VIENNA ART WEEK 2026

NAVIGATING ANGST: Welche Rolle können Museen und Kunstinstitutionen heute spielen? – Teil 1

Hinter der VIENNA ART WEEK steht der Trägerverein Art Cluster Vienna, in dem Wiens führende Kunstinstitutionen vertreten sind. Wir haben unsere Mitglieder gefragt: Was verbinden sie mit dem diesjährigen Motto „Navigating Angst“? Hier sind ihre Antworten.

Foto: Marlene Fröhlich, marlene.at

Krieg, Klimawandel, Energiekrise – allgegenwärtige Realitäten, die Angst vor dem existenziell Bedrohlichen, dem Unkontrollierbaren auslösen.

Kunst ist die Antwort des Menschen auf diese Unsicherheit; eine Möglichkeit, Angst zu reflektieren und zu überwinden.

Das Dom Museum Wien bietet einen Ort für diese Verhandlungen: als gesellschaftspolitische Plattform und persönlicher Reflexionsraum. Vom Domschatz bis zur zeitgenössischen Sammlung gilt ganz im Sinne Otto Mauers: „Kunst verändert den Menschen, sie verändert das Leben.“

 

 

© KHM

Angst frisst die Seele auf. Das ist keine bloße Redewendung, keine Metapher. Angst verzehrt Teile von uns — manchmal in kleinen Bissen, manchmal in großen. Angst macht uns klein, vermindert unsere Fähigkeiten.

Aber Kunst nährt unseren Geist. Zum einen, weil die Auseinandersetzung mit Schönheit und mit Kunst einen nachweislich positiven Effekt hat: Es gibt Länder, in denen ein Museumsbesuch als Medizin verschrieben wird. Aber auch, weil Künstlerinnen und Künstler — die Alten Meister ebenso wie die heute Schaffenden — sich stets mit den zentralen Fragen des menschlichen Daseins auseinandergesetzt haben: und mit der Überwindung der Angst, um überhaupt schaffen zu können.

 

 

© Sabine Hauswirth/MAK

„Habt Angst!“ war bei Christoph Schlingensiefs Church of Fear keine Provokation um ihrer selbst willen, sondern der Versuch, Angst ihrer politischen und medialen Verwertung zu entziehen.

Wer die eigene Angst erkennt und ausspricht, schützt sich vor Manipulation.

Foto: Niko Havranek / mumok

Eine Ausstellung birgt eine Vielzahl von Facetten, von denen einige fesselnder sind als andere. Sie bietet Momente der Schönheit, der Unzufriedenheit und der Ambivalenz. Spannungen und Widersprüche werden zu einem wesentlichen Bestandteil des Erlebnisses selbst. Museen können Umgebungen schaffen, die zur Begegnung mit dem Unbekannten einladen und uns dazu ermutigen, Komplexität und Ungewissheit anzunehmen und dabei offen und neugierig zu bleiben.

 

 

MuseumsQuartier / Leo Kandl

Seit 25 Jahren versteht sich das MuseumsQuartier als Ort, an dem Kunst Orientierung ermöglicht, nicht durch einfache Antworten, sondern durch die Auseinandersetzung mit den komplexen Fragen unserer Zeit.

Als Ausdruck eines demokratischen Kulturverständnisses, das Vielfalt und Teilhabe in den Mittelpunkt stellt, eröffnet das MQ Räume für Austausch und Reflexion.

Hier werden gesellschaftliche Herausforderungen verhandelt, Zusammenhänge neu gedacht und sichtbar gemacht, welchen Beitrag Kunst und Kultur für ein zukunftsfähiges Miteinander leisten kann.

Der Vorstand der Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession (von links nach rechts): Sophie Thun, Wilfried Kühn, Michael Part, Barbara Kapusta, Jun Yang, Axel Stockburger, Ramesch Daha, Lisl Ponger, Ulrike Müller, Nick Oberthaler, Judith Fegerl, Philipp Fleischmann, Anne Witt. Foto: Natascha Unkart / Secession

Angst ist längst zu einem politischen Instrument geworden. Sie erzeugt vereinfachte Feindbilder, bestimmt öffentliche Debatten und verfestigt Machtverhältnisse.

Kunst widersetzt sich dieser Vereinfachung. Sie zeigt Mehrdeutigkeit und macht Widersprüche sichtbar. Sie eröffnet Räume, in denen neue Formen des Wahrnehmens und Zusammenlebens denkbar werden.

Gerade angesichts komplexer Lebensrealitäten und globaler Herausforderungen sehen wir es als unsere Aufgabe, eben solche kultur- und gesellschaftspolitischen Themen in unserem Programm zu verhandeln.