KALENDER

Wofür interessieren Sie sich
Zusätzlich

Ausgestorben!?

23/02/20232/04/2024

Weltmuseum Wien

Heldenplatz, 1010 Wien

Eine Ausstellung im Rahmen des Projekts TAKING CARE

Angesichts der anhaltenden Klimakrise und ihrer Auswirkungen auf die biologische Vielfalt stehen Fragen von Gefährdung und Ängste vor Verlust im Mittelpunkt öffentlicher Diskurse. Im Zuge des Anthropozäns wird mit einem sechsten großen Artensterben gerechnet. Als Anthropozän wird das Zeitalter bezeichnet, in dem Menschen der wichtigste Einflussfaktor auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse der Erde geworden sind.

 

In Zusammenarbeit mit Partner*innen insbesondere aus Lateinamerika werden gängige Narrative des Aussterbens hinterfragt und aus anderen Perspektiven neu erzählt. In den Sammlungen des Weltmuseums Wien finden sich zahlreiche Objekte mit deren Hilfe Geschichten vom Aussterben menschlicher Kulturen erzählt werden können, die aber genauso auch von ihrer Widerstandskraft und ihrem Überleben berichten.

Zemi-Gürtel, Taino, Große Antillen, 1520–1560, Schneckenschalen, Zähne, Baumwolle, Obsidian, Messing, Glasspiegel, Sammlung Ambras, Weltmuseum Wien ©

Maximilian Prüfer: Fruits of Labour

18/05/20239/07/2024

Weltmuseum Wien

Heldenplatz, 1010 Wien

Die Ausstellung dreht sich um Werke des Konzeptkünstlers Maximilian Prüfer (*1986), der sich mit der Rolle der Natur in und als Kunst auseinandersetzt und dessen Praxis ökologische, politische und soziokulturelle Fragen in den Mittelpunkt stellt. Die Ausstellung fokussiert auf zwei von Mao Zedong (1893–1976) initiierte Kampagnen – die Kampagne zur Beseitigung der vier Übel (1958) sowie Maos Geschenk (1968) – und thematisiert ihre lokalen wie globalen Folgen.

Honey Pictures (series), Maximilian Prüfer, Photo print on Baryta, 2022 © Maximilian Prüfer

GERTIE FRÖHLICH: Schattenpionierin

13/09/20233/03/2024

MAK – Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5, 1010 Wien

Kaum eine Persönlichkeit stand so im Brennpunkt der Aktivitäten der Wiener Avantgarden wie Gertie Fröhlich (1930–2020).

 

Während ihres Studiums an der Akademie der bildenden Künste knüpfte sie Kontakte zu jungen Kunstschaffenden aller Stilrichtungen, wurde im Schatten Otto Mauers zum Moving Spirit der Galerie St. Stephan und ihre Wohnung war bald interdisziplinärer Treffpunkt für viele Kreative ihrer Zeit. Gertie Fröhlich hinterließ ein umfangreiches Œuvre, das sich über verschiedenste Disziplinen hinweg entfaltete. Das MAK widmet ihr die erste umfassende Retrospektive und taucht ein in ihr „Gesamtkunstwerk“ als Künstlerin, Eat-Art-Aktivistin, Grafikerin und Netzwerkerin der Wiener Nachkriegsmoderne.

 

Während der Ausstellung wird der Film WAS IST DENN LOS? Kunst im Leben von Gertie Fröhlich, ein Film von Marieli Fröhlich 2023, gezeigt.

(c) Foto: Estate Gertie Fröhlich; Grafik: Stefan Fuhrer

Renate Bertlmann: Fragile Obsessionen

29/09/20233/03/2024

Belvedere 21 – Museum für zeitgenössische Kunst

Arsenalstraße 1, 1030 Wien

Renate Bertlmann ist eine der wesentlichen Protagonistinnen der österreichischen feministischen Avantgarde. In den letzten Jahren hat sie vor allem durch ihre Einzelpräsentation im österreichischen Pavillon auf der 58. Biennale di Venezia 2019 internationale Aufmerksamkeit erlangt. Anlässlich ihres achtzigsten Geburtstags würdigt das Belvedere ihr Œuvre mit einer ersten umfassenden Retrospektive.

 

Bertlmanns radikale, ironisch-provokative Arbeiten unterwandern gesellschaftliche Zuschreibungen und Stereotype von Geschlecht, Weiblichkeit und Männlichkeit und adressieren dabei die Kampfzone des weiblichen Körpers ebenso wie Ambivalenzen von Lust und Schmerz, Begehren, Disziplinierung, Zärtlichkeit und Verwundbarkeit. Die Künstlerin bedient sich gleichermaßen konzeptueller wie popkultureller Ästhetiken, eignet sich Pornografie und Kitsch unter veränderten Vorzeichen an und stellt Bezüge zu Literatur und Film, Medizin, Religion und Spiritualität her. Ihr Werk zeichnet eine große Experimentierfreude in einer Vielfalt von Medien und Materialien aus, etwa konzeptuelle Fotografien, Zeichnungen, Gemälde, Collagen, Skulpturen aus Latex und Plexiglas, Performances sowie großformatige Installationen.

