host_age:// ist ein langfristiges kuratorisches Forschungsprojekt, das die zunehmende Bevorzugung von Sicherheit und Kontrolle gegenüber Freiheit, Rechten, Privatsphäre und Demokratie untersucht.

 

Der Titel ist ein Wortspiel und legt nahe, dass das Verhältnis zwischen Host und Geisel unsere Gegenwart prägt. Die etymologische Verbindung zwischen Gast, Geist, Gastgeber und Geisel offenbart ihre konzeptuelle Verflechtung sowie die Dynamik von Gastfreundschaft und Feindseligkeit. Gastfreundschaft kann nicht ohne ein gewisses Maß an Feindseligkeit existieren, da der Gast den Entscheidungen des Gastgebers unterliegt. Mit der Zeit kann sich der Gast innerhalb des Raums, in dem er einst willkommen geheißen wurde, langsam in eine Geisel verwandeln.

 

Beispiele hierfür sind Migrant:innen, die aufgrund komplexer Visa-Bestimmungen im Gastland festsitzen, oder privilegierte Bewohner:innen, die sich freiwillig hinter den Mauern bewachter Wohnanlagen einschließen, um sich vor dem vermeintlichen Chaos ärmerer Viertel zu schützen. Auch die Bedingungen während der Pandemie hielten Millionen Menschen als Geiseln in ihren eigenen Wohnungen gefangen.

 

Die Figur der Geisel spiegelt die Logik einer Post-Kontrollgesellschaft wider, in der Individuen nicht mehr nur durch physische Grenzen diszipliniert werden, sondern durch ihre scheinbar „freien“ Entscheidungen. Ein Host ist auch ein über ein Netzwerk zugänglicher Computer – der Titel ist daher in einer Art geschrieben, die an Programmiersprache erinnert, und verweist auf die Ausweitung der Host-Geisel-Dynamik in den digitalen Raum. Er deutet darauf hin, dass wir in einem „host age“ oder „hostage age“ leben, in dem wir uns innerhalb von Systemen gefangen fühlen. Unternehmen, die persönliche Daten verfolgen, soziale Medien, die süchtig machen, Algorithmen, die politische Diskurse polarisieren, und KI-Technologien, die menschliche Arbeit ersetzen, zeigen auf, wie wir uns freiwillig innerhalb ideologischer, wirtschaftlicher und technologischer Strukturen als Geiseln halten lassen.

 

Diese Ausstellung ist die erste einer Reihe, die das Verhältnis zwischen Überwachungskapitalismus, Grenztechnologien und Freiheit untersucht. In seiner Forschung befasst sich Žarko Aleksić mit der Interaktion zwischen menschlichem Bewusstsein und Künstlicher Intelligenz. Mithilfe von Gesichtserkennung und personalisierter Werbung, die auf privaten Informationen basiert, analysiert er, wie KI mithilfe persönlicher Daten Versionen unserer Identität konstruiert. Sein während der Pandemie entwickeltes Kunstwerk What Google Wants fragt, ob der Versuch der KI, uns besser zu „verstehen“, als eine Art Psychoanalyse betrachtet werden kann – oft mit überwachenden und ausbeuterischen Absichten.

 

Ähnlich konzentriert sich Brian Web, ein Projekt von Laurus Edelbacher und Azalea Ortega Flores, auf die dynamische Beziehung zwischen menschlichem Bewusstsein und dem digitalen Raum. Mit einem speziell entwickelten EEG-Headset wird die Gehirnaktivität der Nutzer:innen gemessen; ein eigens entwickeltes System interpretiert diese Signale, um Webinhalte basierend auf dem kognitiv-emotionalen Zustand der Nutzer:innen zu kuratieren. In der interaktiven Game installation Borderline rekonstruiert Edelbacher mithilfe von Überwachungsmaterial in Echtzeit Grenzräume verschiedener Orte als interaktive 3D-Umgebungen in einer Game-Engine.

 

Kuratiert von Deniz Güvensoy

Eröffnung: ‚host//:age‘

11 Nov 2025/19:30-21:00H

Fabrikraum

Johnstraße 25-27/r02 2, 1150 Wien, Österreich

Brainweb, Interactive new media art installation, Laurus Edelbacher, Azalea Ortega Flores

Eröffnung: ‚host//:age‘

OTHER EVENTS

TURNING PAGES. Künstler*innenbücher der Gegenwart
01/10/2025
Ausstellung
TURNING PAGES: Künstler*innenbücher der Gegenwart
27/03/2026
Ausstellung
Animalia: Von Tieren und Menschen
© Architekturzentrum Wien, Sammlung
03/02/2022
Ausstellung
Hot Questions – Cold Storage
23/05/2025
Ausstellung
Die Welt von morgen wird eine weitere Gegenwart gewesen sein
26/11/2025
Ausstellung
Richard Hawkins: Potentialities
02/12/2025
Ausstellung
Chinesische Kunst aus der verbotenen Stadt
07/03/2026
Eintritt frei
still (a little life)
13/02/2026
Ausstellung
Guglielmo Castelli: Sweet Baby Motel
28/03/2025
Ausstellung
Nie endgültig! Das Museum im Wandel
27/09/2025
Ausstellung
Tobias Pils: Shh
24/04/2026
Ausstellung
PREMIERE! Die Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank
22/10/2025
Ausstellung
Schwarze Juden, Weisse Juden?
01/05/2026
Ausstellung
Lebt und arbeitet in Wien: Contemporary Art from Vienna
HELMUT LANG Helmut Lang, New York City Taxi Top, 2002 HELMUT LANG ARCHIV
10/12/2025
Ausstellung
HELMUT LANG
06/03/2026
Ausstellung
Ndidi Dike: Rare Earth Rare Justice
29/01/2026
Ausstellung
Sandra Mujinga: Skin to Skin
26/02/2026
Ausstellung
THE MATERIAL SHOW
04/12/2025
Ausstellung
Claudia Pagès Rabal
27/02/2026
Ausstellung
Ferdinand Georg Waldmüller: Nach der Natur gemalt
19/02/2026
Ausstellung
GUSTAVE COURBET: REALIST UND REBELL
24/07/2026
Ausstellung
HERBERT BOECKL – HANS JOSEPHSOHN: Archetypen des Figuralen
03/10/2025
Ausstellung
Die Sammlung betrachten & The Day You Were Thinking About the Sibyl While You Were Picking Autumn Leaves An Insert by Ana Torfs
03/10/2025
Ausstellung
Alles in Arbeit
26/09/2024
Eintritt frei
Be a mensch: Johanna Kandl
24/10/2025
Ausstellung
Der Fall Freud: Dokumente des Unrechts
13/11/2026
Ausstellung
NEU. SACHLICH. Fotografie der 1920er- und 1930er-Jahre