, dass sich Lösungen finden, damit es danach möglichst schnell wieder normal weitergehen kann. Aber was, wenn es dieses „Danach“ und dieses „Normal“ gar nicht gibt? Die Architektur und das Bauen stehen im Schnittpunkt dieser Krisen: Wohnungsmangel und Betongold, räumliche Distanz und die Aufteilung des öffentlichen Raums, massiver Energieverbrauch und CO2-Ausstoß. Wie hängen all diese Krisen zusammen? Befinden wir uns in einem Zeitalter, in dem der Ausnahmezustand der Normalzustand geworden ist und das auch bleibt? Wie gehen wir mit Krisen um und wie können wir handeln, anstatt komplett die Kontrolle zu verlieren? Welchen Blick darauf haben Klimaforscher*innen, Philosoph*innen und Wohnbauexpert*innen, welche Forderungen hat die junge Generation, und welche Lösungen kann die stets optimistische Disziplin der Architektur bieten? Diese Fragen diskutiert ein interdisziplinäres Podium im Az W auf breiter gesellschaftlicher Ebene.

    Gäste:
    Maja Göpel, Generalsekretärin des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, Berlin (angefragt)
    Alexander Hagner, Architekt, gaupenraub +/-, Wien
    Elke Krasny, Co-Kuratorin der Az W-Ausstellung “Critical Care. Architektur für einen Planeten in der Krise“, Wien
    Katharina Rogenhofer, Sprecherin des Klimavolksbegehrens und Mitgründerin von fridays for future Österreich, Wien
    Karin Zauner-Lohnmeyer, Sprecherin der Europäischen Bürgerinitiative „Housing for All“, Wien (angefragt)

    Moderation: Maik Novotny, Architekturjournalist
    Dank an: das Möbel

    Talk

    GEGEN DIE OHNMACHT: WIR

    18/11/202118/11/2021

    19:00—20:00

    Sigmund Freud Museum

    Berggasse 19, 1090 Wien

    „Die Frage nach dem WIR einer gemeinsamen, lebendigen Öffentlichkeit ist wichtiger denn je, […] feldstellen* PRÄSENZ DER VIELEN ist der Versuch, für einen Moment eine gemeinsame Vielheit sichtbar zu machen: eine Versammlung unter dem Credo der Menschlichkeit“, so beschreibt Heidrun Primas, Architektin und ehemalige Leiterin des Forum Stadtpark Graz, jene soziale Plastik, die erstmals am Tag der Menschenrechte 2017 am Platz der Menschenrechte von Forum Stadtpark Künstler:innen in Graz umgesetzt wurde. Seither wurde sie im Rahmen von Solidaritätskundgebungen (Jänner bis Juni 2021) immer wieder von all jenen gebildet, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte und eine humane Flüchtlingspolitik einsetzen (https://www.facebook.com/WE4MORIAGraz/).
    Gleichzeitig tritt dieses von Kunst- und Kulturaktiven, Aktivist:innen und NGOs aus dem Geflüchtetenbereich initiierte „Feld der Empathie“ den aktuell vorherrschenden Gefühlen der Vereinzelung und der daraus resultierenden Ohnmacht und Sprachlosigkeit wirksam aber friedvoll entgegen. Dort, wo der gnadenlos verschärfte politische Diskurs die Würde von Schutzsuchenden und von Hilfsbereiten in Frage stellt, wird auch die Selbstachtung der Mitglieder der Aufnahmegesellschaft bedroht. Vorherrschende Ängste vor Einschränkungen und materiellen Verlusten erschweren zudem die Teilhabe an soziokulturellen Entwicklungsprozessen. Die der inneren Emigration Ausgelieferten werden zunehmend zum Schweigen gebracht und sehen sich ihrer Ausdrucks- und Sprachmöglichkeiten sowie dem Gehörtwerden beraubt. So scheint allein der Ruf jener vernehmbar, die unseren brüchig gewordenen Lebenswelten vor allem mit harter Regulierung begegnen wollen.
    Während propagandistische Begriffe wie „Überfremdung“ (wieder) an Wirkmacht gewinnen und der Gesellschaft apokalyptische Visionen ihrer Zerstörung vor Augen führen, werden in den aktivistischen Szenen in Kunst und Kultur auch Praktiken entwickelt, die der kollektiven Verunsicherung eine von „Solidarität“ geprägte Haltung als einen gesellschaftsverbindenden und sinnstiftenden Gegenentwurf anbieten. So wird etwa feldstellen* über die Solidaritätsaktion für die schutzsuchenden Menschen an den Grenzen Europas hinaus als ein soziales Handlungsmodell und Instrument kollektiver Friedensarbeit erprobt, das in einer globalen sozialen, politischen und gesundheitlichen Krisensituation die Möglichkeit bietet, sich zu artikulieren und gegen die eigene sowie gegen die kollektive Ohnmacht aufzustehen.