 

Die Retrospektive im Belvedere 21 umfasst rund zweihundert Exponate von den späten 1960er-Jahren bis zur jüngsten künstlerischen Produktion, darunter ikonische Werke aus den 1970er-Jahren, zentrale Skulpturen und Installationen, performative Fotografien und Zeichnungen, aber auch zahlreiche Arbeiten, die erstmals präsentiert werden. Die Ausstellung wird von einer umfangreichen Publikation begleitet.

 

Kuratiert von Luisa Ziaja.
Assistenzkuratorin: Andrea Kopranovic

(c) Renate Bertlmann / Bildrecht Wien 2023

Denise Ferreira da Silva & Arjuna Neuman: Ancestral Clouds Ancestral Claims

5/10/202317/03/2024

Kunsthalle Wien Karlsplatz

Treitlstraße 2, 1040 Wien

Ancestral Clouds Ancestral Claims ist die erste Einzelausstellung von Arjuna Neuman und Denise Ferreira da Silva in Österreich. In ihrem Zentrum steht der neue, gleichnamige Film des Künstler*innenduos, co-produziert von der Kunsthalle Wien.

 

Diese Arbeit ist der jüngste Teil einer experimentellen Filmreihe, die die beiden als „elementares Kino“ bezeichnen: Je einem der vier Elemente gewidmet, entwickeln die Künstler*innen darin einen Ansatz, der von dem ausgeht, was von der global dominanten Ordnung von Denken und Sein nach wie vor vernachlässigt und verdrängt wird – die Materie, das Material, das Elementare.

 

Die Arbeiten von Ferreira da Silva und Neuman untergraben die von der europäischen kolonialen Moderne geprägten Denk- und Beziehungsmuster zur Erde. Sie zeigen, dass uns teils selbstverständlich erscheinende Kategorien und Unterscheidungen einer zutiefst ungleichen, rassistischen Welt zugrunde liegen. Ancestral Clouds Ancestral Claims beschäftigt sich mit dem, wenn auch in veränderter Form, Fortbestehen dieses modernen Verhältnisses zur Welt anhand der Geschichte des Neoliberalismus und einer ihrer prägenden frühen Episoden – der Pinochet-Diktatur in Chile.

Denise Ferreira da Silva & Arjuna Neuman, Ancestral Clouds Ancestral Claims, 2023, Filmstill, Courtesy die Künstler*innen

MAX OPPENHEIMER: Expressionist der ersten Stunde

6/10/202325/02/2024

Leopold Museum

Museumsplatz 1, 1070 Wien

MAX OPPENHEIMER

Expressionist der ersten Stunde

06.10.2023 –25.02.2024

Reiter

MAX OPPENHEIMER, Bildnis Ernst Koessler, 1910 © Museum Ortner, Wien, Foto: Kunsthandel Giese & Schweiger

Max Oppenheimer war Expressionist der ersten Stunde. Geboren 1885 in Wien, studierte er zunächst an der Wiener Akademie der bildenden Künste und später an der Kunstakademie in Prag. Er nahm an den legendären Ausstellungen Kunstschau Wien 1908 und Internationale Kunstschau Wien 1909 teil, wo er Bekanntschaft mit zahlreichen progressiven Künstlern jener Zeit wie Oskar Kokoschka (1886–1980), Egon Schiele (1890–1918) oder etwa Albert Paris Gütersloh (1887–1973) machte. Der um fünf Jahre jüngere Egon Schiele suchte 1909 aktiv den Kontakt zu Oppenheimer. Deren freundschaftliche Verbindung überdauerte Jahre und manifestierte sich etwa im gemeinsamen Arbeiten in Schieles Atelier (Winter 1910/11) oder in der gegenseitigen Wertschätzung ihrer künstlerischen Arbeiten. Aus einer anfänglichen Freundschaft mit Kokoschka entwickelte sich aufgrund von Rivalitäten der beiden Protagonisten der österreichischen Avantgarde eine regelrechte Feindschaft. Durch den Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich im Jahr 1938 war der Künstler gezwungen zu fliehen und emigrierte über die Schweiz in die USA, wo er 1954 starb.

 

Mit dieser längst überfälligen, großangelegten Schau intendiert das Leopold Museum, das zu Unrecht weitgehend vergessene und gleichermaßen bedeutende wie bahnbrechende Œuvre Max Oppenheimers neu zu beleuchten und dessen umfassenden Motivschatz zu erschließen. Darüber hinaus wird die Rolle des Künstlers und seiner Netzwerke anhand der Zeitgenossen Oskar Kokoschka und Egon Schiele thematisiert.

©Leopold Museum

Sterblich sein

6/10/202325/08/2024

Dom Museum Wien

Stephansplatz 6, 1010 Wien

Die Ausstellung befasst sich mit dem unausweichlichsten Bestandteil jeder Existenz: „Sterblich sein“ spürt mittels Gegenüberstellung von Kunstwerken, die einen kulturhistorischen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart spannen, der tiefen Bedeutung von Tod nicht nur im individuellen, sondern auch im kollektiven und gesellschaftspolitischen Kontext nach. Intime, persönliche Ansätze werden genauso beleuchtet wie die öffentliche, politische Rolle des Sterbens und die Auseinandersetzung damit.

 

Auch aus der legendären Sammlung Otto Mauer wird eine umfangreiche Auswahl an grafischen Arbeiten gezeigt. Es bietet sich daher die Gelegenheit für einen spannenden Einblick in die Sammlungstätigkeit dieser Schlüsselfigur für die Kunstszene der österreichischen Nachkriegszeit.

