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MEET THE ARTIST

Thomas Gänszler

Extra info

Den Studio Visit bei Thomas Gänszler gibt es zum Nachsehen! Der Link dazu ist am Textende des Interviews zu finden.

Wir besuchen Thomas Gänszler, der bei Erwin Wurm studiert hat, in seinem Wiener Atelier in einem Hinterhaus. Der Künstler arbeitet häufig mit Halbfabrikaten, die er überarbeitet, fragmentiert oder neu komponiert.

Thomas Gänszler versteht Funktion und Skulptur als miteinander kommunizierende Gefäße, indem der funktionale Aspekt durch Fragmentierung reduziert wird, steigt der skulpturale Wert eines Objekts.

Thomas, erzähle uns bitte, was typisch ist für deine Arbeitsweise.
Ich denke, dass sich die Arbeitsprozesse von Künstlern oft sehr ähneln, aber grundsätzlich nimmt meine Arbeit in ihrer Oberfläche sowohl auf die Kunstgeschichte bzw. sogenannte Hochkultur, als auch auf Triviales bzw. Populärkultur und Alltagsästhetik Bezug. Irgendwie scheint sie bekannt, es sind keine komplett neuen Oberflächen, das Material hat eine gewisse Tradition, es erinnert an etwas und schafft somit Bezüge.
Im Prozess selbst arbeite ich sehr viel mit Neuen Medien, die aber im Endergebnis nicht mehr vordergründig sichtbar sind. Grundsätzlich habe ich für mich festgestellt, dass seit es Suchmaschinen gibt – seit Google und Ähnlichem – das intuitive Arbeiten anders funktioniert.
Wenn man drei Begriffe in die Google-Bildersuche eingibt, werden diese Begriffe irgendwie verknüpft und man bekommt ein Bild raus. Dieses Aufeinanderprallen von Begriffen interessiert mich sehr.
Der Arbeitsprozess wird durch die Google-Bildersuche oder auch die Weise, wie man theoretische Texte über Begriffe findet, sehr stark verändert. Es ist wie ein einsames Gespräch und Google bzw. das Internet und seine Algorithmen sind die Gesprächspartner.

Gibt es in deinen Interessensgebieten einen roten Faden?
Der rote Faden ist immer eine gewisse Form der Ambiguität, der Mehrdeutigkeit. Ich glaube auch, die Herangehensweise selbst ist ein roter Faden. Alles läuft immer durch den individuellen Codierungs-/Decodierungsprozess.
Somit ist es unumgänglich etwas zu „produzieren“ das eigen ist. Es ist sehr schwierig, meine Arbeit auf Themengebiete herunter zu brechen. Mehrdeutigkeit, Uneindeutigkeit, sowohl im Medium als auch im Inhalt, machen sie aus. Die Uneindeutigkeit spricht auch von Unsicherheit, von Unangenehmen zum Teil.

Die Uneindeutigkeit trifft auch auf die Materialwahl zu?
Ich bearbeite beispielsweise Holz, sodass es die Struktur von Metall imitiert. Bei den Sprayarbeiten besteht die Uneindeutigkeit im Medium, nicht in der Materialität, sondern im Medium, das nicht eindeutig den Sparten Fotografie, Malerei oder Zeichnung zuordenbar ist.

Hast du ein besonderes Arbeitsritual, dem du folgst?
Ich versuche, konsequent zu bleiben.

Worin unterscheidet sich – deiner Meinung nach – das Leben als Künstler oder Künstlerin von jenen Menschen, die anderen Berufsgruppen angehören?
Ich kann diese Frage schwer beantworten, da sie davon aus geht, dass Künstler und Künstlerinnen eine Rubrik sind und der Rest der Menschheit eine andere. Ich könnte sagen, wie sich mein Beruf von dem eines Elektrikers bzw. Elektrikerin oder eines Straßenbahnfahrers bzw. Straßenbahnfahrerin unterscheidet … Aber grundsätzlich ist es nichts Romantisches. Außer man findet das Prekariat romantisch.

www.thomas-gaenszler.at

 

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