Vienna Art WeekNews

„SICH DER SCHÖNFÄRBEREI DER VERGANGENHEIT ZU WIDERSETZEN IST EIN SCHWIERIGES UNTERFANGEN.“

Eine Organisation bleibt nie unbeeinflusst von den Inhalten, die sie vertritt. Besonders deutlich tritt das aktuell bei der Neugestaltung jenes Ortes zu Tage, an dem Freud bis 1938 hartnäckig die wahren Ursachen psychischer Zustände zu ergründen versuchte, bevor er vor den Nationalsozialisten flüchten musste. Zurück blieb ein „entkernter Erinnerungsort“. Um „das Bild der wahrgenommenen äußeren Realität vor der Verzerrung zu bewahren, die es sonst beim Durchgang durch die psychische Individualität des Wahrnehmenden erfährt“ (Freud 1904), wird auch die neue Vision des Museums die zurückgebliebenen Leerstellen beibehalten und kennzeichnen. Sich dem Vergessen oder der Schönfärberei der Vergangenheit zu widersetzen ist mitunter ein schwieriges Unterfangen – doch einen Versuch ist es uns allemal wert.

Monika Pessler, Sigmund Freud Museum