 

Kuratorin: Johanna Schwanberg

Ko-Kurator: Klaus Speidel

Kuratorische Assistenz: Anke Wiedmann

Günter Brus, Young Death (Detail), 2020. Courtesy of the artist © Günter Brus, Foto: L. Deinhardstein

WONG PING

25/10/202331/03/2024

MAK – Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5, 1010 Wien

Unter dem Titel „edging“ präsentiert der in Hongkong lebende Künstler Wong Ping im MAK seine erste Einzelausstellung in Österreich. Gezeigt werden vier Animationsfilme in einem speziell kreierten räumlichen Setting.

 

Wongs Animationen inszenieren absurde, oft anzügliche Erzählungen, die sich mit Themen wie Intimität, Isolation, gesellschaftlichem Druck und politischen Spannungen auseinandersetzen. Getarnt unter der charakteristischen Niedlichkeit seiner flächigen, farbenfrohen Animationen, bieten die Kurzfilme eine Mischung aus witzigen und beunruhigenden Einsichten und spiegeln dadurch die Komplexität unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert wider.

 

Dabei verwebt der Künstler persönliche und fiktive Geschichten und verwendet sexuelles Begehren sowie unterdrückte Fantasien als Metaphern für größere gesellschaftliche Probleme. Seine Arbeiten tauchen in die Abgründe menschlichen Verhaltens ein und nehmen gesellschaftliche Unterschiede, politische Ideologien und individuelle Freiheiten auf humorvoll-zynische Art in den Fokus.

 

KURATORIN
Marlies Wirth, Kuratorin Digitale Kultur, Kustodin MAK Sammlung Design

©Wong Ping

Katharina Grosse Warum: Drei Töne Kein Dreieck Bilden

1/11/20231/04/2024

Albertina

Albertinaplatz 1, 1010 Wien

Katharina Grosse gehört zu den wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart. Ihre Malerei besticht durch die Kraft und Intensität der Farbe. Wie das wilde Denken ist sie experimentell und unberechenbar. Expansion und permanente Grenzüberschreitung, Freiheit und Autonomie bilden die Grundpfeiler dieses Oeuvres.

Die Künstlerin, die in Berlin und in Neuseeland lebt und arbeitet, überwindet häufig das klassische Bildgeviert: Gemälde, Assemblagen und Installationen im Raum betonen und konterkarieren den Ort, bemühen den Genius Loci. Die vibrierenden Farbfelder von Katharina Grosse überziehen ganze Architekturen, Objekte und weite Flächen im öffentlichen Raum. Oberflächen werden gefaltet und ragen in die dritte Dimension. Häufig verwendet die Künstlerin eine mit Kompressor betriebene Spritzpistole, um feine Farbnebel, harte Übergänge und subtile Farbverläufe zu schaffen. Licht und Schatten werden zu Bildverstärkern.

 

Für die Entwürfe und die malerische Ausführung, die Grosse für die drei historischen Räumlichkeiten der ALBERTINA entwickelt, ist die Überschreitung des White Cube und die Auseinandersetzung mit der Architekturgeschichte durch expanded painting bedeutsam. Die Künstlerin schafft so auch für die Pfeilerhalle begehbare Bilder, die sich auf Wand, Decke, Boden und im Raum ausbreiten, und macht Kunst unmittelbar erlebbar. Durch den Bruch mit dem klassischen Museumsraum, will Grosse sowohl ästhetische Reibungsflächen als auch eine Irritation von Sehgewohnheiten bewirken. Das Publikum erlebt eine pulsierende, dreidimensionale Bildwelt, welche Wand, Decke und Boden miteinbezieht. Auch in der ALBERTINA wird das neue Kunstwerk vor Ort in der Pfeilerhalle entstehen und wird somit nur für diese Ausstellung sicht- und wahrnehmbar sein – um nicht zu sagen begehbar sein.

© Katharina Grosse / Bildrecht, Wien 2023 Foto © Sandro E. E. Zanzinger Photographie 2023

Frederick Kiesler. MAGIC ARCHITECTURE | HABITAT. Kerstin Stoll

14/11/20237/06/2024

Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung

Mariahilfer Straße 1b/1, 1060 Wien

In der Ausstellung treten zwei künstlerische Positionen in Dialog, welche sich dem disziplinenübergreifenden Forschen und Denken sowie dem gestalterischen Experimentieren zwischen Architektur, Design, Kunst, Biologie, Natur- und Kulturgeschichte widmen.

 

Der Künstler-Architekt Friedrich Kiesler (1890-1965) zeichnete in seinem nie veröffentlichten Buchprojekt Magic Architecture eine epochenübergreifende Geschichte der menschlichen Behausung von der Vorgeschichte bis zum Atomzeitalter nach. Dabei setzte er auch das menschliche mit dem tierischen Bauen in Verbindung und entwickelte daraus sein Verständnis der „magischen Architektur [als] eine Architektur für Jedermann“, die zwischen Traum und Wirklichkeit vermittelt und sich mit den drängenden Problemen der menschlichen Existenz nach einer Zeit globaler Zerstörung auseinandersetzt.