    Es diskutieren: Heidrun Primas (Architektin und Kulturarbeiterin), Daru Huppert (Psychoanalytiker und Psychologe) und Monika Pessler (Direktorin des Sigmund Freud Museums)

    feldstellen Forum Stadtpark © Lena Prehal

    Blue Elephant–Master Cheung & Aunt Hang, 2019
    Talk

    Artist-Talk im mumok: Heike Eipeldauer und Huang-Po-Chih

    18/11/202118/11/2021

    17:00—18:00

    mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

    Museumsplatz 1,
    1070 Wien

    Huang Po-Chih (*1980 in Taoyuan) gehört einer Generation von Künstler*innen an, die in einer Ära demokratischer Reformen und hohen Wirtschaftswachstums in Taiwan sozialisiert wurde. Seine multidisziplinäre Praxis, die diverse künstlerische Medien ebenso umfasst wie Literatur, Agrarwirtschaft, Textilmanufaktur und soziales Entrepreneurship, reflektiert den gewandelten Identitätsdiskurs Taiwans der letzten Jahrzehnte: von einer nach innen gerichteten, von der japanischen Besatzung, der Rolle im Kalten Krieg und den Souveränitätsansprüchen gegenüber der Volksrepublik China bestimmten Erzählung hin zu einer transnationalen Vision, die lokale, ostasiatische und globale Perspektiven gleichermaßen berücksichtigt.

    Im Gespräch mit mumok Kuratorin Heike Eipeldauer werden die zahlreichen Herausforderungen Taiwans und seine komplexe Rolle im globalen Gefüge aus künstlerischer Sicht erörtert.

    Huang Po-Chih Blue Elephant–Master Cheung & Aunt Hang, 2019 Photography 140x160cm © Huang Po-Chih

    Strom, Performance © Iris Blauensteiner und Rojin Sharafi
    Talk

    Iris Blauensteiner und Rojin Sharafi: Strom

    18/11/202118/11/2021

    19:00—21:00

    anmeldung@kunstraum.net

    Kunstraum Niederoesterreich

    Herrengasse 13,
    1010 Wien

    Im kollaborativ entwickelten Performance-Setting „Strom“ forschen Iris Blauensteiner und Rojin Sharafi an einem dynamischen Zusammenspiel menschlicher und technischer Akteurinnen. Basierend auf der Narration eines entstehenden literarischen Textes wird Stimme mit elektronischer Musik, Texturen und programmierten Klangkomponenten kombiniert, verbunden und neu codiert. In einer Choreografie von Text, Bewegung, Stille und minimalen Gesten interagieren die Performerinnen über den Klang. Interdisziplinär verwoben entstehen wechselseitige technisch-menschlich-körperlich-abstrakt-erzählerische Prozesse. Zwischen dem abstrakten Sound und seiner Verkörperung spannt sich ein Kraftfeld. Die Betrachter:innen sind eingeladen, Teil der unheimlich-utopischen Atmosphäre der Live-Performance „Strom“ im physischen Ausstellungsraum zu sein.

    Die Performance findet im Rahmen der Ausstellung „Wake Words“ statt.

