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Curated By: Love – die dunklen und die schönen Seiten

Das Motto der 17. Ausgabe des Galerienfestivals lässt viel Raum für Gegensätze und zeigt wie vielfältig das Thema kuratorisch gedacht werden kann. Ein Text von Sabine B. Vogel.

Alexa Karolinski/Ingo Niernann for the Army of Love, Oceano de amor, HD, 93 min., 2019 (Videostill). Supported by Robot Love, a project of the Niet Normaal Foundation, Castello di Rivoli – Museo d'Arte Contemporanea, Fachausschuss Film und Medienkunst Basel-Stadt / Basel-Landschaft

In manchen Ausgaben des Wiener Galerienfestivals konnte man von klarer Themenverfehlung sprechen, wenn das vorgegebene Motto schlichtweg ignoriert wurde. Heuer ist das ausgeschlossen. Denn diese 17. Ausgabe steht unter dem Titel „Love“ – und ist damit derartig breit angelegt, dass alles hineinpasst.

Das beweist schon eindrücklich der etwas naive Essay von Ariana Reines: In der Ichform bringt die US-Autorin so viel Namen, Aspekte, Schlagworte und Seitenwege unter wie eigentlich kaum möglich. Diese Essays gehören zu jeder Ausgabe und dienen als Orientierung für die geladenen Kurator:innen. Heuer braucht es das kaum, wie die 24 Galerien beweisen.

Ihre Kurator:innen finden zu poetischen über politische bis zu düsteren Konzepten, wenn etwa Anya Harrison in „Requiem“ für Nächst St. Stephan von der dunklen Seite der Liebe spricht, von Verlust, Schmerz, Abschied, bis hin zu der Darstellung einer enthaupteten Puppe von Penny Goring.

Penny Goring, Double Suicide, 2023, acrylic on paper, 29,7 x 42 cm courtesy the artist and Galerie Molitor, Berlin and by Marjorie Brunet Plaza

 

Auch Benedikt Wyss schaut auf die Schattenseite, wenn er mit „After Love“ für die Galerie Thoman den Blick auf die Überreste und Nachwirkungen von Liebe lenkt. Dafür lud er das Kunstprojekt „Museum of Broken Realtionships“ aus Zagreb ein, die persönliche Gegenstände aus vergangenen Beziehungen sammeln.

So erinnert das Brautkleid im Fenster an die geplante Hochzeit, die durch den frühzeitigen Tod des Bräutigams nie zustande kam. Mit dem Bügeleisen wurde ein Hochzeitskleid gebügelt, eine letzte Erinnerung an eine Ex-Ehe. Dazu zeigen Nanna Kaiser und R. Sebastian Schachinger ein „Kinderzimmer“ für das Kind, das sie nie bekommen haben – ein traumatischer Raum.

Exhibition view “After Love” curated by Benedikt Wyss, Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, 2026. © Galerie Elisabeth & Klaus Thoman / kunst-dokumentation.com

Zwar weitaus politischer, aber auch düster legt Chuz Martinez ihre Schau für die Galerie Krinzinger an: „My Whole Being is a Dark Verse“ zeigt sehr unterschiedliche Ansätze von Liebe in sehr unterschiedlichen politischen Systemen, im Iran, USA und Kuba.

Sie habe sich entschieden, über „die Dunkelheit nachzudenken“, schreibt die Kuratorin. Maryam Tafakorys Film zeigt Filmdetails aus der iranischen Filmgeschichte, die als Codes für Liebe gelesen werden können. Sofia Karims Projekt „Letters of light“ basiert auf ihrem Briefwechsel mit Gefangenen in US-Todeszellen. Alexa Jarikubsjus und Ingo Niermanns Doku begleiteten eine kubanische Gruppe, die über Liebe, Einsamkeit und Fürsorge sprechen.

Alexa Karolinski/Ingo Niernann for the Army of Love, Oceano de amor, HD, 93 min., 2019 (Videostill). Supported by Robot Love, a project of the Niet Normaal Foundation, Castello di Rivoli – Museo d'Arte Contemporanea, Fachausschuss Film und Medienkunst Basel-Stadt / Basel-Landschaft

Wie anders dagegen legt Andreas Reiter-Raabe „Side by Side“ für die Galerie Meyer Kainer an! Der Wiener Künstler versammelt Werke von 23 Künstler:innen, jedes in der künstlerischen Qualität eine Freude anzusehen.

Jedes einzelne Werk habe mit Liebe zu tun, betont er, Kunst könne Erinnerung, Spiritualität, aber eben auch Liebe sichtbar machen, ohne sie eindeutig erklären zu müssen. Er plädiert für Aufmerksamkeit statt schneller Erkenntnis, für ein Verweilen statt Verwerten.

Denn ein Werk sei nicht nur das, was es darstellt. Entscheidend sei auch die Zeit, die wir mit dem Kunstwerk verbringen und all jenes, was während der Betrachtung entstehe. Dafür ist curated by heuer ein hervorragendes Experimentierfeld.

 

Curated by

15.9. – 17.10.2026

Exhibition view “Side by Side” curated by Andreas Reiter Raabe, MEYER*KAINER, 2026. © Courtesy of MEYER*KAINER, Vienna. Photo: Simon Veres