 

Kerstin Stoll (lebt und arbeitet in Berlin) untersucht in ihrer künstlerisch-forschenden Praxis Konstruktionen und Material von Tierbauten und die Verwendung von natürlichen Baustoffen traditioneller menschlicher Bauformen. Mit ihrer Werkserie Habitat aktualisiert Stoll das historische Buchprojekt Kieslers. Ausgehend von den Lehmnestern der Töpferwespe, des geflochtenen Nests des Webervogels und den Bauten von Termiten sowie deren Transformation durch 3D-Scan und Porzellandrucker fragt sie nach deren möglichen politischen Bedeutungen im Heute unter den Vorzeichen eines sich verändernden Ökosystems, stagnierender Biodiversität und Artenverlust.

Herbert Boeckl – Oskar Kokoschka. Eine Rivalität

17/11/202317/03/2024

Albertina modern

Karlsplatz 5, 1010 Wien

Die Ausstellung Herbert Boeckl – Oskar Kokoschka. Eine Rivalität zeigt zwei der bedeutendsten österreichischen Künstler des Expressionismus. Präsentiert werden mehr als 100 herausragende Arbeiten auf Papier, eine Auswahl aus den reichen Beständen der ALBERTINA.

 

Zwar verbindet Boeckl und Kokoschka ihr ähnliches Alter und ihre lange Schaffenszeit (sie reicht bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts), doch sie beschreiten ganz unterschiedliche Wege. Dennoch ist es vor allem diesen beiden Künstlern zu verdanken, dass man den Expressionismus als bestimmende Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts in Österreich ansieht. 1934 geht Kokoschka aus politischen und wirtschaftlichen Gründen nach Prag, und flieht 1938 nach London. Sein Werk wird als „entartet“ diffamiert, er reagiert darauf mit extrem politischen Arbeiten. Boeckl bleibt, nicht zuletzt wegen seiner großen Familie, in Österreich und versucht, seine Arbeit so gut wie möglich fortzusetzen. Er wird nach 1945 die prägende Lehrerpersönlichkeit in Österreich.

 

Große Bedeutung im Œuvre beider Künstler hat die Zeichnung. Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus verschiedenen Phasen und schlägt den Bogen von frühen Aktzeichnungen und Bildnissen beider Künstler über Boeckls Anatomisches Skizzenbuch und expressionistische Landschaften, Stillleben und Zeichnungen der Zwischenkriegszeit bis zu Kokoschkas Farbstiftzeichnungen und Blumenaquarellen aus seiner späten Schaffenszeit in der Schweiz und Boeckls späten Landschaftsaquarellen.

© Herbert-Boeckl-Nachlass, Wien

Nedko Solakov: A Cornered Solo Show #3

24/11/202319/06/2024

Oberes Belvedere

Prinz Eugen-Straße 27

Die künstlerische Intervention A Cornered Solo Show #3 des bulgarischen Künstlers Nedko Solakov findet sich nicht in den repräsentativen Ausstellungsräumen des Oberen Belvedere, ganz im Gegenteil: Sie entfaltet sich in einer unscheinbaren Ecke der Museumsgarderobe. Hier an diesem Zwischenort des Ankommens und Aufbrechens konfrontiert Solakov die Besucher*innen mit den Themen seiner Kunst und involviert sie auf gewitzte Art und Weise in einen inneren Dialog mit seinem künstlerischen Gewissen. Über seine Intention schreibt er selbst:

 

„Ich würde gerne eine riesige Einzelausstellung in einem der herrlichen Prachtsäle des Belvedere machen. Eines Tages könnte es ja wirklich dazu kommen, warum also soll ich mir nicht schon vorweg ausdenken, wie die Ausstellung aussehen soll? Das Publikum dieses extrem gut besuchten Museums ist anspruchsvoll. Wie mich vorbereiten? ‚Marsch in die Ecke, du 65-jähriger Träumer! Bevor du keine klare Vorstellung hast, wie deine Ausstellung aussehen soll, bleibst du mal dort stehen!‘ So sprach mein Künstlergewissen in Gestalt meines alten Freundes – und prominenten Kurators – Charles Esche (mein Gewissen hätte auch in Gestalt von Frauen auftreten können, aber diese begannen gerade ihre Beinahe-Top-Jobs in einer Top-Institution, und nachdem sie sich entschuldigen ließen, war Charles so etwas wie die Ultima Ratio, auch als alter weißer, aber immerhin sehr freundlicher Mann). So beschloss ich, um vor meinem Gewissen, also vor Charles, einen spontanen und kunstbeflissenen Eindruck zu machen, meine Gedanken und Einwände, meine Fragen und Antworten auf äußerst spontan gefertigten Cut-outs aus grundierter Leinwand, die seit zehn Jahren eingerollt in der Ecke bei mir im Atelier lehnt, festzuhalten.“

Installation view "Nedko Solakov. A Cornered Solo Show #3 (with Charles Esche as my artistic conscience)" Photo: Johannes Stoll / Belvedere, Vienna

Darker, Lighter, Puffy, Flat

29/11/202314/04/2024

Kunsthalle Wien Museumsquartier

Museumsplatz 1, 1070 Wien

Kurator*in: Laura Amann

 

Assistenzkuratorin: Hannah Marynissen

 

Künstler*innen: Nina Beier • Lucia Dovičáková • VALIE EXPORT • Elisa Giardina Papa • Andrea Éva Györi • Trulee Hall • Monia Ben Hamouda • Šejla Kamerić & Aleksandra Vajd • Maria Lassnig • Claudia Lomoschitz • Tala Madani • Sarah Margnetti • Radha May • Marlie Mul • OMARA Mara Oláh • Abdul Sharif Oluwafemi Baruwa • Laure Prouvost • Christina Ramberg • Adam Rzepecki • Toni Schmale • Maja Smrekar • Mariya Vasilyeva • Dorottya Vékony • Marianne Vlaschits • Rafał Zajko • …

