NAVIGATING ANGST: Welche Rolle können Museen und Kunstinstitutionen heute spielen? – Teil 3
Hinter der VIENNA ART WEEK steht der Trägerverein Art Cluster Vienna, in dem Wiens führende Kunstinstitutionen vertreten sind. Wir haben unsere Mitglieder gefragt: Was verbinden sie mit dem diesjährigen Motto „Navigating Angst“? Hier sind ihre Antworten.
Rektor
Akademie der bildenden Künste Wien
Foto: © Philipp Horak
„Die Angst ist“, so Kierkegaard, „der Schwindel der Freiheit“.
Er lässt sich dem modernen Menschen nicht nehmen. Die Herausforderung mit einer unbestimmten Zukunft umzugehen und die Zumutung, das eigene Leben selbstbestimmt zu leben, sind Teil der condition moderne.
Die Moderne hat unendliche Möglichkeiten aufgetürmt und Reichtum geschaffen, zugleich sind die großen gesellschaftlichen Fragen, die konkrete Ängste begründen, ungelöst.
Die Kunst weiß das Beides – so navigiert sie die Dialektik der Moderne.
Geschäftsführer
DOROTHEUM
© Raimo Rumpler / Dorotheum
Angst erweist sich nicht ausschließlich als Defizit oder Bedrohung, sondern auch als produktive Kraft, die Reflexion, Sensibilität und neue Perspektiven ermöglicht.
Um sich allerdings nicht von ihr lähmen und beherrschen zu lassen, gilt die Beschäftigung mit Kunst als eine der Gegenstrategien.
Kunst bietet Orientierung jenseits der eindeutigen Antworten, schafft Distanz im besten Sinne, um Ängste zu erkennen, zu bannen oder zu überwinden.
Direktorin
Heidi Horten Collection
Foto: Klaus Pichler
Angst wird meist als etwas Negatives wahrgenommen, sie kann jedoch auch eine produktive Kraft sein: Sie schärft unsere Aufmerksamkeit und lenkt den Blick auf Fragen, die Beachtung verlangen.
In der Auseinandersetzung mit diesem starken Gefühl haben Künstlerinnen und Künstler immer wieder herausragende und tiefgründige Werke geschaffen.
Die Heidi Horten Collection versteht sich als Ort der Erfahrung, Erkenntnis, Reflexion und Begegnung. Wissen, Dialog und das gemeinsame Erleben von Kunst schaffen Verbundenheit und Vertrauen – Qualitäten, die auch helfen können, mit Angst umzugehen.
Direktorin
KunstHausWien
© KunstHausWien, Foto: Sabine Hauswirth
Wälder ohne Vogelstimmen. Flüsse ohne Wasser. Ernten, die verdorren. Die ökologische Krise macht vielen Menschen Angst.
Kunst rettet die Welt nicht – sie bietet Orientierung, wenn Gewissheiten ins Wanken geraten. Sie eröffnet Räume für neue Vorstellungen von Zukunft und begreift Hoffnung als kulturelle Gestaltungskraft.
Navigating Angst bedeutet für das KunstHausWien, den Blick auf Mögliches zu richten – auf jenes Potenzial für Wachstum und Erneuerung, das im Zentrum unserer Ausstellung Seeds steht.
Generaldirektorin
mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
Foto: Niko Havranek / mumok
Eine Ausstellung birgt eine Vielzahl von Facetten, von denen einige fesselnder sind als andere.
Sie bietet Momente der Schönheit, der Unzufriedenheit und der Ambivalenz. Spannungen und Widersprüche werden zu einem wesentlichen Bestandteil des Erlebnisses selbst.
Museen können Umgebungen schaffen, die zur Begegnung mit dem Unbekannten einladen und uns dazu ermutigen, Komplexität und Ungewissheit anzunehmen und dabei offen und neugierig zu bleiben.
Direktor
WIENER AKTIONISMUS MUSEUM
Der Wiener Aktionismus stellt eine der radikalsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts dar. Seine Radikalität wurzelt u.a. in der intensiven Beschäftigung seiner Protagonisten mit den sozialen und existenziellen Ängsten des Nachkriegsösterreich.
Über die Verletzungs-, Verstümmelungs- und Kastrationsangst verhandelten die vier Aktionisten – Günter Brus, Otto Muehl, Hermann Nitsch, und Rudolf Schwarzkogler – Tiefängste wie die Verlust- und Todesangst.
Das WIENER AKTIONISMUS MUSEUM überführt dieses künstlerische Unterfangen in die Gegenwart und fragt nach dem Potenzial der damaligen Aktionen für den Umgang mit den Ängsten von Heute.