    © Iris Blauensteiner und Rojin Sharafi

    Guided Tour

    Studio Visits in den Ateliers urbanek und feld72

    Exkursion

    19/11/202119/11/2021

    15:00—18:00

    Reservierung erforderlich: anmeldung@azw.at

    Architekturzentrum Wien

    MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Katharina Urbanek / studio urbanek und Michael Obrist / feld72 bestreiten als Gesprächspartner*innen des Az W die Dialogführungen der Ausstellung „Tatiana Bilbao Estudio“. Im Rahmen der Vienna Art Week öffnen sie für das Architekturzentrum die Türen ihrer Büros und geben Einblick in ihre Arbeitsweise.

    Beiden Büros gemeinsam ist ihr Disziplinen-übergreifendes Arbeiten, ihr Fokus auf Forschung, auf die Wohnfrage und auf die – sozialen – Gegebenheiten vor Ort. „… im Großen das Kleine denken – und im Kleinen das Große.“ (Katharina Urbanek)
    Was sie ebenso verbindet, ist die Büroadresse. Die Schottenfeldgasse 72, ein früher Eisenbetonbau, zieht mit seinen eindrucksvollen Raumstrukturen zahlreiche innovative Architekturbüros an. Feld72 erweiterte aufgrund des Büro-Wachstums seine Räumlichkeiten in einen 1970er-Jahre Bau in der Josefstadt.

    Ateliers: studio urbanek und feld72
    Mit: Katharina Urbanek und Michael Obrist
    Moderation: Maria Welzig, Az W

    feld72 © Hertha Hurnaus

    Nairy Baghramian
    Ausstellung

    Nairy Baghramian

    20/11/202123/01/2022

    Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

    Friedrichstraße 12, 1010 Wien

    Nairy Baghramian setzt sich meist ausgehend vom menschlichen Körper mit den grundlegenden Fragen der Bildhauerei auseinander, entwirft mit ihren Skulpturen und Installationen jedoch ganz bewusst eine Antithese zum traditionellen Skulpturenbegriff. In ihrer künstlerischen Formensprache, Materialwahl und Herangehensweise dem Postminimalismus gleichermaßen nahe stehend wie der Konzeptkunst, nutzt die Künstlerin das Potential der Abstraktion, um komplexe Fragestellungen zu verhandeln und für sie eine ästhetisch formale Entsprechung zu finden. Baghramian selbst spricht dabei von „ambivalenter Abstraktion“. Ihre Arbeit thematisiert zeitliche, räumliche und soziale Beziehungen zu Sprache, Geschichte und Gegenwart mit Formen, die sich als Reaktion auf Kontextbedingungen oder die Prämissen eines bestimmten Mediums materialisieren.Ihre bildhauerischen Werke für den Innen- wie den Außenraum bestehen häufig aus mehreren Elementen und aus so unterschiedlichen Materialien wie Aluminium, Glas, pigmentiertem Wachs, Marmor, Porzellan, Kork und Epoxidharz. Organische Formen, die dicht gebündelt sind, ineinandergreifen, einander stützen, tragen oder aneinander lehnen, stellen ihre gegenseitige Abhängigkeit subtil und doch deutlich zur Schau. Die Korrelation oder Interdependenz der Objekte wird zudem durch den Einsatz von prothesenartigen Stützen und Zwingen unterstrichen, wobei vermeintliche Mängel der Arbeit immanent bleiben dürfen. „Meine Skulpturen sollen die Zweifel an ihnen mit formulieren.“ Das macht ihre Werke angreifbar und verletzlich, während die Hilfskonstruktionen zugleich auf ihre konzeptuelle temporäre Qualität und Veränderbarkeit verweisen.Baghramians Installationen und Skulpturen nehmen zum Ausgangspunkt stets einen Bezug auf Architektur, Geschichte und institutionellen Kontext des Ausstellungsortes, ohne dabei von diesem abhängig zu werden. 2017 beispielsweise wählte sie für ihre Arbeit Beliebte Stellen / Privileged Points für die Skulptur Projekte Münster mit einem barocken Schloss im Stadtzentrum einen sehr prominenten Ort. 1987 hatte Richard Serra hier eine mächtige, knapp sechs Meter in die Höhe ragende Vertikalstruktur aus Stahl errichtet. Während Serra seine auf die Fassade des Hauses bezugnehmende monumentale Skulptur mit der Absicht des permanenten Verbleibs auch nach der Ausstellungsdauer platziert hatte, thematisierte Baghramian mit ihrem raumgreifenden Arbeiten die zeitliche Begrenztheit des Ausstellungskonzepts. Baghramians Beitrag im repräsentativen Hof vor dem Schloss blieb bodennah und scheinbar unvollendet. Die feine, wie gekritzelte Linie, die ihre großzügig mit Farbe übergossene Bronzeskulptur in Form eines offenen Kreises beschrieb, erstreckte sich horizontal. Die noch nicht verschweißten Einzelelemente der gegossenen Bronzeskulptur wurden von verzinkten Stahl-Hilfskonstruktionen provisorisch in Position gehalten, während für die Installation im Hinterhof weitere lediglich mit Grundierung behandelte Elemente lose gestapelt lagen, aus denen potentiell weitere Beliebte Stellen zusammengesetzt werden konnten.