 

Die Gruppenausstellung Darker, Lighter, Puffy, Flat zeigt Werke, darunter mehrere neue Auftragsarbeiten, von internationalen Künstler*innen, die sich mit den vielfältigen Bedeutungen der Brust in der Geschichte der Kunst, aber auch in Gesellschaft und Kultur insgesamt auseinandersetzen. Zu sehen sind Arbeiten, die sich im Spannungsfeld der vielen einander widersprechenden – und manchmal heuchlerischen – wie auch sinnlichen und spielerischen Perspektiven auf Brüste bewegen.

 

Brüste – vor allem die von Frauen – sind in vielerlei Hinsicht omnipräsent, in der Werbung, in Filmen, in saloppen Bemerkungen in Gesprächen aller Art. Dennoch rufen Brust und Brustwarze weiterhin Panik und Zensur, sowohl im realen wie auch im digitalen Umfeld, hervor. Auch ihre Form ist immer wieder eingehender Prüfung unterworfen, sei es als sexueller Fetisch, oder nach Maßgabe sich ständig wandelnder Schönheitsideale. Oft sind Brüste ein paradoxes Symbol sowohl jungfräulicher Mutterschaft als auch billiger Erotik. Auch die Wissenschaft hat eine Menge zur Beschaffenheit und den Eigenschaften von Brüsten zu sagen, so in der „Brustphysik” für Videospiele oder zu den Auswirkungen auf das Erbgut des Kindes, die das Stillen bewirken mag. Manchmal provoziert gerade die Abwesenheit der Brüste, etwa im brutalen Schicksal der heiligen Agatha oder in den erregten Debatten in queeren Diskursen über ihre operative Entfernung. Die Beispiele sind ebenso unerschöpflich wie die vielfältigen Darstellungen der Brust selbst, was diese zu einem sinnlich bestechenden und zugleich intellektuell fesselnden Thema macht.

 

Projekt unterstützt durch Italian Council (2023), Generaldirektion für zeitgenössische Kreativität, Italienisches Ministerium für Kultur

Monia Ben Hamouda, Gymnasium, 2020, Courtesy die Künstlerin und ChertLüdde, Berlin

Ausstellung

Charlie Prodger: The Offering Formula

1/12/202325/02/2024

Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

Friedrichstraße 12, 1010 Wien

Die Praxis der schottischen Künstlerin Charlie Prodger (geb. 1974) verbindet Bewegtbild, Fotografie, Skulptur und Zeichnung. Sie gewann 2018 den Turner Prize und vertrat Schottland 2019 auf der Biennale von Venedig. 2023–24 arbeitet sie als Fellow am Radcliffe Institute for Advanced Study der Harvard University.

 

Ganz allgemein kreist Prodgers Kunst um Geschichten – von der Schwere der geologischen Tiefenzeit bis hin zu variableren Formen wie Anekdoten und mündlichen Überlieferungen. Ihre Kunst erkundet die verwickelten Beziehungen zwischen Körper, Landschaft, Sprache, Technologie und Zeit im Prisma queerer Subjektivität.

 

Zwei Ausstellungsräume in The Offering Formula sind Fotografien, skulpturalen Wandarbeiten und einer neuen Serie akribisch ausgeführter Zeichnungen gewidmet, Stillleben, in denen Prodger ihr Interesse an Geologie im Verhältnis zu Zeit und Identität, Taxonomie, Variationen, mises en abyme und der Erotik der Fragmentierung vertieft. In über 30 Jahren Arbeit mit Reproduktionstechnologien hat die Künstlerin natürlich viele Formate eingesetzt, die dann vom Markt verschwanden, sodass die Datenmigration von einem Format zum nächsten sich in ihre Formensprache eingeschrieben hat. Prozesse der Musealisierung und Erhaltung, in denen Materialien und Zeit, Beständigkeit und Entropie in einem sich stets wandelnden / stetigen Gleichgewicht stehen, faszinieren sie.

 

Im dritten Raum zeigt Prodger erstmals alle Teile ihrer Filmtrilogie, Stoneymollan Trail (2015), BRIDGIT (2016) und SaF05 (2019), in der sie der linearen Geschichte und ihrem Fortschrittsimperativ eine Matrix möglicher, die Zeiten überdauernder queerer Beziehungen entgegensetzt. Der autobiografische Zyklus zeichnet die Zugehörigkeiten, Sehnsüchte und Verlusterfahrungen nach, die sich im Lauf der Jahre im Ich anreichern und es prägen.

 

Zur Ausstellung erscheint in der Publikationsreihe der Secession ein Buch mit einem Essay von Sarah Hayden, außerordentliche Professorin für Literatur und visuelle Kultur in London, die die Bedeutung der Stimme in Prodgers Videos eingehend diskutiert.

