kommende Ausstellung ab Freitag, 3. Dezember 2021 – zu sehen IRL nach Österreichs Lockdown #4 Die Malerei von Wassef Boutros-Ghali verwendet eine luxuriöse Farbpalette, in der warme, ockerfarbene oder rot modulierte Kolorierungen genauso eingesetzt werden wie klirrendkalte Blaufärbungen. Er läßt Primärfarben auf seinen Leinwänden mit Komplementärfarben kollidieren, um Raum und Tiefe zu erzeugen und damit die in unendlicher Weite sich verlierende Topographie der mesopotamischen Wüstenlandschaften zu evozieren. Eine allzu starke Fokussierung auf Gegenständliches scheint es allerdings nicht zu sein: Boutros-Ghali’s Bilder wirken eher wie zwischen Abstraktion und Figuration oszillierende Hitzespiegelungen, in denen erkennbare Landschaften und geometrische Abstraktion faszinierende Allianzen eingehen. „Mein Ziel ist einfach, ein ästhetisches visuelles Equilibrium von geometrischen Formen und Farben zu erreichen“, sagt der Künstler selbst. Man kann die Kunst des 1924 in Kairo geborenen – und dort auch lebenden – Weltbürgers nicht einordnen, ohne seine Familiengeschichte mitzureflektieren: Die Politikerdynastie Boutros-Ghali ist seit vielen Jahrzehnten Mitgestalterin der ägyptischen wie auch der internationalen Politik: Sein Großvater Boutros Ghali Pasha war Premierminister, sein Bruder Boutros Generalsekretär der Vereinten Nationen. Wassef, der in europäischen Eliteninstitutionen ausgebildet wurde und auch lange in den USA lebte, entschied sich für eine künstlerische Karriere, in der er sowohl als Maler wie auch als Architekt exzellierte. Sein Vorbild in Bezug auf modernistische Konsequenz war Le Corbusier, aus seiner Malerei lassen sich auch Ähnlichkeiten zur formalen Abstraktion von Josef Albers oder Ellsworth Kelly herauslesen. Doch greifen solch vermeintliche Analogien zu kurz. In Wassef Boutros-Ghali’s Malerei spielt noch eine Tradition mit, die man als levantinische Abstraktion bezeichnen könnte und die man auch bei Salida Douaihy und Etel Adnan findet. Eine Tradition, die in einer Epoche der gesellschaftspolitischen Verwerfungen und der kriegerischen Auseinandersetzungen, das postkoloniale Subjekt als abstraktes konzipiert und die biographische Erfahrung des Kolonialismus als einer der radikalsten und unmenschlichsten Formen der Herrschaft in den künstlerischen Prozess einbezieht. So erscheint es viel ergiebiger, die Traumlandschaften und Farbfeldspiele von Wassef Boutros-Ghali nicht als Kopie, Übersetzung oder Verzerrung der euroamerikanischen Avantgarde zu begreifen, sondern als eine ´alternative Moderne`, die sein ganzes Leben bestimmt hat und an deren ästhetischer Durchleuchtung er konsequent bis heute arbeitet – ganz egal, in welcher Weltregion er gerade lebt und tätig ist. „Man muss nur an die willkürlichen Grenzen denken,“ schreibt der Kurator Kaleem Hawa, „mit denen die imperialistischen Mächte ‚den Orient‘ definiert haben, um zu verstehen, warum Struktur für einen arabischen Künstler so wichtig ist.“ (zit. Thomas Miessgang, 2021)
ART SPACE

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Christine König Galerie

Christine König Galerie wurde 1989 in Wien gegründet. Die Galerie repräsentiert eine Vielzahl internationaler, etablierter Künstler und arbeitet gleichzeitig mit einer dezidiert jüngeren, aufstrebenden Generation. Das Programm der Galerie und die Auswahl der Künstler orientiert sich stark an Themen, die für Christine König relevant sind: Politik und Aktivismus, Feminismus, Literatur, aber auch postkonzeptuelle Ansätze.

Wassef Boutros-Ghali | LEVANTE

3 Dec 2021 - 29 Jan 2022

WASSEF BOUTROS - GHALI, Untitled, 2015, Acryl auf Leinwand, 38 x 38 inches | 96.5 x 96.5 cm

Wassef Boutros-Ghali | LEVANTE

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