    Ein weiterer Wesenszug ist die räumliche Annäherung der Werke von der Peripherie, den Durchgängen und Korridoren hin zum Zentrum, wobei sie sich ihrer Umgebung eher einschreiben und eine Stelle markieren als den Raum zu dominieren. Mit ihren oft fragil wirkenden Skulpturen, die Stützung brauchen und so gesehen abhängig sind, stellt sich Baghramian stets auch der Konvention der selbstbewussten (männlichen) Pose, der dominanten Setzung, dem Anspruch des Immerwährenden entgegen.

    Nairy Baghramian, 1971 in Isfahan geboren, lebt und arbeitet in Berlin.

    Nairy Baghramian, Privileged Points, 2017, Installationsansicht Minneapolis Sculpture Garden & Wurtele Upper Garden, Foto: Timo Ohler

    Sarah Rapson
    Ausstellung

    Sarah Rapson

    20/11/202123/01/2022

    Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

    Friedrichstraße 12, 1010 Wien

    Die Kunstwerke einer kommenden Ausstellung im Untergeschoß der Secession werden vorwiegend irgendwo zwischen den Londoner Häusern von Sigmund Freud und John Keats entstanden sein. Sarah Rapson, deren Praxis kürzlich als eine Form des „romantischen Konzeptualismus“ beschrieben wurde, ist in Nord-London der 1960er und 1970er-Jahre aufgewachsen, ging in den 1980ern nach New York und kehre Jahrzehnte später nach England zurück, wo sie weiterhin ihr Material editiert.

    Sarah Rapson, Love is everywhere (Stuart), 2004

    Nora Turato
    Ausstellung

    Nora Turato

    20/11/202123/01/2022

    Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

    Friedrichstraße 12, 1010 Wien

    Nora Turato setzt sich in klangvollen Sprechperformances und aus gefundenem Textmaterial gefertigten typografischen Werken mit der Brüchigkeit der Sprache in heutigen Medienlandschaften auseinander. Sprache aus Büchern, Werbung, sozialen Medien und Alltagsgesprächen wird angeeignet und fließt in Performance-Texte und Arbeiten bildender Kunst von Wandmalereien und Videos bis hin zu Künstlerbüchern und Postern ein.

    Ihre Performances trägt sie mit einer scheinbar impulsiven und ungeplanten Dringlichkeit vor, die über die aufwändigen Forschungs- und Probenarbeiten hinwegtäuschen können, die ihnen jeweils zugrunde liegen. Zurzeit produziert sie zwei Performances von je etwa 20 Minuten Dauer pro Jahr, was es ihr erlaubt, aktuelle Trends, Redewendungen und sprachliche Muster, die sich in den Medien ausbreiten, aufzunehmen und die kulturellen und politischen Themen der Gegenwart aufzugreifen. Ihre Stimme, die sich durch großen Umfang und Flexibilität auszeichnet, setzt sie mit vielfältig wechselnden Tonlagen und Satzmelodien, Intensitäten und emotionalen Ausdrucksqualitäten ein, um bewegende theatralische Wirkungen zu erzielen.

    Turatos unverkennbar durch ihre Ausbildung als Grafikdesignerin geprägte bildende Kunst zieht mit plakativen typografischen Bildlösungen den Blick auf sich, in denen die Botschaften ihrer Sprechperformances und die Bildsprache heutiger Werbeslogans anklingen. So kann sie Formate vom kleinen, aber gehaltvollen Künstlerbuch bis zur werbetafelgroßen Wandarbeit bespielen, ohne Zugeständnisse bei der künstlerischen Qualität oder dem Nuancenreichtum ihrer Arbeiten zu machen.

