VIENNA ART WEEK 2025

Das war die VIENNA ART WEEK 2025

Mit der 21. Ausgabe der VIENNA ART WEEK, die am 14. November zu Ende gegangen ist, liegt eine intensive und inspirierende Festivalwoche hinter uns.

Geführter Rundgang durch PART, International Art Residency Austria des Bundesministeriums für Kunst und Kultur (BMWKMS) © eSeL.at - Robert Puteanu

Gemeinsam mit rund 70 Partner:innen konnten wir während der Festivalwoche rund 115 spannende, für die Besucher:innen kostenfreie Programmpunkte anbieten, darunter auch die beliebte inklusive Programmschiene VIENNA ART WEEK für alle mit Programmpunkten für Menschen mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen. Unser diesjähriges Motto Learning Systems eröffnete dabei viel Raum für spannende Herangehensweisen und Perspektiven – gemeinsam haben wir Systeme und Lernprozesse in und um uns genauer unter die Lupe genommen.

Eröffnung "House of Learning Systems" © eSeL.at - Joanna Pianka

Viele unserer Vereinsmitglieder griffen das Motto in ihrer Programmgestaltung auf. So konnte man beispielsweise bei der Führung für Erwachsene „Wie geht Museum?“ in der Heidi Horten Collection einen Blick in den Museumsbetrieb werfen, unter dem Motto „Sammellust und Ordnungswahn“ eine Führung durch die Wiener Kunstkammer des KHM genießen, in der Angewandten einer offenen Klasse zwischzeitlich in das Lernsystem einer Kunstuniversität eintauchen oder in einem Rundgang des Dom Museums Wien mit Künstlerin Iris Andraschek unter dem Titel „Erforschen, Erzählen, Erhalten“ einen Bogen von historischen Ereignissen im Stephansdom bis hin zu zeitgenössischer Kunst schlagen.

„Angewandte Einblicke“: die Klasse Jan Svenungsson – Zeichnung und Druckgrafik © eSeL.at - Robert Puteanu

Inhaltlich eng am Motto angelegt war auch die von uns gemeinsam mit dem PARNASS Kunstmagazin veranstaltete Podiumsdiskussion vor vollem Haus im Dorotheum zum internationalen Kunstmarkt und der Kunstwelt als System im ständigen Wandel.

Den Auftakt bildete eine Keynote von Staatssekretär Sepp Schellhorn, der über die Bedeutung von Kunst und Kulturdiplomatie im internationalen Politikgefüge reflektierte. In Folge diskutierten STRABAG ART-Leiter Sebastian Haselsteiner,  Sammler Timo Miettinen, Künstlerin Eva Schlegel, Kunsttrans-CEO Birgit Vikas unter der Moderation von PARNASS-Chefredakteurin Silvie Aigner über die aktuellen Trends und die Wert- und Wissenssysteme, die den globalen Kunstmarkt heute prägen, sowie die Frage, was die Kunstwelt aus ihren eigenen institutionellen Mechanismen lernen kann – und was sie verlernen sollte.

Podiumsdiskussion "Learning Systems" im Dorotheum © eSeL.at - Lorenz Seidler

Auch die freie Szene, die über einen Open Call Programmvorschläge eingereicht hatte, knüpfte an das Motto Learning Systems an. So gab beispielsweise die Performance „How to Make It As An Artist In 50 Minutes (akademische Viertelstunde inklusive)“ von Nina Bauer & Lisa Großkopf einen augenzwinkernden, aber kritischen Einblick in die Mechanismen des „Systems Kunstmarkt“ und machte den dort herrschenden Druck auf Kunstschaffende sichtbar. LumenX – offenes Fotolabor widmete seine Ausstellung ‚Learning Systems Unlearned‘ der kreativen Subversion in der Fotografie und das Queer Museum Vienna hinterfragte etablierte Routinen und professionelle Normen im System „Museum“ und beleuchtete so kritisch die dominanten Logiken des Ausstellungsmachens im Wiener Kulturbetrieb.