 

Beginnzeiten der Filme in der Ausstellung

 

Stoneymollan Trail, 2015 (43’) | BRIDGIT, 2016 (33’) | SaF05, 2019 (39’)

 

10.30 Stoneymollan Trail

11.15 BRIDGIT

11.55 SaF05

 

12.40 Stoneymollan Trail

13.25 BRIDGIT

14.05 SaF05

 

14.50 Stoneymollan Trail

15.35 BRIDGIT

16.15 SaF05

 

17.00 Stoneymollan Trail

Charlie Prodger, SaF05, 2019, video still, 39 min., Courtesy the artist, Hollybush Gardens, London and Kendall Koppe, Glasgow, © Charlie Prodger

Ausstellung

HARD/SOFT. Textil und Keramik in der zeitgenössischen Kunst

13/12/202320/05/2024

MAK – Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5, 1010 Wien

Während Textil mit Wärme und Flexibilität assoziiert wird, strahlt die aus weichem Ton oder Lehm geformte Keramik eine kühle Zerbrechlichkeit aus. Und doch zeichnen sich beide Medien durch eine erlebbare Formensprache aus, die zwischen hart, weich, sperrig und fließend changiert. Die Materialien, Formen und Bedeutungen der ausgewählten Objekte eröffnen ein breites Spektrum von Ambivalenzen, Unschärfen und Gleichzeitigkeiten.

Zu sehen sind Arbeiten von rund 40 österreichischen und internationalen Künstler*innen, die in ihrer künstlerischen Praxis auf handwerkliche Techniken wie Sticken, Knüpfen und Weben oder Formen, Kneten und Brennen zurückgreifen. Die Skulpturen, Installationen und malerischen Arbeiten, zu denen auch Stickbilder, Patchworks und Tapisserien zählen, zeigen vielfältige künstlerische Ansätze und Schnittstellen zwischen bildender und angewandter Kunst, Architektur, Musik und dem digitalen Raum. Sie eröffnen Einblicke in Produktionsweisen, Ateliers, Werkstätten und Prozesse der disziplinenübergreifenden Zusammenarbeit. Textil und Keramik vermitteln sich hier als kulturelle Träger von Gemeinschaften; sie sind in ökonomische und politische Systeme eingeschrieben. Neben Materialeigenschaften werden insbesondere feministische Anliegen, die Auseinandersetzung mit dem Körper, Fragen der kulturellen Aneignung sowie Geschlechterzuschreibungen zur Diskussion gestellt.

(c)Useful Art Services

Ausstellung

Einzelausstellung: KONSTANZE STOIBER

26/01/202427/04/2024

Domgasse 6 – Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder

Domgasse 6, 1010 Wien

Die Anfangssequenz von Ingmar Bergmans Film Fanny och Alexander von 1982 zeigt den im Spiel vertieften jungen Protagonisten Alexander. In der von Kerzenschein beleuchteten Szene verschiebt er, einer Inszenierung gleich, behutsam Figuren in seinem Spielzeugtheater und schafft unterschiedliche Perspektiven und Bezüge. Das Skript zu diesem Film, aufgelegt zum Durchblättern, findet sich in Konstanze Stoibers Ausstellung There Have To Be Bells und verweist damit auf eine ähnliche räumliche Situation, die die Künstlerin mit ihrer Präsentation in der Domgasse 6 erzeugt. In dem historischen, von barocker Architektur bestimmten Raum hat sie sorgfältig aktuelle Arbeiten sowie Leihgaben aus dem Wiener Stephansdom wie Bühnenversatzstücke platziert. In ihrer Anordnung und Bezugnahme zueinander verschränken sie Überlegungen zu christlich konnotierten Themen, die im zeitlichen und gesellschaftlichen Wandel grundlegende Veränderungen erfahren haben. Wie auch in Fanny och Alexander begegnen wir anachronistischen religiösen Bräuchen und kollektiven Gewohnheiten, die Konstanze Stoiber mit der Geschichte der Galerie und dem benachbarten Wiener Stephansdoms verknüpft.

Courtesy Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Foto: Markus Wörgötter

Ausstellung

Gruppenausstellung: STAY MOVING

13/02/202423/03/2024

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder

Grünangergasse 1, 1010 Wien

Gruppenausstellung mit Arbeiten von:

 

Herbert Brandl
Michał Budny
Helmut Federle
Sheila Hicks
Imi Knoebel
Sonia Leimer
Isa Melsheimer
Adrian Schiess

Courtesy Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Foto: Markus Wörgötter

Ausstellung

Prunk & Prägung: Die Kaiser und ihre Hofkünstler

13/02/202413/10/2024

KUNSTHISTORISCHES MUSEUM WIEN

Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien

Die Ausstellung rückt die Medaille als Kunstobjekt in den Fokus. Schauplatz dafür bilden die Kunstkammer und das Münzkabinett. Medaillen sind vor allem Sammlerstücke. Sie vermitteln politische Botschaften oder dienen als Auszeichnung für besondere Leistungen. Medaillen erinnern auch an eine Person oder einen besonderen Anlass, wie eine Heirat oder eine Thronbesteigung.

 

Über Jahrhunderte entstehen auch an den Höfen der Familie Habsburg Medaillen. Die Ausstellung zeigt Bildnisse wichtiger Familienmitglieder von 1500 bis zum Ende der Monarchie 1918. Sie führt an die Höfe in Madrid, Prag, Wien oder Innsbruck. Dort sind viele Medailleure tätig. Eine Anstellung als Hofkünstler bringt viele Vorteile und hohes Ansehen. Daher ist sie sehr begehrt.