    Obwohl ihr Werk und seine gewandte Auseinandersetzung mit heutiger Kultur unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten analysiert und gedeutet werden können, ziehen oft vor allem Turatos Bühnenpräsenz – als Frau, deren Verhalten unvorhersehbar ist—und ihre abwechselnd donnernde, heulende und quiekende Stimme die Aufmerksamkeit der Kritik auf sich. So wird überdeutlich, dass allen Illusionen zum Trotz das Recht der Frau auf freie Rede selbst in angeblich fortschrittlichen Gesellschaften höchst umstritten bleibt.

    Nora Turato, Foto: Sabina Bösch, Zürich, Courtesy: the artist & Galerie Gregor Staiger, Zürich

    Ausstellung

    JOSEF HOFFMANN

    Fortschritt durch Schönheit

    15/12/202119/06/2022

    10:00—18:00

    MAK – Museum für angewandte Kunst

    Stubenring 5,
    1010 Wien

    Aus Anlass seines 150. Geburtstags dokumentiert die Ausstellung JOSEF HOFFMANN. Fortschritt durch Schönheit erstmals umfassend das Gesamtwerk des Architekten, Designers, Lehrers und Ausstellungsmachers Josef Hoffmann (1870–1956), einer der zentralen Figuren der Wiener Moderne und internationalen Lebensreformbewegung. Hoffmann kultivierte mit seiner unermüdlichen Entwurfsarbeit und Lehrtätigkeit ein exemplarisches Modell moderner Lebensweisen auf Basis einer handwerklich geprägten sowie künstlerisch ambitionierten Bau- und Produktkultur. Die Schau zeigt einen Querschnitt durch Hoffmanns revolutionäre Designs und seine wichtigsten Bauten, darunter das Palais Stoclet in Brüssel (1905–1911) oder das Sanatorium Purkersdorf (1904–1905).

    In Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien.

    © MAK

    Ausstellung

    MUTA-NATUR

    16/12/202116/01/2022

    Künstlerhaus

    Karlsplatz 5, 1010 Wien

    Kuratiert von Maria Grün und Anna Werzowa
    Der Mensch eignet sich die Natur an, er kultiviert, gestaltet und verändert sie. Ohne die Manipulation der Natur scheint der Mensch nicht mehr überlebensfähig zu sein. Sich Natur zu Nutze zu machen, ist ein selbstverständlicher Teil des menschlichen Handelns und der Kulturgeschichte.

    Die Art, wie mit Natur umgegangen wird, zeigt auf, welche Beziehung zu ihr besteht. Im Laufe der Jahre hat sich der Umgang immer wieder gewandelt. Die Mittel und Werkzeuge entwickeln sich in einem rasanten Tempo beständig weiter. Neben Zerstörung und Verseuchung der Umwelt wächst auch das Bewusstsein für sie. Es entwickelten sich Bemühungen zum Wiederaufbau und zur Renaturalisierung.

    Der Mensch ist gleichzeitig Herrscher, Teil und Untertan der Natur. Und so ist auch Natur nicht mehr ausschließlich als Gegenbegriff zu Kultur zu begreifen. Das was wir als Natur bezeichnen ist zumeist „vom Menschen gemacht“. Wie betrachten wir unseren eigenen Körper unter dem Vorzeichen der technischen Erweiterung. Möglichkeiten und Mittel zur Veränderung der eigenen Natürlichkeit entwickeln sich weiter. Der Körper wird manipuliert und erweitert, die Maschine ist ein selbstverständlicher Teil des menschlichen Daseins geworden.
    Die Ausstellung soll eine kritische, möglicherweise verstörende, romantische und zugleich höchst aktuelle Auseinandersetzung mit Natur aufzeichnen. Thema soll unter anderem eine neue Deutungsweise und Neuinterpretation von Natur sein.

    Eva Grün: Foto von Max Berner "Nix genaues nicht", 2012