Andy Hope 1930

The Exit Door Leads In

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courtesy by Gabriele Senn Galerie

Date and time

16/10/202113/11/2021

Die in dieser Schau erstmals in einer Gruppe gezeigten neun Malereien des Künstlers Andy Hope aus den Jahren 2016-2021 stehen miteinander in enger Verbindung über ein System archaisch-antiker, abstrakt-technoider Zeichen und Bezugnahmen auf die russische Avantgarde.
Gemeinsam bilden sie eine Erzählung über eine Kunst, die Teil eines spekulativen Wertschöpfungsprozesses geworden ist und sich mit ihren eigenen Mitteln gegen die Bedrohung der Entwertung zu wehren weiß.

Wir sehen neun Gemälde in drei Motivgruppen:
a) vier Schafsbilder (A square´s dream I und II, Esoteric Grandioso, Fractale flames)
b) vier abstrakte Gemälde der Subprime-Serie (Subprime I, II, V und VI)
c) eine Roboterdarstellung Empathy x3

„Rabota“ meint im russischen Wortsinn Arbeit. Mechanische Roboter verkörpern den Traum vom stets dienstbaren Arbeitssklaven. Andy Hope verleiht seinem in schwarz und weiß gehaltenen Empathy x3 durch Kugeln froschartigen Züge, was an das Filmungeheuer „Swamp Thing“ erinnern mag, doch eine Kurve in der unteren Bildhälfte prägt dem Roboter das Zeichen einer Schürze ein. Hope rekurriert – wie oft in seiner Karriere – auf seinen historischen Counterpart, den russischen Maler Kasimir Malevitch, in dessen Frühwerk vielfach russische Bäuerinnen auftauchten, bis er sie dann schließlich in der Abstraktion auflöste. Als Malevitch 1915 das berühmte „Rote Quadrat“ schuf, wurde die russische Bäuerin – und mit ihr die Idee der Arbeit – nur noch zum Wortzeichen, das in der Flut des roten Farbauftrags unterging.
Andy Hopes Roboter Empathy x3 aber, mit den folkloristischen, geometrischen Attributen, scheint ein seltsam freundliches Wesen mit vollem Dekolleté zu sein. Aber ist die Empathie nur aufgemalt, nur Zeichen? Besteht das Wesen aus der Summe seiner Teile  – aus Referenzen, Gesten, Farben und Materialien – oder ist es mehr als das? Der Autor Philip K. Dick formulierte diese Frage ganz poetisch im Titel seiner berühmten Kurzgeschichte von 1968: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Andy Hope antwortet darauf indem er das mythologisch höchst aufgeladene Schaf in seine malerische Untersuchung aufnimmt. Er stellt auf dem Bild Esoteric Grandioso einen orangen Kreis in ein leuchtend rotes Quadrat. Im Kreis das Schaf, das über Jahrtausende durch seine Wolle und sein Fleisch den Reichtum oder die Armut eines Menschen anzeigen konnte, und auch nach dem Ende der Stammesgesellschaften ein wichtiges Kulturtier blieb, das für die Herausbildung der Ästhetik ausschlaggebend war. Indem es die Wildnis kahlfraß, ermöglichte es den Blick auf das, was man Landschaft (oder Wirtschaft) nennt.
Andy Hope zeichnet seinen Schafen nun Landschaften der Gegenwart ein.
Tattoohaft, tribalistisch, als wären sie eingeritzt, erinnern die Zeichen an Schaltkreise, Platinen, oder sind es Level früher Computerspiele, gar tiefe Keller?
In diese Zeichen kann geblickt werden als lebten wir noch in der Antike, als sich die Menschen ihre Zukunft aus Schafseingeweiden lesen ließen.

Damit kommen wir zur dritten Bildgruppe, zu Andy Hopes´ Subprime-Serie, die er auch im Jargon des Börsenlexikons als CDO´s bezeichnet (nach collateralized debt obligations), und damit Visualisierungen zu Finanzprodukten der zeitgenössischen Wahrsage- und Vorhersageindustrie mit ihren Kursen liefert.
Subprimes sind Kredite für Kunden mit eingeschränkter Bonität, und die Vergabepraxis in den USA löste in ihrer mathematischen Implausibilität eine weltweite Finanzkrise aus (die Subprime-Krise von 2008/09).
Andy Hope antwortet auf das Wirrspiel der Finanzwirtschaft mit einer verblüffend einfachen Blockform, deren Flucht bzw. Kurve oder Schatten geradezu tröstend aufzeigt, dass die letzte Krise weit im Hintergrund liegt, schwarz wie das Vergessen, braun wie Sand, grau wie Staub. Doch vorne türmt sich die Gegenwart. Der nächste weltweite Kreditausfall? Jedes Bild dieser Serie beurteilt die Lage anders, doch jedes wirkt in seiner Geschlossenheit bedrohlich. Steht der nächste Kollaps bevor? Das Bild Subprime VI ermöglicht sogar einen Blick auf Details, als wäre dies das Muster auf einer aufgefundenen Scherbe.

Andy Hope zeigt mit dieser Schau von neun Gemälden, wie seine Malerei dem Druck der Zeichen, ihrer Bedeutungen und Entwertungen, standhält, und dass sogar Orientierung im Labyrinth möglich ist. Solange ein Quadrat von einem Schaf träumen kann, ist irgendwo ein Ausgang.

– Sarah Khan

LOCATION

Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien

http://galeriesenn.at

+43 1 585 25 80

office@galeriesenn.at

Gabriele Senn Galerie

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