 

70 Medaillen aus 400 Jahren stehen Werken aus Bildhauerei und Malerei gegenüber. Die Ausstellung Prunk & Prägung folgt Künstlern, die oft in mehreren Kunstformen arbeiten. Sie fertigen Medaillen an, sind aber auch Architekten, Maler, Bildhauer oder Goldschmiede. Die Ausstellung zeigt Medaillen zusammen mit anderen Werken derselben Künstler. Über die Jahrhunderte verändert sich die Arbeitsweise: In der Renaissance und im Barock machen die Künstler neben Medaillen auch Skulpturen, Gemälde oder Ahnliches. In späterer Zeit spezialisieren sie sich ganz auf Medaillen.

Im Vordergrund Büste Kaiser Karls V. von Leone Leoni, um 1555 (Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer); im Hintergrund Rückseite einer Medaille au

Ausstellung

GRZEGORZ SIEMBIDA: STORYTELLER

16/02/202415/03/2024

STRABAG Kunstforum

Donau-City-Straße 9, 1220 Wien

Ein Himmel voller Träume, ein schillernder Malereiraum gefüllt mit reger Leichtigkeit der Wolken, direkt aus dem Comic-Universum – das ist die momentane Malereiwelt von Grzegorz Siembida.

Bei den Gemälden aus seiner Serie „Storyteller“ handelt es sich um Leinwände, deren Bildsequenzen – hauptsächlich in „Rechtecken“ und Wolken angeordnet – auf die Beschaffenheit der Comic-Stories referieren. Siembida bedient sich ihrer Gliederungen, um ihre Erzählformen durch die Artikulation verschiedener Bildsprachen zu vitalisieren. Das aus Comics bekannte Verfahren mit Sprechblasen ist ein Bereich der Kreativität, in dem Siembida expressive gestische Abstraktion mit einem narrativen Element verbindet. Seine Comic-Paintings sind in formale Bestandteile zerlegt: In jeder Sequenz wird ein anderes Malproblem akzentuiert, und so gibt es in einer der markierten Stellen eine saubere Spritzspur mit kreisenden Handbewegungen, in einer anderen verdeckt eine Aquarelluntermalung eine dichte Zeichnung. Es finden sich aber auch Spritzspuren, die an hastige Kritzeleien erinnern, typisch für Street Art. In einer anderen Wolke sind die Farben wie auf einer Malpalette angereiht, auf der gerade nach der passenden Farbe gesucht wird.

Das Sujet von Grzegorz Siembida ist das Malen als Experiment an sich. Obwohl unausgesprochen, wird sein übliches Grübeln über eine kapitalistische Struktur durch eine Exkursion der Formen quer durch die Kunstgeschichte vermittelt. In der Abstraktion gepaart mit einem erfinderisch-humorvollen Elan der Comic-Ästhetik bringt sie eine auffällige Kunstsprache hervor. Sie bewegt und ermutigt uns, über die Grenzen der Kunst und die Möglichkeiten spontanen Ausdrucks nachzudenken.
Goschka Gawlik

Grzegorz Siembida, Gra w klasy, 2023, Foto: Szymon Sokołowski

Ausstellung

AUF DEN SCHULTERN VON RIESINNEN

9/03/20249/06/2024

Künstlerhaus Vereinigung

Karlsplatz 5, 1010 Wien

„Sobald Frauen ihre Geschichte entdecken und ihre Position in der Vergangenheit und der Entwicklung der Menschheit erkennen, verändert sich ihr Bewusstsein auf dramatische Weise. Diese Erfahrung lässt sie Grenzen überschreiten und wahrnehmen, was sie mit anderen Frauen gemeinsam haben und von jeher gemeinsam hatten. Das verändert ihr Selbstbewusstsein ebenso wie ihre Weltsicht.“

Diese Sätze formulierte die feministische Historikerin Gerda Lerner vor einem Vierteljahrhundert.* Seither ist in der Forschung viel passiert, arbeiten doch Geisteswissenschaften und Geschichtsforschung bereits lange die Verdienste von Künstlerinnen, Literatinnen, Musikerinnen, Choreografinnen, Regisseurinnen – überhaupt: kreativer Frauen – auf. Weibliches künstlerisches Schaffen früherer Generationen trat damit stärker in die Öffentlichkeit – ebenso wie die Hindernisse, die Künstlerinnen einst in noch viel stärkerem Ausmaß als heute in den Weg gelegt wurden. Im 21. Jahrhundert mangelt es Künstlerinnen jüngerer und mittlerer Generationen nicht mehr an Role Models.

Wie reflektieren sie heute weibliche Kreativität? Wie schreiben sie sich mit ihrer eigenen künstlerischen Arbeit in eine Genealogie von Künstlerinnen ein? Wie ist ihr Blick auf jene, die lange Zeit von der Geschichtsschreibung ignoriert, vergessen oder sogar aktiv aus der Erzählung verbannt wurden? Wie setzen sie sich ins Verhältnis zu ihren Vorfahrinnen und Vorkämpferinnen, zu jenen, die in der bildenden Kunst, aber auch in anderen künstlerischen Sparten tätig waren? Die Ausstellung AUF DEN SCHULTERN VON RIESINNEN soll Fragen wie diese beleuchten.

