Im Januar 1945 trafen sich der Künstler-Architekt Friedrich Kiesler (1890– 1965) und der Fotograf Percy Rainford (1901 – 1976) mit dem Künstler Marcel Duchamp (1887 – 1968) in dessen New Yorker Atelier, um Aufnahmen des Raums sowie Portraits für eine Fotocollage anzufertigen. Rainford nahm nach Kieslers und Duchamps Anleitung den Atelierraum aus ungewöhnlichen Kamerawinkeln auf. Kiesler montierte diese Bilder in weiterer Folge zu einem ausfaltbaren Fototriptychon – Les Larves d’Imagie d’Henri Robert Marcel Duchamp – für das Kunstmagazin View (Nr. 1, März 1945), das Marcel Duchamp gewidmet war.
Die Originalabzüge befinden sich heute im Archiv der Friedrich Kiesler Stiftung und bilden den Ausgangspunkt für Gregor Schmolls neue Arbeit Puparium: Atelier/Studio. Schmoll paraphrasiert darin die fotografische Dokumentation wie auch die Fotodokumente selbst zwischen objektiver Nüchternheit und hymnischer Verklärung. Durch das spielerische Reenactment dekonstruiert er die Annahme, dass Fotografie die „Wirklichkeit“ abbildgetreu festhält und entlarvt die „Legendenbildung“ bzw. Konstruktion des Atelierraums als geheimnisumwitterten Ort künstlerischen Schaffens.
Gregor Schmoll (*1970 in Bruck an der Mur/Österreich) lebt und arbeitet in Wien.
Eröffnungsveranstaltung: Donnerstag, 15. Juni 2023, 18 Uhr
Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung
Die Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung wurde 1997 mit dem Erwerb des Nachlasses von Friedrich Kiesler (1890–1965) durch die Republik Österreich und die Stadt Wien mit der Hilfe zahlreicher privater Stifter:innen gegründet. Ihre Aufgabe ist es, das Erbe des austro-amerikanischen Architekten zu erforschen und der aktuellen Architektur- und Kunstproduktion einzuschreiben.
GREGOR SCHMOLL: Puparium: Atelier/Studio
16 Jun 2023 - 20 Oct 2023
Mariahilfer Straße 1b/1, 1070 Wien, Österreich
Gregor Schmoll, Puparium: Atelier/Studio, Inv.Nr.: PHO_5758/0-2020, 2020, Silbergelatineabzug, 25.3 x 20.4 cm © Gregor Schmoll / Bildrecht, Wien 2023