Lisa Großkopf & Nina Bauer "How to Make It As An Artist In 50 Minutes" © eSeL.at - Lorenz Seidler

In Zusammenarbeit mit externen Programmpartner:innen konnten wir auch dieses Jahr wieder vielschichtige Programmpunkte an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft, Technologie oder auch Religion anbieten. So präsentierte etwa das Jüdische Museum Wien die Performance „Mizrachi Futurism: Situated Systems“ von Sheri Avraham, die verflochtene Prozesse von Identitätsbildung und Zugehörigkeit aus einer mizrachischen, queeren Perspektive untersuchte. Die TU Wien Bibliothek eröffnete die Ausstellung „Weltverständnis?“ von Olaf Osten, der den Umgang mit technologischen Errungenschaften, die Ethik von Wissenschaft und KI sowie unser Verhältnis zur Natur im Anthropozän künstlerisch hinterfragt. Auch das Naturhistorische Museum war mit der Performance „Mineral As Musical Note“ von Camila Sposati vertreten, die sich musikalisch mit der Mineraliensammlung des Hauses auseinandersetzte, welche zu den größten und historisch bedeutendsten der Welt zählt.

Camila Sposati "Mineral as a Musical Note" © eSeL.at - Lorenz Seidler

Ein besonderes Highlight war in diesem Jahr unsere große Ausstellung House of Learning Systems im ehemaligen ORF-Funkhaus, die letztlich mit mehr als 90 Arbeiten von über 30 Künstler:innen aus 14 Ländern umfangreicher ausfiel als ursprünglich geplant. Aber wenn die VIENNA ART WEEK sechs Stockwerke bespielen kann, dann tut sie das auch.

Nach einer intensiven Aufbauphase eröffneten wir am Abend des 7. November mit Live-Performances, großartigen DJs und einem vollen Haus. In der darauffolgenden Ausstellungswoche durften wir über 3.000 Besucher:innen begrüßen, über die Woche hinweg fanden zudem zahlreiche Führungen statt. Ein besonderer Moment war die Kurator:innenführung am Sonntag, bei der Robert Punkenhofer und Co-Kuratorin İsin Önol im Gespräch mit vielen der Künstler:innen durch das gesamte Haus führten – und die letzten Teilnehmenden die Tour erst nach über drei Stunden voller Fragen und Gespräche verließen.

Eröffnung "House of Learning Systems" © eSeL.at - Joanna Pianka

Am Eröffnungswochenende fanden auch unsere beliebten Open Studio Days statt: Insgesamt 50 von unserer internationalen Fachjury ausgewählte Künstler:innen öffneten ihre Ateliers für Besucher:innen, boten Einblick in ihre künstlerische Praxis und standen für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Acht geführte Touren führten durch mehr als 25 Ateliers in unterschiedlichen Bezirken, ergänzt durch zwei barrierefreie Touren sowie vier Gallery Tours durch unsere Partnergalerien.

Gerald Straub & Matthias Meinharter bei den Open Studio Days 2025 © eSeL.at - Joanna Pianka

Wie in den Jahren zuvor konnten wir auch heuer im Rahmen unserer Kooperation mit der Superbude wieder eine Künstlerin zur VIENNA ART WEEK Residency einladen und durften dabei mit der kurdischen Künstlerin Fatoş İrwen zusammenarbeiten.

 

İrwen, geboren und aufgewachsen im historischen Stadtteil Sûr in Diyarbakır, verbindet künstlerische Praxis und Aktivismus. Trotz ihrer politischen Inhaftierung von 2017 bis 2020 in Diyarbakır führte sie ihre künstlerische Arbeit fort. Ihre Werke thematisieren Erinnerung, Körper und Raum sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Gewalt auf das individuelle Erleben.

© Fatoş İrwen

Und natürlich gab es noch vieles mehr zu entdecken und zu erleben – unser gesamtes Programm kann hier online nachgelesen werden.

 

Auch das Medienecho der VIENNA ART WEEK 2025 war groß: hier geht es zum Pressespiegel. Neben zahlreichen Beiträgen im heimischen Fernsehen, in Radio und Presse erschienen unter anderem auch Beiträge in internationalen Publikationen wie dem Kunstforum International oder Art in America.

 

Die starke Resonanz auf zahlreiche Programmpunkte – viele Veranstaltungen waren gut besucht oder bereits im Vorfeld ausgebucht – sowie das kontinuierliche Wachstum unserer digitalen Community mit mittlerweile rund 38.600 Abonnent:innen und Follower:innen unterstreichen das große Interesse an zeitgenössischer Kunst und ihren vielfältigen Diskursen.

Diese Energie, die vielen Begegnungen und der intensive Austausch während der Festivalwoche begleiten uns über das Jahr hinaus. Sie bestärken uns darin, auch im kommenden Jahr wieder ein vielschichtiges, offenes und qualitativ hochwertiges Programm zu entwickeln und neue Räume für Kunst, Lernen und Austausch zu schaffen.