 

KÜNSTLERINNEN:
Katharina Aigner, Judith Augustinovič & Valerie Habsburg, Anahita Asadifar, Bettina Beranek, Carola Dertnig, Karin Fisslthaler, Anna Meyer, Christiana Perschon, Anna Reisenbichler, Isa Rosenberger, Constanze Ruhm, Stefanie Seibold, Huda Takriti, Viktoria Tremmel

(c)Bettina Beranek / Bildrecht

Ausstellung

Über Tourismus

21/03/20249/09/2024

Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1 im MuseumsQuartier (Eingang Volkstheater), 1070 Wien

Immer mehr Menschen reisen öfter, weiter und kürzer. Welche Auswirkungen haben unsere Urlaubswünsche auf die gebaute Umwelt, das soziale Gefüge und den Klimawandel? Und wie können wir einen Tourismus imaginieren, der nicht zerstört, wovon er lebt?

 

Seit Jahrzehnten erfährt der Tourismus eine kontinuierliche Intensivierung und ist zu einem integralen Bestandteil unseres westlichen Lebensstils geworden. Er hat Wertschöpfung, Wohlstand und Weltoffenheit auch in die entlegensten Gegenden gebracht und so Abwanderung verhindert. Das ist die Sonnenseite des Tourismus. Auf der Schattenseite stehen negative Effekte wie Menschenmassen, grobe Umwelteingriffe und steigende Bodenpreise.

 

Touristische Hotspots leiden unter dem Ansturm der Besucher*innen, während andere Orte abgehängt werden. Gemeinden sind zwiegespalten: Einerseits profitieren sie vom Tourismus, andererseits nehmen sie immer stärker unerwünschte Nebenwirkungen wahr. Und bedenkt man, dass der Tourismus mehr als andere Wirtschaftssektoren vom Klima abhängt, ist es erstaunlich, dass der Klimawandel ausgerechnet hier oft noch ein Randthema ist. Anhand von anschaulichen Illustrationen, Beispielen und Datenmaterial zeigt die Ausstellung u. a. das Zusammenspiel von Tourismus und Wirtschaftswachstum, steigenden CO2-Emissionen oder der Verdrängung der lokalen Bevölkerung durch ausufernde Wohn- und Lebenshaltungskosten – auch seit touristische Unterkünfte vermehrt zu Anlageobjekten werden.

 

Wie können wir Tourismus in Zeiten von Klimakrise, Kriegen, drohenden weiteren Pandemien, Fachkräftemangel und einer anhaltenden Energiekrise neu denken und in nachhaltigere Bahnen lenken? Welche Rolle spielen dabei Raumplanung und Architektur? Die Ausstellung beleuchtet zentrale Aspekte des Tourismus wie Mobilität, Städtetourismus, Wechselwirkungen mit der Landwirtschaft, Klimawandel, die Privatisierung von Naturschönheit bis zum Wandel der Beherbergungstypologien und geht der Frage nach, ob und wie Tourismusentwicklung geplant wird. Vor allem aber sucht die Ausstellung nach Transformationspotential. Viele Reisende sehen sich selbst ungern als Teil des Phänomens Massentourismus, und Zweifel an der Klimaverträglichkeit unseres Reiseverhaltens werden immer lauter.

 

Eine Vielzahl von Initiativen sind in letzter Zeit entstanden, die einen anderen Umgang mit der Natur, der lokalen Bevölkerung, dem Klima, Städten und Dörfern oder der Mobilität pflegen. Lokale und internationale Beispiele präsentieren wegweisende Lösungsansätze. Planungskonzepte unterschiedlicher Länder laden zu einem strategischen Vergleich. Zahlreiche gelungene Beispiele machen Lust auf eine Art des Urlaubens, die nicht mehr ausschließlich dem Konsum sowie dem Wachstumsparadigma folgt. Im Zentrum bleibt die Frage: Wie können wir einen Tourismus imaginieren, der nicht mehr das zerstört, wovon er lebt?

© Foto: Luisen Rodrigo_flickr_(CC BY 2.0)

Ausstellung

Avant-Garde and Liberation: ZEITGENÖSSISCHE KUNST UND DEKOLONIALE MODERNE

7/06/202422/09/2024

mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1,1070 Wien

Sie stellt Fragen nach den politischen Umständen, die zeitgenössische Künstler*innen zum Rückgriff auf jene außereuropäischen Avantgarden bewegen, die sich in den 1920er- bis 1970er Jahren gegenüber der dominanten westlichen Moderne formiert haben. Welche Potenziale sehen Künstler*innen in der Anknüpfung an dekoloniale Avantgarden in Afrika, Asien und im Raum des „Black Atlantic“, um gegen aktuelle Formen von Rassismus, Fundamentalismus oder Neokolonialismus aufzutreten? Und welche künstlerischen Verfahren kommen zum Einsatz, wenn Bedrohungen der persönlichen Freiheit und des sozialen Zusammenhalts mit Rückgriff auf wegweisende antikoloniale und antirassistische Positionen des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts thematisiert werden?
Mit zahlreichen Werken von ca. fünfundzwanzig Künstler*innen aus Südasien, Afrika, Europa und Amerika öffnet Avant-Garde and Liberation einen Blick auf globale Modernismen durch das Prisma ihrer Brisanz für die Kunst der Gegenwart. Die Ausstellung reflektiert in der komplexen Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit über Fragen der Zeitlichkeit sowie über Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit alten und neuen Befreiungsbewegungen.

Atul Dodiya, Volunteers at the Congress House—August 1931, Courtesy of the artist and Chemould Prescott Road © Anil Rane

Welcome to Vienna Art Week 2024

Install
×